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Abb. 2: Diese Faktoren beeinflussen das Lüften
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Einströmende Außenluft mit 80% Luftfeuchtigkeit, aber im ersten Fall einer Temperatur von 0 °C und im zweiten von 10 °C, führt im Innenraum nach einer Erwärmung auf 20 °C zu verschiedenen relativen Luftfeuchtigkeiten
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Abb. 3: Charakteristischer CO2-Anstieg in einem Schlafzimmer: Vergleich Fensterlüftung – ventilatorgestützte Lüftung
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Behagliches Wohnklima

Menschen in Innenräumen verbrauchen Sauerstoff und geben CO2, Feuchtigkeit und Gerüche an die Innenluft ab. Hinzu kommen noch Emissionen aus Möbeln, Teppichen, Haushaltschemikalien, Hausstaub etc. Abb. 2 zeigt wichtige Einflussfaktoren bei der Lüftung. Regelmäßiges Lüften muss für einen Austausch mit der frischen Außenluft sorgen. Entgegen landläufiger Meinung ist es nicht das Absinken des Sauerstoffgehalts der Luft, der Menschen nach einer Zeit mit geschlossenen Fenstern zum Lüften motiviert, sondern der Anstieg der Feuchtigkeit und des CO2 – Gehalts (Abb. 3). Dessen Anstieg wird von den Bewohnern als „Mief“ wahrgenommen. Der CO2 – Gehalt der Innenluft sollte eine Konzentration von 0,1% bzw. 1.000 ppm (natürlicher Anteil Außenluft: 0,03%) nicht überschreiten. Diese Grenze wird auch Pettenkofer-Wert genannt, nach dem deutschen Hygieneforscher Max von Pettenkofer, der im 19. Jahrhundert grundlegende Erkenntnisse zur Luftqualität in Innenräumen erarbeitet hatte. Beispielsweise bedeutet das in einer Wohnung mit 4 Personen etwa einen kompletten Luftwechsel alle 2 Stunden.

Die abgegebene Feuchtigkeit ist ein größeres Problem und ihr Weglüften ist die zentrale Aufgabe der Lüftung, abgesehen von besonderen Belastungen (z. B. Raucher, Allergien). Menschen geben pro Stunde ca. 45 g (Schlaf) bzw. zwischen 90 g (Hausarbeit) und 170 g (anstrengende Tätigkeit) Wasser an die Umgebungsluft ab. In Wohnungen erreicht die Luftfeuchtigkeit nach Duschen oder Kochen Spitzenwerte. Insgesamt kommen bei einem Vierpersonenhaushalt etwa 10 bis 15 l Wasser pro Tag zusammen.

Relative Luftfeuchtigkeit

Die meisten Menschen fühlen sich bei einer relativen Luftfeuchtigkeit in Innenräumen zwischen 35% und 60% wohl; der ideale Wert liegt unter normaler Raumtemperatur bei 45%. Ein Kubikmeter Luft kann – je nach Temperatur – eine bestimmte Menge Wasserdampf aufnehmen. Kalte Luft kann weniger als warme absorbieren. Die relative Luftfeuchtigkeit [gemessen in %] gibt an, in welchem Maße diese temperaturabhängige Absorptionsfähigkeit der Luft ausgeschöpft ist. Bei 100% verflüssigt sich der Wasserdampf wieder und zeigt sich als Nebel oder Feuchteniederschlag. Abb. 4 zeigt, wie stark die Temperatur der einströmenden Frischluft die relative Luftfeuchtigkeit in einer 20 °C warmen Wohnung beeinflusst. Umgekehrt: Gelangt Luft aus einem Badezimmer mit 22 °C Temperatur und 100% Luftfeuchte in ein 15 °C warmes Schlafzimmer, dann setzt jeder Kubikmeter 6,6 g Wasser frei, das sich an den kältesten Flächen des Zimmers niederschlägt. Diesen Kondensations-Effekt kann man im Sommer an jeder kalten Glasflasche sehen, die man aus dem Kühlschrank nimmt und an die „Luft“ stellt.

Etwa 98% der Luftfeuchtigkeit werden durch die Fensterlüftung aus dem Innenraum entfernt und nur ca. 2% macht die Dampfdiffusion durch das Mauerwerk aus. Zwar können auch die ersten 20 mm der Oberflächen von Wänden, Möbeln und Teppichen Feuchtigkeit absorbieren, aber diese geben sie später wieder an die Innenraumluft ab. So wird die Feuchtigkeit nur zeitweise gepuffert. Wärmegedämmte Außenwände sind keinesfalls ursächlich für Feuchteschäden in Wohnungen, sondern im Gegenteil verhindern ihre warmen Innenoberflächen die Kondensation von zu hoher Luftfeuchtigkeit.

Raumluft mit einer hohen Luftfeuchtigkeit (> 65%) birgt in Verbindung mit organischen Materialien (z. B. Holz, Papiertapeten) ein hohes Risiko für das Anwachsen von Schimmelpilzen, deren Sporen natürlicherweise überall in der Luft enthalten sind. Besonders gefährdet sind Außenecken, Fensterlaibungen und Flächen hinter Schränken und Bildern an ungedämmten Außenwänden, wenn die Außentemperatur in der Nähe des Gefrierpunktes liegt.

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