.

News  – Nachrichten aus der Energieforschung

Kurzcharakteristik lesen

Die neuen TRY-Datensätze berücksichtigen den Einfluss städtischer Ballungsräume auf die Lufttemperatur und -feuchte direkt.
© taikrixel/iStock/Thinkstock
Testreferenzjahre
24.07.2017

Neue Klimadatensätze räumlich präziser

Mithilfe von Testreferenzjahren lässt sich in der Planungsphase das thermische Verhalten von Gebäuden bezogen auf einen bestimmten Standort bewerten. Der Deutsche Wetterdienst hat dafür im Rahmen eines Forschungsprojekts die Datenbasis verbessert, aktualisiert und Phänomene wie städtische Wärmeinseln und Höhenlagen direkt integriert. Für jeden Quadratkilometer des Bundesgebiets liegen jetzt solche Datensätze vor.

Testreferenzjahre, kurz TRY (Test Reference Year), enthalten für jede Stunde eines Jahres eine Vielzahl meteorologischer Daten. Sie sollen damit einen durchschnittlichen, für das Jahr typischen Witterungsverlauf an einem bestimmten Standort wiedergeben. Zusätzlich sind Daten extrem verlaufender Sommer- bzw. Winterhalbjahre hinterlegt. Planer und Ingenieure nutzen solche Datensätze vor allem für heizungs- und klimatechnische Simulationen und Berechnungen von Gebäuden.

Der Deutsche Wetterdienst hat jetzt neue, räumlich hochauflösende Testreferenzjahre veröffentlicht. Forscher erstellten für jeden einzelnen Quadratkilometer des Bundesgebiets individuelle TRY-Datensätze. Dafür interpolierten sie Daten von meteorologischen Stationen, Satelliten und Modellen in die Fläche. Die räumliche Genauigkeit ermöglicht verlässlichere Aussagen zu den klimatischen Verhältnissen am Untersuchungsort als die bisherigen Klimadaten. Für diese wurde Deutschland lediglich in 15 Klimaregionen eingeteilt. Jeder dieser Regionen waren die Daten einer konkreten Wetterstation zugrunde gelegt, die das typische Klima dort repräsentierte (Repräsentanzstation).

In die neuen TRY-Datensätze ist der Einfluss städtischer Ballungsräume auf die Lufttemperatur und auf Feuchtegrößen, gesteuert über Landnutzungsdaten, direkt integriert. Auch die Variabilität der Klimaparameter mit der Geländehöhe ist bereits berücksichtigt. So können die TRY unmittelbar verwendet werden. Bisher mussten die Anwender beides über ein separates Programmodul zuschalten, was eine Fehlerquelle darstellte.

Eine Fülle an Klimaparametern

Nach wie vor bestehen die Testreferenzjahre aus Datensätzen ausgewählter meteorologischer Parameter für jede Stunde eines Jahres. Jeder dieser Datensätze setzt sich aus 8.760 Einträgen im ASCII-Format zusammen und enthält unter anderem Angaben zu:

  • Bedeckungsgrad
  • Windrichtung
  • Windgeschwindigkeit
  • Lufttemperatur
  • Wasserdampfgehalt
  • Relative Feuchte
  • Direkte Sonnenbestrahlungsstärke bezogen auf die horizontale Fläche
  • Diffuse Sonnenbestrahlungsstärke bezogen auf die horizontale Fläche
  • Bestrahlungsstärke der atmosphärischen Wärmestrahlung bezogen auf die horizontale Fläche
  • Spezifische Ausstrahlung der Wärmestrahlung der Erdoberfläche

Neu sind die Angaben zu kurzwelliger Strahlung und Globalstrahlung, die auf der Kombination boden- und satellitenbasierter Messungen beruhen. Diese Informationen sind vor allem für die Planung von Solarthermie- und Photovoltaikanlagen relevant, sollten aber auch bei der Betrachtung des Innenraumklimas berücksichtigt werden.

Reale Messdaten als Grundlage

Für die Testreferenzjahre wurde, wie bisher auch, eine Auswahl realer Witterungsabschnitte so zusammengefügt, dass die Monats- und Jahreszeitenmittelwerte der Lufttemperatur und der Globalstrahlung möglichst gut mit den langjährigen Mittelwerten übereinstimmen. Die Basisperiode wurde auf den Zeitraum 1995 bis 2012 aktualisiert. Die unveränderte Methodik macht alte und neue Testreferenzjahre vergleichbar.
Um heiz- und raumlufttechnische Anlagen auch für extreme Belastungen auslegen zu können, stehen Datensätze für je ein Jahr mit einem sehr kalten Winterhalbjahr (Oktober bis März) und einem sehr warmen Sommerhalbjahr (April bis September) zur Verfügung. Bei beiden handelt es sich um einen realen Jahreszeitraum.
Zusätzlich wurden Testreferenzjahre auf Basis von Klimamodellen für den Zeitraum 2031-2060 entwickelt. Diese enthalten sowohl die mittleren als auch die extremen Testreferenzjahre und sind mit dem Aufbau der übrigen TRY-Datensätze identisch.

(dg)

Merkzettel

Adressen

Projektleitung
DWD

Infotipp

Wenn Wetterprognosen die Heizung steuern
BINE-Projektinfo 14/2011

Links

Zugang zu Testreferenzjahr-Datensätzen 2017
Die Datensätze stehen kostenfrei zum Download. Zur Nutzung ist es erforderlich, einen User-Account einzurichten.

Handbuch und Projektbericht

ENERGIEWENDEBAUEN
Projekte, Berichte, Nachrichten
und Analysen aus der Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN