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Projektinfos  – Energieforschung konkret

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In Bochum-Werne werden seit 2012 mehrere Gebäude mit Wärme aus einem Bergbau-Schacht geheizt.
© Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt
Geothermie in stillgelegten Zechen
Projektinfo 13/2013

Das Schema zeigt den Aufbau der Anlage zur Wärmenutzung des Grubenwassers.
© Stadtwerke Bochum Holding GmbH
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Heizwärme aus Grubenwasser

Über 100 Millionen m³ Grubenwasser pumpt das Steinkohleunternehmen RAG jährlich aus bis zu 1.000 m Tiefe an die Oberfläche, um die Stabilität des Bodens und die Sicherheit des Trinkwassers in ehemaligen Bergbauregionen zu sichern. Seit einem Jahr heizen die Stadtwerke Bochum mit dem Grubenwasser mehrere öffentliche Gebäude. Das Pilotprojekt zeigt, wie sich ehemalige Zechen für eine umweltfreundliche Wärmeversorgung der umliegenden Gebäude nutzen lassen.

Im Ruhrgebiet wird auch über 2019 hinaus ein Rohstoff mit Energiepotenzial gefördert. Das bis zu 50°C warme Grubenwasser muss aus Sicherheitsgründen weiterhin aus ehemaligen Zechen nach oben gepumpt werden. Die Stadtwerke Bochum zeigen in einem Pilotprojekt, wie das Grubenwasser geothermisch genutzt werden kann. Seit dem Herbst 2012 werden auf Basis dieses Energieträgers eine Grundschule, eine Gesamtschule mit Mensa und Schwimmbad und die Hauptfeuerwache Bochum mit Wärme versorgt. Der Brennstoffbedarf der Bestandsgebäude soll sich um circa 1.200 MWh pro Jahr und 245 t Kohlendioxid-Emissionen reduzieren. Somit wird 35% des Wärmebedarfs aus Grubenwasser gedeckt.

Die im Projekt gesammelten Erfahrungen sollen als Einstieg in die umfassende Wärmenutzung des Grubenwassers dienen. Alleine an anderen Standorten der RAG werden weitere 90 Millionen m³ Grubenwasser jährlich gehoben. Mit diesem nutzbaren Energiepotenzial kann nach Schätzungen der RAG Wärme für umgerechnet 5.000 bis 10.000 Haushalte bereitgestellt werden.

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Für das Pilotprojekt wird das 20°C warme Grubenwasser am Schacht Arnold der Zeche Robert Müser in Bochum-Werne entnommen. An diesem Standort hebt die RAG jährlich etwa 10 Millionen m³ Grubenwasser aus einer Tiefe von 570 m. Der elektrische Energieverbrauch liegt bei ungefähr 25.000 MWh. Über ein Druckrohr wird das Grubenwasser nach oben gepumpt.

Grubenwasser als "Ewigkeitsaufgabe"

Das Abpumpen des Grubenwassers gehört zu den sogenannten Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlenbergbaus, welche die RAG mit einigen Wasserwirtschaftsverbänden wie der Emschergenossenschaft und dem Lippeverband im Ruhrgebiet übernimmt. Die jährlichen Kosten für die Wasserhaltung betragen rund 100 Millionen Euro.

Um Steinkohle im Ruhrgebiet abbauen zu können, muss das Grubenwasser abgepumpt werden. Es entsteht, weil Wasser aus den Grundwasserschichten in die Stollen läuft. Das Grubenwasser wird zunächst in Becken an der tiefsten Stelle des Bergwerks gesammelt. Von dort wird es abgepumpt und über einen Vorfluter anschließend in umliegende Gewässer eingeleitet. So fließt das abgepumpte Grubenwasser aus der Zeche Robert Müser in die Ruhr.

Auch nach dem Ende des Kohleabbaus nach 2019 muss weiterhin Wasser abgepumpt werden. Die Wasserhaltung verhindert einen unkontrollierten Anstieg des Grubenwassers. Mit einem Wasseranstieg erhöht sich die Gefahr, dass die Erdoberfläche sich erhebt oder einbricht. Außerdem könnte das Grubenwasser Methangas beschleunigt an die Oberfläche drücken.

Eine weitere wichtige Funktion der Wasserhaltung ist der Schutz des Trinkwassers. Würde sich das salz- oder eisenhaltige Grubenwasser mit dem Grundwasser des Deckgebirges vermischen, wäre dieses verunreinigt. Das Grubenwasser aus der Zeche Robert Müser enthält unter anderem Chlorid, Schwermetalle, Hydrogencarbonat und Phosphor. Die salzhaltigen Bestandteile des Grubenwassers können zur Korrosion von Leitungen führen.

Merkzettel

Adressen

Hebung des Grubenwassers
RAG Aktiengesellschaft

Wärmeabnehmer
Stadt Bochum

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.