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Professor Dr. Hans-Martin Henning vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist Vorsitzender der Jury für den internationalen Energiewettbewerb.
© Fraunhofer ISE
BINE-Interview über klimaneutrale Gebäude und Quartiere
22.05.2017

„Breiter Experimentierraum für Energieinnovationen“

Für den zweiten Teil des Ideenwettbewerbs EnEff.Gebäude.2050 sind Konzepte für einen zukünftigen internationalen Energiewettbewerb gesucht. Professor Hans-Martin Henning vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist Vorsitzender der Jury für diesen Bereich. Im BINE-Interview erklärt er, warum ein solcher internationaler Wettbewerb für Kommunen, Hochschulen und Baubranche attraktiv ist. Für Interessenten gibt es eine Informationsveranstaltung am 1. Juni 2017 in Berlin.

BINE Informationsdienst: Professor Henning, was soll mit dem zukünftigen internationalen Energiewettbewerb konkret erreicht werden?

Professor Hans-Martin Henning: Die Grundidee für den internationalen Energiewettbewerb ist es, eine bislang fehlende Stimulanz zur Bestleistung angesichts drängender energie- und klimapolitischer Herausforderungen zu initiieren. Mit diesem Wettbewerb suchen wir energetische Gesamtkonzepte für Gebäude und Quartiere, die das Zusammenspiel im System berücksichtigen, den Nutzer einbeziehen und damit einen breiten Experimentierraum für Energieinnovationen auf Quartiersebene schaffen. Damit soll auch eine Verstetigung nach Abschluss des ersten Wettbewerbs erreicht werden. Einer der Vorläufer ist der Solar Decathlon Europe, der jedoch auf modellhafte Einzelgebäude beschränkt war und bei dem im Wesentlichen eine temporäre Nutzung während des eigentlichen Wettbewerbs gegeben war. Und durch die Einbindung des Wettbewerbes in den Kontext der Internationalen Energieagentur sollen auch internationale Impulse genutzt werden.

Wer soll sich dadurch angesprochen fühlen?

Henning: Primär sind Konsortien aus Stadtverwaltungen und Hochschulen angesprochen, die – möglichst unter Einbeziehung weiterer Akteure – gemeinsam einen Vorschlag für einen solchen Wettbewerb einschließlich der konkreten Wettbewerbsbedingungen erarbeiten. Wir rufen hier also zu einem Wettbewerb für die Erstellung eines Wettbewerbskonzeptes mit Ideen zu Austragungsort und Wettbewerbsdisziplinen auf.

Aber warum sprechen Sie gerade Städte und Hochschulen an?

Henning: Um es etwas konkreter zu machen: Stellen Sie sich eine Kommune vor, die ein Bestandsgebiet einschließlich der lokalen Energieversorgung umfassend sanieren und vielleicht auch noch um ein Neubaugebiet in räumlicher Nähe ergänzen möchte und die sich dafür ambitionierte Energie- und Klimaschutzziele gesetzt hat. Diese Kommune könnte sich gemeinsam mit einer Hochschule in räumlicher Nähe und weiteren Akteuren vor Ort – beispielsweise dem städtischen Energieversorger – zusammen tun und ein Format für einen Wettbewerb entwickeln, der diese Zielstellung adressiert. Er soll sich an unterschiedliche Anbieter richten, die mit dem Wettbewerb aufgerufen werden, Lösungsbeiträge für die kommunale Zielstellung zu liefern. Wir wünschen uns also Vorschläge für Wettbewerbsformate, die ähnlich wie ein städtebaulich-architektonischer Wettbewerb formuliert sind, aber eben in der Zielstellung deutlich darüber hinausgehen und vor allem ambitionierte Energie- und Klimaschutzziele mit in den Blick nehmen.

Welche Motivation gibt es für Kommunen, sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen?

Henning: Städte und Kommunen steigern ihre Attraktivität als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und können neue Projektideen initiieren und umsetzen. Oder sie können für ohnehin schon angedachte große Projekte zusätzliche Ideen erhalten und ihr Projekt durch einen öffentlichkeitswirksamen und wissenschaftlich-begleiteten Rahmen flankieren. Gerade auch durch den Systemansatz und die Einbeziehung der Nutzung und der Nutzer können wesentlich mehr Kenntnisse generiert werden. Wir wünschen uns, dass hier ein breiter Experimentierraum für Energieinnovationen auf Quartiersebene geschaffen wird, ein in den Stadtraum organisch integriertes „Living Lab“.

Living Lab – Was genau bedeutet das und was ist der besondere Reiz?

Henning: Wir beobachten immer mehr, dass die Energiewende eine umfassende Einbeziehung aller Beteiligten und vor allem auch der Bürger benötigt. Dies geht weit über die Akzeptanz von erneuerbaren Energien-Anlagen oder großen Infrastrukturen wie Stromnetzen hinaus. Das zukünftige Energiesystem ist durch seine stärkere Dezentralität und die Vielfalt und Diversität der Lösungsansätze und Lösungsbeiträge auf das Mitwirken und die Partizipation aller Beteiligten angewiesen. Um hier den Erfolg von technischen Lösungen umfassend – also eben auch im Hinblick darauf, wie sie von den Menschen angenommen und gelebt werden – zu evaluieren, bieten sich sogenannte Living Labs oder Reallabore an. In der Umsetzungsphase werden neue Lösungen vor Ort unter Einbeziehung der Akteure realisiert und wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Damit kann die gesellschaftliche Dimension der Energiewende angemessen bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Lösungen berücksichtigt und so die Energiewende insgesamt stimuliert werden.

Details zum Wettbewerb, Fristen und Infoveranstaltung

Die Teilnahmeunterlagen zum Wettbewerb gibt es beim Projektträger Jülich zum Download. Einreichungsfrist für den Wettbewerbsteil 1 ist der 15. August 2017. Im Teil 2 des Wettbewerbs können Konzepte für einen internationalen Energiewettbewerb bis zum 15. September 2017 eingereicht werden. Das Preisgeld liegt bei insgesamt 280.000 Euro. Die Preisverleihung findet am 6. Dezember 2017 in Berlin statt.

Eine Informationsveranstaltung zum Ideenwettbewerb Teil II (internationaler Energiewettbewerb für Gebäude und Quartiere) findet am 1. Juni 2017 in Berlin statt. Agenda und weitere Details hierzu auf der Webseite von ENERGIEWENDEBAUEN.

(jl)

Merkzettel

Im Interview

Professor Dr. Hans-Martin Henning ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. Er ist außerdem Professur für "Technische Energiesysteme" an der Fakultät für Maschinenbau des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Gebäudeenergietechnik. Aktuell ist Henning federführend an der Entwicklung von Rechen-Modellen zur Simulation komplexer Energiesysteme und darauf aufbauenden Untersuchungen zur zukünftigen Energieversorgung Deutschlands beteiligt.

Links

BMWi-Förderinitiative EnEff.Gebäude.2050
 
Wettbewerbsunterlagen
für den Ideenwettbewerb EnEff.Gebäude.2050

Veranstaltungshinweis
Eine Informationsveranstaltung zum Ideenwettbewerb Teil II (Internationaler Energiewettbewerb für Gebäude und Quartiere) findet am 1. Juni 2017 in Berlin statt. Weitere Details auf der Webseite ENERGIEWENDEBAUEN.

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