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Professorin Daniela Thrän, Leiterin des Bereiches Bioenergiesysteme am Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ), betonte die Bedeutung von flexiblen, integrierten und nachhaltigen Konzepten für die energetische Biomassenutzung.
© Gerhard Hirn, BINE Informationsdienst
Energetische Biomassenutzung
05.12.2017

Struktur und Aufgaben der Arbeitsgruppen im Forschungsnetzwerk Energie / Bioenergie des BMWi.
© DBFZ

Biomasse als Baustein der Energiewende

„Flexibel und integriert – Eine neue Epoche der Bioenergie in Deutschland“, unter diesem Motto stand die 7. Statuskonferenz des BMWi-Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“ in Leipzig. Forscher stellten aktuelle Projekte und Konzepte für die energetische Nutzung von Biomasse vor. Mit diesen tragen sie zur Energie- und Wärmewende und zur Stabilisierung des Energienetzes mit steigendem Anteil Erneuerbarer bei.

Bei der Vorstellung von aktuellen Ergebnissen aus dem Förderprogramm betonte Prof. Dr.-Ing. Daniela Thrän, Leiterin des Bereiches Bioenergiesysteme am Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ), es sei die Aufgabe der Bioenergieforschung, dass die energetische Biomassenutzung langfristig durch flexible, integrierte und nachhaltige Konzepte zukunftsfähig werde.

Wie Bioenergie im Rahmen der Energiewende optimal zu erschließen und einzusetzen ist, diskutierten knapp 200 Experten aus Wissenschaft und Industrie. Sie arbeiten daran, Biomasse flexibler nutzen zu können. Damit lässt sie sich besser ins Energiesystem integrieren und kann dazu beitragen, die Energieversorgung in Richtung Klimaverträglichkeit umzubauen. Mit diesem Ziel entwickeln die Forscher neue Lösungen in den Bereichen Technik, Regelung, Automatisierung und Systemintegration. Beispielsweise verbessern sie biologisch-chemische Verfahren im Biogasprozess oder entwickeln neue Katalysator- und Abscheidetechnik, um die Energieausbeute zu steigern oder Emissionen zu senken. In einem Projekt untersuchen Forscher die Brennwertnutzung an Biomassekesseln mit Hilfe einer angekoppelten Sorptionswärmepumpe, bei einem anderen die Regelungstechnik für biomassebefeuerte BHKW.

Auch wollen die Forscher organische Reststoff- und Abfallströme erschließen und diese für ein erneuerbares Energiesystem nutzen. Kurzdarstellungen der aktuellen Projekte finden sich im Konferenzreader (PDF).

Können Biomasse und CCS dazu beitragen, das Klima zu stabilisieren?

Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beantwortete diese Frage in seinem Impulsreferat. Er stellte fest, die Frage sei nicht mehr, ob wir bei der energetischen Nutzung von Biomasse die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) für den Klimaschutz brauchen, sondern in welchem Umfang negative Emissionen nötig sind und welche Mengen an Bioenergie nachhaltig bereitgestellt werden können. Die Abhängigkeit von negativen Emissionen lässt sich begrenzen durch einen schnellen Einstieg in globale und umfassende CO2-Regulierungen sowie durch Lebensstiländerungen, verstärkte Energieeffizienz und Elektrifizierung.

Luderer betonte, dass zur Ergänzung der Konversion der Energieversorgung zusätzlich CCS-Strategien greifen müssen, um die weitere Freisetzung von Klimagasen effektiv zu bremsen und um das Zwei-Grad-Ziel noch erreichen zu können. Ansonsten seien die Kosten für ein Umsteuern nicht mehr tragbar. Die Treibhausgasbilanz von Bioenergieformen ließe sich in Verbindung mit CCS umkehren, auf -300 g CO2 pro kWh. Außerdem sei CCS bei Stahlwerken und Zementfabriken erforderlich.

Bei den globalen Klimaschutzanstrengungen wird die Bioenergie als vielseitig einsetzbarer Energieträger eine zentrale Rolle spielen. Beispielsweise können Biokraftstoffe als Alternative zu flüssigen Kohlenwasserstoffen dazu beitragen, die spezifischen CO2-Emissionen im Sektor Flugverkehr zu senken. Durch eine Kombination der Bioenergienutzung mit CCS wird es möglich, der Atmosphäre netto CO2 zu entziehen. In den meisten globalen Klimaschutzszenarien spielt diese Option eine wichtige Rolle.

Arbeitsgruppen diskutieren Forschungsschwerpunkte

In acht Themenschwerpunkten beleuchteten die Bioenergieforen effiziente Technologien bei Biogas sowie Verbrennung/Vergasung, Reststoff- und Abfallverwertung, Emissionsminderung, Flexibilität im Strom- und Wärmemarkt, Integration ins Energiesystem sowie Bioökonomie.

In den neuen Arbeitsgruppen des BMWi-Forschungsnetzwerks Bioenergie diskutieren die Experten neben dem Forschungsbedarf auch über Ansätze zur Methodenharmonisierung und politische Handlungsempfehlungen. Sie tauschten sich darüber aus, wie sich Flexibilitätsoptionen und spezifische Anforderungen an Anlagen und Prozesse umsetzen lassen und welche rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsteuerung erforderlich sind.

Die AG Wärmemarkt konzentrierte sich darauf, wie der Wärmebeitrag aus Biomasse in einem vollständig erneuerbaren Energiesystem möglichst effizient erwirtschaftet werden kann. Die AG Strommarkt befasste sich mit den Themenschwerpunkten Systemintegration, der Kombination mit anderen erneuerbaren Energien und den Komponenten flexibler Bioenergienutzung. Die AG Normierung und Standardisierung diskutierte, wie mit den veränderten Messvorschriften für Feinstaubmessung an Feuerungsanlagen umzugehen ist. Hier ging es insbesondere um Anforderungen, die KMU bei der Zulassung von Komponenten in Einzelraumfeuerungsstätten vor der Markteinführung erfüllen müssen.

15 neue Projekte starten in 2017

In fünfminütigen Kurzbeiträgen stellten sich die 15 neu gestarteten Projekte des Förderprogramms Energetische Biomassenutzung vor. Schwerpunkte liegen unter anderem bei Energieeffizienz, Flexibilität oder Kombination verschiedener erneuerbarer Energien. Bis Ende 2019 sollen neue Konzepte, Verfahren und effiziente Technologien für eine nachhaltige, klimafreundliche und bezahlbare Bioenergie entwickelt werden. Das Programm "Energetische Biomassenutzung" und die Programmbegleitung zum Förderprogramm werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

(gh)

Merkzettel

Adressen

Programmbegleitung des Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“
DBFZ

Links

Statuskonferenz
Konferenz zur energetischen Biomassenutzung

Konferenzreader (PDF)
des Förderprogramms für energetische Biomassenutzung

Energetische Biomassenutzung
Website des Förderprogramms

Bioenergie
Website des Forschungsnetzwerks

Stoffstromorientierte Bilanzierung der Klimagaseffekte (PDF 7,7 MB)
Methodenhandbuch

Expertenempfehlungen
aus den Arbeitsgruppen für den Konsultationsprozess zum 7. Energieforschungsprogramm: Bereich Bioenergie

Video
Zur 7. Statuskonferenz "Bioenergie. Flexibel & Integriert in die nächste Epoche!", inklusive diverser Interviews.

Infotipps

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BINE-Projektinfo 04/2017