Mehr als Fassade - Niedrigenergie-Bürogebäude
Beim Neubau eines Firmengebäudes wird gerne auf eine moderne Architektursprache gesetzt, um das Unternehmen zeitgemäß und zukunftsfähig zu präsentieren. Daneben rücken flexible Nutzungsmöglichkeiten und auch der Arbeitsplatzkomfort zunehmend in das Interesse des Arbeitgebers.
Das neue Verwaltungsgebäude des Sägewerks Pollmeier, ein mittelständisches Unternehmen mit 400 Mitarbeitern, hat 2002 für seine außergewöhnliche Architektur den deutschen Fassadenbaupreis erhalten. Gleichzeitig zeichnet es sich durch hohe Energieeffizienz und ein innovatives Gebäudetechnikkonzept aus. Ziel von Bauherr und Planern war es, ein Gebäude mit hochwertigen Arbeitsplätzen zu schaffen und dabei einen Heizwärmebedarf unter 40 kWh/m²a sowie einen Primärenergiebedarf unter 100 kWh/m²a zu erreichen.
Neben der Minderung der Energieverluste durch eine gute thermische Hülle spielt dabei die Gebäudetechnik eine wesentliche Rolle. Im Rahmen eines eigenen Förderkonzepts unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) die energetische Optimierung in der Planungsphase sowie die messtechnische Erfassung und Auswertung des Gebäudebetriebs.
Bereits der erste Entwurf der Architekten zeigte das Potenzial zu einem energieeffizienten Gebäude, beispielsweise aufgrund der Grundrissentwicklung um ein überdachtes Atrium oder der nach Himmelsrichtung abgestimmten Fensterflächenanteile. Mit Hilfe umfangreicher Simulationsrechnungen wurde der Einsatz verschiedener baulicher und technischer Komponenten hinsichtlich Kosten, Energieverbrauch und Wirkung verglichen, um das angestrebte Ziel kostenoptimal zu erreichen. Bei den Einzelaspekten Wärmebedarf, Raumklima und Tageslichtversorgung waren dabei jeweils die gegenseitigen, sich zum Teil widersprechenden energetischen Auswirkungen zu berücksichtigen. Im Ergebnis ist die Gebäudetechnik des Neubaus einfach und kostengünstig gehalten und folgt damit der Idee des „schlanken Gebäudes“. Auf eine aktive Kühlung konnte verzichtet werden. Eine Photovoltaik- Anlage ergänzt die regenerative Energieversorgung.
Der mit dem damals gültigen Berechnungsverfahren nach WSchVo 95 ermittelte Jahresheizwärmebedarf des Gebäudes liegt bei 33,4 kWh/m², damit ist der zulässige Wert um rund 45% unterschritten. Als Primärenergiebedarf für Heizung, Lüftung, Beleuchtung und sonstige Haustechnik wurden in der Planungsphase 56,4 kWh/m²a errechnet. Dies ist gleichzusetzen mit einer Einsparung von 65% gegenüber einem herkömmlichen Bürogebäude.
Die Monitoring-Phase seit Februar 2002 ergibt für das Gebäude insgesamt gute Energiekennwerte, die aber deutlich hinter den Erwartungen aus der Planungsphase zurückstehen. Die Gründe hierfür deckte die detaillierte Auswertung auf.
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