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Heizungsoptimierung für Bestandsgebäude

In Bestandsgebäuden findet man vielfach neben gar nicht oder schlecht gedämmten Gebäudehüllen sogenannte „Hochtemperatur-Heizungen“ vor. Auch die Auslegung der Verteilsysteme und Heizungsumwälzpumpen ist oft mangelhaft; die Durchflusswerte der eingesetzten Thermostatventile sind vielfach zu hoch und der hydraulische Abgleich in weniger als 10% der Anlagen vorhanden. Nur knapp die Hälfte der Thermostatventile lässt sich überhaupt voreinstellen.

Um das Heizsystem optimal einzustellen, sind drei Maßnahmen erforderlich: Der hydraulische Abgleich an den Heizkörpern durch Wassermengenbegrenzung an Thermostatventilgehäusen oder Rücklaufverschraubungen, der Einbau elektronisch geregelter Pumpen und deren sachgerechte Ansteuerung sowie die Einstellung der Vorlauftemperatur am zentralen Regler. Durch diese Maßnahmen kann der Pumpenstromverbrauch um 70 - 95% gesenkt werden. Außerdem wird erst durch einen hydraulischen Abgleich die Voraussetzung für eine Brennwertnutzung geschaffen, deren Einsparpotenzial bei schon vorhandenen Brennwertkesseln bis zu 11% betragen kann.

Im Neubau ist der hydraulische Abgleich eigentlich verpflichtend, doch in der EnEV 2014 sollte er nachdrücklich eingefordert werden. Die KfW Bank und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fordern ihn zumindest im Rahmen ihrer Förderprogramme für Bestand und Neubau.

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützte Forschungsprojekt »Optimus« hat Heizungsanlagen in 92 Wohngebäuden unter die Lupe genommen, darunter Ein- und Mehrfamilienhäuser verschiedener Baualtersklassen. Bei fast allen Anlagen konnte die Regelung besser auf die Anlage abgestimmt und die Vorlauftemperatur gesenkt werden. Auch die Pumpenleistung konnte in vielen Fällen herabgesetzt werden. Um die vielen dafür nötigen Daten aufzunehmen, war allerdings eine Begehung jedes beheizten Raumes vor Ort nötig. Für große Liegenschaften mit komplexer Wärmeversorgung könnten auch deshalb automatisierte Verfahren der Anlagenoptimierung künftig eine Option sein. Allerdings ist der besondere Aufwand für die Modellbildung und technische Umsetzung gegenüber einer „profanen“ Heizungsoptimierung vor Ort abzuwägen. Notwendig ist auch eine Vereinfachung und Standardisierung automatisierter Verfahren. Denn erst damit lassen sich akzeptable Nutzen-Kosten-Relationen erreichen.

Projektinfo 05/2013:
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Merkzettel

Adressen

Projektkoordinierung, Verfahrensentwicklung
Fraunhofer ISE

Datenerfassung, und -messung, Umsetzung in Demogebäuden
PLENUM Ingenieurgesellschaft

Entwicklung von Hard- und Software
ennovatis Schweiz AG

Entwicklung der Verfahren zur Gebäude-Einregulierung
HAW Hamburg

Öffentlichkeitsarbeit, Workshops
Energieagentur Regio Freiburg GmbH

Links

Projektwebsite ModQS
Qualitätssicherung für einen energieeffizienten Gebäudebetrieb

OPTIMUS
Von der DBU gefördertes Forschungs- und Qualifizierungsprojekt

ENERGIEWENDEBAUEN
Projekte, Berichte, Nachrichten
und Analysen aus der Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN

Infotipp

Wenn Wetterprognosen die Heizung steuern
BINE-Projektinfo 14/2011

Gebäude energieeffizient betreiben
BINE-Themeninfo I/2010

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.