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Das BMWi-Brennstoffzellen-Statusseminar fand im Berliner Kongresszentrum Axica statt. Dr. Hans-Christoph Wirth vom Bundeswirtschaftsministerium eröffnete die Veranstaltung.
© Gerhard Hirn, BINE Informationsdienst
Brennstoffzellen-Forschung
06.07.2017

Dieser Brennstoffzellen-Stack wurde im BMWi-geförderten Verbundvorhaben ZIM-VP speziell für Anlagen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) entwickelt. Er ist luftgekühlt und leistet 3,3 kW.
© Zentrum für BrennstoffzellenTechnik ZBT

Eine Probe aus gläsernem Füge- und Dichtmaterial für Hochtemperatur-Brennstoffzellen wird mit einem unsichtbaren Laserstrahl geschmolzen.
© Forschungszentrum Jülich

Brennstoffzellen wettbewerbsfähig machen

Brennstoffzellentechnologie in Deutschland: Welche Fortschritte in Forschung und Entwicklung wurden erreicht? Welche Hemmnisse gilt es auf dem Weg zur Industrialisierung und breiten Markteinführung der Technologie noch zu überwinden? Und wie lässt sich die Brennstoffzelle in das neue erneuerbare Energiesystem einbinden? Über diese Fragen diskutierten rund sechzig Experten aus Forschung und Industrie Ende Juni während des BMWi-Statusseminars in Berlin.

Auf der vom Projektträger Jülich organisierten Vernetzungsveranstaltung stellten Forscher und Entwickler erfolgreiche Projekte vor und tauschten sich darüber aus, welche Schwerpunkte künftig in der Brennstoffzellenforschung sowie zur Marktvorbereitung und - aktivierung gesetzt werden sollten.
Dr. Hans-Christoph Wirth vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ermunterte in seiner Einführung die Teilnehmer, im Vorfeld des kommenden 7. Energieforschungsprogramms den kurz- und mittelfristigen Forschungsbedarf im Bereich Brennstoffzellen(BZ)-Technologie zu benennen.

Das Statusseminar diente auch der Vernetzung der Forscher, die in unterschiedlichen Projekten die BZ-Technologie weiterentwickeln. Die Referenten vermittelten einen Überblick über die aktuelle Situation der Technologie. Am Beispiel von abgeschlossenen sowie noch laufenden Forschungsvorhaben präsentierten sie Erfolge sowie Probleme der Industrialisierung der BZ-Technologie.
Deutliche Verbesserungen konnten bei Standfestigkeit und Wirkungsgraden von Brennstoffzellen erreicht werden. Aktuelle BZ-Heizgeräte erreichen einen elektrischen Wirkungsgrad von über 50 Prozent und einen Gesamtwirkungsgrad von über 90 Prozent.

Die europäischen Hersteller müssen auf der Kostenseite einen erheblichen Vorsprung der asiatischen Konkurrenz wettmachen, die Zellen deutlich günstiger – zu einem Drittel des Preises – produzieren kann. Die Teilnehmer waren sich darüber einig, dass sich die gemeinsamen Bemühungen darauf konzentrieren müssen, Zellen, Stacks und Peripheriegeräte deutlich günstiger herstellen zu können, um mit diesen Anbietern und anderen Technologien auf dem Markt konkurrieren zu können. Bei BZ-Heizungen konnten die Hersteller bereits Kosten reduzieren, teils durch Redesign von Stack und Systemteilen, teils durch Nutzung von Komponenten aus der konventionellen Serienfertigung.

Handlungsbedarf und Wünsche

Beim Statusseminar wurden viele marktreife Produkte vorgestellt, doch für Hochskalierung und Industrialisierung besteht weiterer Forschungsbedarf. Teilnehmer betonten, dass ein funktionierender Markt für BZ in Deutschland Voraussetzung für erfolgreiche Exporte sei, insbesondere im Automobilbereich mit Blick auf China und Asien allgemein. Neben einem zügigen Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur wünschen sie sich eine klare mittelfristige Planung sowie verlässliche Vorgaben der Politik für die weitere Entwicklung. BZ (und Elektrolyse) sollte als Baustein der Sektorkopplung im zukünftigen Energiesystem die Energiewende mit tragen, neben der Stromwende seien Lücken in den Bereichen Verkehr und Wärme zu schließen. Auch kann in ländlichen Regionen BZ-KWK mit Flüssiggas, insbesondere aus regenerativer bzw. biogener Erzeugung, zur Energieversorgung genutzt werden. In Beiträgen und Diskussion formulierten die Teilnehmer Handlungsbedarfe und Wünsche, wie etwa:

  • Vollständige Umstellung auf schwefelfreie Odorierung von Erdgas – dann kann die Entschwefelungskartusche deutlich kleiner dimensioniert werden,
  • Robustheit und Zyklenbeständigkeit verbessern,
  • Leistungsdichte steigern,
  • Standfestigkeit von BZ-Heizgeräten auf 40.000 Betriebsstunden verbessern,
  • Edelmetallbedarf für Katalysator weiter senken sowie Maßnahmen gegen Degradation,
  • mehr Kooperation und Standardisierung, um die Marktentwicklung zu beschleunigen.

Förderung der Markteinführung

Die Bundesregierung unterstützt die Markteinführung durch das Technologie-Einführungsprogramm für Brennstoffzellen-Heizgeräte für Ein- und Zweifamilienhäuser. Mit Wirkung zum 1. Juli 2017 erweiterte sie das Programm auch auf Mehrfamilienhäuser und Nichtwohngebäude: Nun können auch kleine und mittlere Unternehmen, Contractoren sowie kommunale Gebietskörperschaften Fördermittel beantragen. Die Förderung ist gestaffelt nach der elektrischen Leistung der Anlage und kann über die KfW im Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle“ beantragt werden.

Bereits 2016 verlängerte die Bundesregierung das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologien (NIP) um weitere zehn Jahre, mit dem sie Forschung, Entwicklung, Demonstration und Marktvorbereitung sowie Marktaktivierung fördert.

Weitere Details zum Brennstoffzellen-Seminar gibt es auf www.eneff-industrie.info.

(gh)

Merkzettel

Fördermöglichkeiten

Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP)

Kreditbank für Wiederaufbau (KfW)
Weitere Informationen zu Förderbedingungen und Antragsverfahren

Links

EnEff:Industrie
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