Gebäudekonzept
Das Bildungszentrum „Haus Overbach“ besteht aus einem benachbarten, dreiteiligen Gebäudeensemble: dem historischen Schlosshof, einem Gymnasium aus den 1950/1960er Jahren und einem ehemals landwirtschaftlich genutzten Ziegelbau. Diese Reste eines ehemaligen Vierkanthofs werden für den Kunstunterricht genutzt. Die heute U-förmige Anlage (Abb. 2) öffnet sich nach Süden mit einem weiten Ausblick in ein angrenzendes Landschaftsschutzgebiet. Das neue Gästehaus und das Science College sollten sich harmonisch in diese Umgebung einfügen. Der Bauherr wünschte, dass zwischen den Gebäuden ein Campus entstehen und die Gebäude mit schlichtem Äußeren, durchdachter Funktionalität und hohem Nutzerkomfort überzeugen sollten. Beide Gebäude sind, u. a. durch einen Aufzug, barrierefrei ausgeführt. Das Gästehaus nimmt als Fortsetzung des östlichen Gebäudeflügels die historischen Maße auf. Das Science College hingegen wurde als Solitärgebäude im Zentrum (des ehemaligen Hofes) errichtet. So bleibt die Gesamtanlage weiterhin zur Landschaft hin offen.
Konzipiert ist das Gebäude (Abb. 3 und 4) als konzentrischer Baukörper um ein Forum herum. Rund um dieses Zentrum sind die einzelnen Fachräume, gewunden wie eine Helix, ansteigend über 5 – 6 Ebenen (bei 2 Geschossen) angeordnet. Das Science College ist als Massivbau in Stahlbeton errichtet. Lediglich der Bereich über dem Forum ist als Leichtbau in Stahl ausgeführt. Das 1. Obergeschoss kragt an zwei Seiten bis zu 8 m frei tragend über die Außenkante des Erdgeschosses hinaus. Die hieraus entstehenden Lasten wurden, ohne Zusatzkosten zu verursachen, über das Dach geführte Armierungen, Stahlbetonwände und Stützen des Gebäudes aufgefangen. Die Wände erfüllen die Anforderungen für erhöhten Schallschutz.
Das zentrale Forum dient der Begegnung, dem individuellen Lernen und als Veranstaltungsort. Dank Rauchgasvorhängen erfüllt dieser offene Raum alle Anforderungen des Brandschutzes. In der Decke leiten drei Heliostaten mit dem Sonnenstand nachführbaren Spiegeln („Lichtbrunnen“) eine regelbare Menge Tageslicht ein (Abb. 5). Hierdurch ist es möglich, bei einem Passivhaus mit hoch wärmegedämmtem Dach im Forum eine erhöhte Lichtfülle zu bieten. Pro Fachgebiet gibt es üblicherweise jeweils drei Räume: Sammlung, Vorbereitung und Hörsaal. Auf Wunsch des Bauherrn ist die „Innenwand“ zwischen den Fachräumen und den Galerien in transparenter, feuerfester Verglasung (F 30) ausgeführt. Damit erhalten die Fachräume von zwei Seiten Tageslicht.
Die Außenfassade des Gebäudes ist mit einem konventionellen Wärmedämmverbundsystem (30 cm Dämmstärke [WLG 040]) gedämmt. Die Aluminiumfensterrahmen liegen in der Ebene vor dem Beton und wurden auf Winkelkonstruktionen versetzt. Bauzeitbedingt erfolgte der luftdichte Anschluss der Fenster bei Außentemperaturen von 0-5 °C und hoher Luftfeuchtigkeit mithilfe von Befestigungsmechanismen (Kedern), Spezialklebern und mechanischer Vortrocknung. Diese Arbeiten erwiesen sich als sehr aufwendig und mussten teilweise mehrfach nachgebessert werden. Ursprünglich sollte das Gebäude eine Fassade mit Vakuum-Isolations-Paneelen erhalten. Trotz internationaler Ausschreibung, die zum Zeitpunkt einer Hochkonjunktur im Baubereich stattfand, war kein Angebot im vertretbaren Kostenrahmen zu bekommen. Daher musste von dieser Planung Abstand genommen werden.
Die Fenster des Science College sind mit elektrochromer 3-fach-Isolierverglasung (elektrochrome Verglasung "E-Control") ausgerüstet. Je nach Schaltzustand wechselt das Glas seine Farbe von transparent nach blau und macht damit den Licht- und Wärmeeintrag ins Gebäude steuerbar (Lichttransmissionsgrad TL: 10 – 45%; g-Wert 10 – 30%). Da dieses Glas eigens für das Projekt produziert werden musste, wurden für das Gebäude drei Standardgrößen für Fenster festgelegt. Dies begrenzte die Kosten und ließ auch eine kleine „Reserveproduktion“ für künftige Defekte zu. Vorteile dieser Verglasung sind: Vermeidung unerwünschter Einträge solarer Wärme im Sommerhalbjahr, ganzjährig ungestörte Sichtbeziehung nach außen, mehr architektonische Freiheiten und keine Windanfälligkeit. Dem stehen die Nachteile gegenüber: weniger Tageslicht und solare Gewinne, komplexe Regelung. Auf Wunsch des Bauherrn, der die Lichtatmosphäre im Betrieb auswerten möchte, ist das Gebäude vorsorglich für den späteren Einbau eines außenliegenden Sonnenschutzes vorgerüstet.
Gästehaus
Das 2-geschossige Passivhaus bietet acht Einzel- und zwei Doppelzimmer sowie einen nach Süden orientierten gemeinsamen Küchen- und Sozialraum. Die Außenwände sind als 2-schaliges Klinkermauerwerk (200 mm Schalenabstand und 180 mm Mineralwolle [035]) ausgeführt. In diesem Gebäude wurden keine Fenster mit elektrochromer Verglasung eingesetzt. Das Gästehaus wird über die Heizzentrale des Science Center mitversorgt. Die Energiebezugsfläche beträgt 373 m², das umbaute Volumen 1.626 m³ und das A/V-Verhältnis 0,56 m-1.
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- Fazit und Perspektiven
Adressen
Koordination
Harald von Reis
Bauherr
Haus Overbach
Generalplanung, Architekt und Bauleitung
Hahn Helten + Assoziierte
Gebäudetechnik
INCO Ingenieurbüro
Wissenschaftliche Begleitforschung
SIJ
Thermische Gebäudesimulation
IPJ
Geothermal Response Test
UBeg GbR
Downloads
Informationsheft des Science College
(pdf, 28 Seiten, 7,8 MB)
Präsentation des Projektteams
(pdf, 19 Seiten, 1,4 MB)
Zusatzinfos







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