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Die Forscher untersuchen, wie sich bei gesammeltem Grüngut im Laufe des Jahres die Anteile von Brennstoff- und Kompostfraktion sowie die Brennstoffqualität unterscheiden, abhängig von unterschiedlichen Aufbereitungsstrecken und Inputmaterial.
© Witzenhausen-Institut
Gartenabfall optimal verwerten
09.08.2018

Jährliche Mengen-Potenziale von Grüngut, Gesamtmengen für Deutschland und pro Kopf
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Von Entsorgern erfasste Grüngut-Mengen: Die Auswirkung von Gebühr und Gebührenhöhe sind klar erkennbar.
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Die Übersicht zeigt die Grüngut-Mengen, die im Jahr 2015 von 387 Entsorgungsträgern gesammelt wurden. Die erfassten Mengen unterscheiden sich stark, auch abhängig vom jeweiligen Erfassungssystem.
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Grüngut sortieren und energetisch nutzen

Neben der Biotonne, die hauptsächlich häusliche pflanzliche Abfälle erfasst, könnte die getrennte Sammlung gröberer holziger Materialien aus Garten- und Parkabfällen eine beträchtliche Menge an Brennstoff für die thermische Verwertung bereitstellen. Wissenschaftler untersuchten, wie groß das Potenzial an Biomasse ist, die sich besser zur Verbrennung in BHKW statt zur Kompostierung eignet.

Bislang werden die Potenziale von Garten- und Parkabfällen aus Siedlungsgebieten, sogenanntem Grüngut, für eine hochwertige Verwertung nur unzureichend ausgeschöpft, sei es stofflich als Kompost oder energetisch als Brennstoff.

Forscher des Witzenhausen-Instituts untersuchen nun, welche Mengen an Grüngut in Deutschland zur energetischen Nutzung erfasst werden können. Im Projekt Grün-OPTI arbeiten sie daran, wie Grüngut bestmöglich gesammelt, aufbereitet und stofflich-energetisch verwertet werden kann. Dafür befragten sie die Betreiber von 175 Behandlungsanlagen in Deutschland. Auf dieser Grundlage dokumentierten und bewerteten sie die bestehenden Erfassungssysteme und Anlagen.

Holziges Material vor der Kompostierung separieren

Rund drei Viertel der von den befragten Entsorgern betriebenen Grüngut-Kompostierungsanlagen trennen vor und/oder nach der Kompostierung holzige Materialien zur Brennstoffverwertung ab. Der Hauptvermarktungsweg für diesen Brennstoff ist die Abgabe an Biomasseheiz(kraft)werke. Die Anlagen sortieren im Durchschnitt etwa 18% des eingebrachten Grünguts als Brennstofffraktion aus. Die Forscher gehen davon aus, dass eine thermische Verwertung von bis zu 30% möglich wäre. Projektleiter Dr. Felix Richter: „Ausgehend von etwa 5 Millionen Tonnen Grüngut pro Jahr kommen wir auf 1 bis 2 Millionen Tonnen Brennstoff, wenn wir die holzigen Anteile abtrennen. Wir untersuchen nun gemeinsam mit Nahwärmenetz-Betreibern, wie sich diese holzigen Anteile in KWK-Anlagen verwerten lassen. Meist entspricht das Material der DIN-Norm für Holzhackschnitzel.“ Die grünen und krautigen Anteile lassen sich zu hochwertigem Kompost verarbeiten.

Empfehlungen zur Sammlung und Verwertung von Grüngut / Gartenabfall

Im Hinblick auf eine optimierte stofflich-energetische Verwertung sollte Gartenabfall (Grüngut) getrennt erfasst werden. Doch große Mengen Grüngut, speziell auch sperrige Stücke, können häufig nicht über die Biotonne entsorgt werden. Dennoch sammeln noch immer nicht alle Gemeinden bzw. öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger (örE) zusätzlich zur Biotonne solche sogenannte überlassungspflichtige Bioabfälle getrennt. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) fordert eine solche getrennte Sammlung seit Anfang 2015.

Während im Jahr 2014 nach Erhebung des Instituts im Bundesdurchschnitt pro Einwohner und Jahr 62 kg Grüngut erfasst wurden, liegt das mögliche Potenzial mit 178 kg pro Einwohner und Jahr fast dreimal so hoch.

Diese Faktoren beeinflussen, welche Mengen an Grüngut die Entsorgungsträger erfassen:

  • Art der Erfassung: Hol- bzw. Bringsysteme
  • Grüngutfraktion: Holziges Grüngut, krautiges Grüngut, Laub
  • Gebühr: Kostenfrei, kostenpflichtig, mengenabhängig, fraktionsabhängig
  • Abfuhrrhythmus bei Holsystemen: Fix, auf Abruf, Anzahl Abfuhrtermine
  • Öffnungszeiten bei Bringsystemen: Saisonal, ganzjährig, täglich, wöchentlich
  • Sammelbehälter bei Bringsystem: Container, offener Haufen, Müllfahrzeug
  • Erreichbarkeit der Sammelstelle bei Bringsystem: Einwohner bzw. km2 pro Sammelstelle

Es zeigt sich, dass die erfasste Menge steigt, wenn häufiger gesammelt wird, und viele, gut verteilte und erreichbare Sammelplätze vorhanden sind - und insbesondere, wenn haushaltsübliche Mengen gebührenfrei abgegeben werden können. Bei gebührenfreier Abgabe liegt die erfasste Menge mit 75 kg pro Einwohner und Jahr fast doppelt so hoch wie bei der gebührenpflichtigen Variante. Fazit der Forscher: Für eine möglichst hohe Verwertungsrate sollten die Entsorger bei der Erfassung Komfort und Service verbessern, möglichst durch kostenlose Abholung statt gebührenpflichtige Ablieferung an (wenigen) Abgabestellen.

Grüngut effizient aufbereiten

Auf drei Grüngutbehandlungsanlagen führten die Forscher wiederholte Praxisuntersuchungen durch. Dabei kooperierten sie mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises, der Rhein-Hunsrück-Entsorgung sowie dem Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße. Gemeinsam mit diesen  Praxisbetrieben untersuchten sie, welche Faktoren für eine effiziente Aufbereitung von Grüngut zu beachten sind, um qualitativ hochwertigem Kompost und Brennstoff zu erzeugen. Auf dieser Grundlage erarbeiteten sie Handlungsempfehlungen für eine ressourcenschonende stofflich-energetische Nutzung. Im nächsten Schritt definierten sie Erfolgskriterien für eine Wertschöpfungskette „holziges Grüngut“. Die mögliche Einsparung von Treibhausgas-Emissionen wäre beträchtlich: Durch die Erzeugung von Kompost und regenerativer Energie ließen sich bei den derzeit pro Jahr erfassten Mengen von 4,7 Millionen Tonnen Grüngut etwa 3,3 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

(gh)

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Adressen

Projektleitung
Witzenhausen-Institut

Was sind Grüngut und Bioabfälle?

Die kommunale Abfallwirtschaft gliedert Pflanzenabfälle in die zwei Kategorien Grüngut und Bioabfälle: Sogenanntes Grüngut besteht aus Garten- und Parkabfällen aus Siedlungsgebieten. Bioabfälle sind die getrennt gesammelte organische Fraktion des Hausmülls, umgangssprachlich als Biotonne bezeichnet.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) definiert Bioabfall als biologisch abbaubare pflanzliche, tierische oder aus Pilzmaterial bestehende Garten- und Parkabfälle, Landschaftspflegeabfälle, Nahrungs- und Küchenabfälle aus Haushalten und vergleichbare Abfälle aus sonstigen Herkunftsbereichen.

Links

Forschungsnetzwerk Bioenergie
Website des Forschungsnetzwerks Bioenergie

Energetische Biomassenutzung
Website des Förderprogramms Energetische Biomassenutzung

GrünOpti
Projektsteckbrief

DBFZ
Website des Deutschen Biomasse-Forschungszentrum

Brennstoffdatenbank
Eine neue Brennstoffdatenbank vom Technologie- und Förderzentrum und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt ermöglicht eine Beurteilung von Biomasse-Brennstoffen

Infotipps

Betrieb von Biogasanlagen an Strombedarf anpassen
BINE-Projektinfo 07/2018

Gas aus Biokohlenstaub
BINE-Projektinfo 04/2017

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.