.

Der Abgleich von gemessenem Verbrauch und berechnetem Bedarf im TEK-Tool (hier für ein Beispielgebäude) ist Voraussetzung für die verlässliche Prognose von Einsparpotenzialen.
© IWU

Ergebnisse der Querschnittsauswertungen aus dem Feldtest: Das Verhältnis von Bedarf und Verbrauch für Wärme (oben) und Strom (unten) für die einzelnen Gebäude.
© IWU
2 / 3

Kurzzeitmessungen und Lastganganalysen liefern fehlende Werte

Liegen Daten zur Nutzung und der energetischen Qualität der Hülle oder der Anlagentechnik nur lückenhaft vor, ist es schwierig, Teilenergiekennwerte zu berechnen. Kurzzeitmessungen von Teilenergieverbräuchen über zwei bis vier Wochen, beispielsweise an großen haustechnischen Anlagen, können dann helfen, die Verbräuche realitätsnah auf die einzelnen Energieanwendungen aufzuteilen und die Bedarfsberechnungen auf Plausibilität zu prüfen. Im Forschungsprojekt wurden am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE deshalb ein Leitfaden und ein weiteres Excel-Tool entwickelt, die Verfahren zur Hochrechnung von Kurzzeitmessungen auf das Jahr für Heizenergie, Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Lüftung und Kälte vorschlagen.

Insbesondere bei Gebäuden mit einer schlechten Zählerstruktur können auch temporäre Lastgangmessungen wichtige Hinweise auf die Verbrauchsstruktur geben. Ein zusätzlich im Rahmen des Forschungsprojekts TEK am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelter Leitfaden und eine Excel-Arbeitshilfe erleichtern dem Energieberater deren Auswertung und Interpretation.

Bedarf und Verbrauch abgleichen

Ein wichtiges Ziel im TEK-Verfahren ist es, den berechneten Bedarf und den gemessenen Verbrauch abzugleichen – insbesondere für die glaubwürdige Berechnung von Einsparpotenzialen und der Wirtschaftlichkeit von Modernisierungsmaßnahmen. Im TEK-Tool wird immer der Verbrauch erfasst und dem berechneten Bedarf gegenüber gestellt. Damit die Bilanzgrenzen übereinstimmen, werden die nutzungsspezifischen Stromverbräuche in die Analyse einbezogen. Auch die Nutzungsrandbedingungen wie Nutzungszeiten, Raumtemperaturen oder interne Wärmequellen müssen realitätsnah abgebildet werden. Aber selbst dann gelingt der Bedarfs-Verbrauchs-Abgleich nicht immer. So ist es beispielsweise sehr schwer, den tatsächlichen Luftwechsel bei Fensterlüftung oder den Einfluss von Wärmebrücken bei Bestandsgebäuden abzuschätzen. Abweichungen von ± 20 Prozent zwischen berechnetem Bedarf und gemessenem Verbrauch sind deshalb bei solchen statischen Bilanzierungsverfahren als normal anzusehen.

Energetische Schwachstellen aufzeigen

Die mit dem TEK-Tool berechneten, objektspezifischen Teilenergiekennwerte werden automatisch qualitativ und quantitativ auf energetische Schwachstellen des Gebäudes hin analysiert. Dabei helfen die auf Zonen- und Anlagenebene definierten Referenz-Teilenergiekennwerte und Energieaufwandsklassen. Der Energieberater kann diese Schwachstellenanalyse nutzen, um mögliche Modernisierungsmaßnahmen für das Gebäude zu erkennen. Neben den Erkenntnissen aus der rechnerischen Analyse müssen auch die bei der Ortsbegehung und im Rahmen der Lastganganalyse identifizierten Verbesserungsmaßnahmen in ein Gesamtkonzept einfließen. Mit dem zusätzlich im Projekt erstellten TEK-Wirtschaftlichkeitstool lassen sich für Modernisierungsmaßnahmen die jährlichen Gesamtkosten aus Kapital-, Energie- und Instandhaltungskosten abschätzen.

Feldtest belegt Zuverlässigkeit des TEK-Verfahrens

Das TEK-Tool wurde an 75 Nichtwohngebäuden aus sechs Gebäudekategorien erprobt. Damit haben die Wissenschaftler auch eine umfangreiche Datenbasis aufgebaut. Querschnittsauswertungen liegen für verschiedene Berechnungseinstellungen vor, z. B. mit standardisierten bzw. objektspezifischen Nutzungsrandbedingungen. Außerdem wurden aus den Gebäudedaten des TEK-Feldtests Korrekturfunktionen für das Ergebnis der Bedarfsberechnungen mit standardisierten und objektspezifischen Nutzungsrandbedingungen in Abhängigkeit des Effizienzstandards der Gebäude abgeleitet. Mit ihnen lassen sich rechnerische Einsparprognosen über große Gebäudeportfolios oder den nationalen Gebäudebestand korrigieren.

Auch TEK unterschätzt im Mittel über viele Gebäude den Endenergiebedarf Wärme bei hocheffizienten Gebäuden und überschätzt ihn bei den nicht modernisierten Bestandsgebäuden. Bedarf und Verbrauch bei elektrischer Endenergie stimmen durch die Einbeziehung des nutzungsspezifischen Stromverbrauchs tendenziell gut überein. Nach Einschätzung der sieben Projektpartner ist mit TEK bei guter Datenlage die aussagekräftige Ist-Analyse und die Identifizierung von Schwachstellen in einem komplexen Nichtwohngebäude in zwei bis drei Tagwerken möglich.

Anhand der Erfahrungen aus dem Feldtest wurden die Tools überarbeitet und die Referenz-Teilenergiekennwerte abschließend neu bestimmt. Zurzeit werden die Analysemethode und das TEK-Tool in Anlehnung an die neue DIN V 18599:2011-12 weiter entwickelt. Insbesondere neuere Effizienztechniken lassen sich dann besser abbilden.

Projektinfo 16/2013:
2 / 3

Merkzettel

BINE-Abo

Publikation abonnieren

Adressen

Projektleitung
IWU GmbH

Lastganganalysen – Leitfaden und EXCEL-Tool / Gebäudeanalysen
KIT-fbta

Kurzzeitmessungen – Leitfaden und EXCEL-Tool / Gebäudeanalysen
Fraunhofer ISE

Gebäudeanalysen
Techem GmbH

Gebäudeanalysen
IPJ GmbH

Gebäudeanalysen
ENERGIE 2000 e.V.

Service

BINE-Projektinfo 16/2013
(PDF, 4 Seiten, 1,3 MB)

Links

TEK-Tool und Leitfäden
Webdownload vom Institut für Wohnen und Umwelt

Software EnerCalC 2013
Webdownload von Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN

ENERGIEWENDEBAUEN
Projekte, Berichte, Nachrichten
und Analysen aus der Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.