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Projektinfos  – Energieforschung konkret

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In einem Hotel machen die Energiekosten zwischen fünf und zehn Prozent des Umsatzes aus.
© DP Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG
Gebäudeenergiekonzept
Projektinfo 15/2017

Zusammenfassung: Eingebaute Gebäudetechnik
© Hochschule Rosenheim

Schema der zentralen Wärme- und Kälteerzeugung
© Hochschule Rosenheim
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Neues Haustechnikkonzept für Hotel erprobt

Beim Umbau eines Wohngebäudes zum Hotel in der Münchner Innenstadt stand neben dem Komfort die Energieeffizienz im Fokus. Die Gebäudehülle erreicht nach der Sanierung nahezu Passivhausstandard. Die Anlagentechnik geht einen neuen Weg: Dezentrale Wärmepumpen erzeugen Warmwasser und Heizwärme zimmerweise. Ein Zweileiter-Kaltwassernetz gleicht den Wärme- und Kältebedarf zwischen den einzelnen Räumen aus. Wissenschaftler der Hochschule Rosenheim überprüften das Konzept zweieinhalb Jahre lang auf seine Effizienz und unterstützten die Betriebsoptimierung.

Energiekosten machen in Hotels fünf bis zehn Prozent des Umsatzes aus. Doch bei Baumaßnahmen steht selten die Energieeffizienz im Vordergrund. Anders beim Betreiber der Derag Livinghotels. Für sein Haus am Viktualienmarkt in München entwickelte er gemeinsam mit dem Anlagenhersteller COLT International ein ungewöhnliches Konzept für die Gebäudetechnik. Es sollte den Nutzern hohen Komfort bieten und aufgrund seiner Effizienz die Betriebskosten gering halten.

Das sechsgeschossige ehemalige Wohngebäude in Stahlbeton-Schottenbauweise, Baujahr 1970, wurde 2011 grundlegend saniert und zu einem Vier-Sterne-Hotel umgebaut. Die Gebäudehülle mit einem durchschnittlichen U-Wert von 0,5 W/m²K erreicht nahezu Passivhausstandard. Auffallend sind die großformatigen Fensterflächen aus Sonnenschutz-Verglasung an der Nordost- und Südwest-Fassade. Auf 7 Geschosse verteilen sich 43 Hotelzimmer. Deren innenliegenden Bäder orientieren sich zum Flur hin. In der Trennwand zwischen Bad und Hotelzimmer, die in der Regel auch das Kopfende des Bettes bildet, ist die dezentrale Anlagentechnik untergebracht.

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Legionellengefahr im Blick

Der Auslöser, ein neues Gebäudetechnikkonzept zu entwickeln, war das Thema Legionellenschutz. Der Warmwasserbedarf in Hotelzimmern unterliegt großen Schwankungen. In der Nebensaison ist er manchmal sehr sporadisch und begünstigt dadurch Legionellenwachstum. Dem wird in der Regel durch hohe Vorlauftemperaturen oder dezentrale Boiler begegnet. Das neuartige Konzept will dieses Problem energieeffizienter lösen: Herzstück ist eine Klein-Wärmepumpe in ¬jedem Zimmer, die die Wärme zur Raumheizung und Trinkwassererwärmung erzeugt, kombiniert mit einem 160-Liter-Pufferspeicher. Die Warmwasserbereitung erfolgt jeweils über eine Frischwasserstation. Die Wärme- und Kälteübergabe an die Räume übernehmen in erster Linie Klimadecken sowie das zentrale Lüftungssystem.

Hausinterne Energiequellen genutzt

Durch das gesamte Hotel führt ein Zweileitersystem mit niedrigem Temperaturniveau (11 bis 17 °C). Dieser sogenannte Neutralleiter verbindet die Zimmer untereinander und mit einem zentralen Pufferspeicher. Für den notwendigen Volumenstrom sorgt eine Zwillingspumpe, die automatisch nach Bedarf als Einzel- oder Doppelpumpe agieren kann. Das Wasser aus dem Neutralleiter fließt bei Kältebedarf direkt in die Klimadecken und dient außerdem den Wärmepumpen als Wärmequelle. Jedes Zimmer kann so den Wärme- bzw. Kälteüberschuss anderer Zimmer nutzen. Diese Kopplung reduziert den Gesamtenergieverbrauch, wenn Wärme- und Kühlbedarf gleichzeitig vorliegen. Falls Wärmeeinspeisung und -entzug aus dem Neutralleiter nicht ausgeglichen sind, kann überschüssige Energie in einen Warm- beziehungsweise einen Kaltspeicher ausgelagert und im Bedarfsfall darauf zurückgegriffen werden. Geht das Ungleichgewicht zwischen Wärme- und Kältebedarf über diese Speicherkapazität hinaus, wird zusätzliche Energie zugeführt. Das übernehmen im Bereich Wärme eine solarthermische Anlage, eine Wärmerückgewinnung aus Grauwasser sowie elektrische Heizpatronen; eine Kältemaschine mit Freikühlung stellt Kälte bereit. Das Hotel benötigt zur Energieversorgung nur Strom. Einen minimalen Anteil davon kann die hauseigene PV-Anlage liefern.

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Adressen

Projektleitung
Hochschule Rosenheim

Betreiber der Hotelkette
DP Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG

Konzept, Planung, Ausführung Gebäudetechnik
Colt International GmbH

Links

Effiziengebäude der dena
Energieeffizienz in öffentlichen und gewerblichen Immobilien

DEHOGA
Die Energiekampagne für Hotels und Gaststätten

DERAG Livinghotels
Website des DERAG Livinghotels am Viktualienmarkt

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