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Projektinfos  – Energieforschung konkret

Kurzcharakteristik lesen

Informationsstand des Forschungsprojekts in Eich (Oberrheingraben).
© gec-co Global Engineering & Consulting-Company GmbH
Geothermie im Bürgerdialog
Projektinfo 17/2016

So sehen die Befragten die Vor- und Nachteile der tiefen Geothermie.
© Kluge et al. 2015

Die Struktur des TIGER-Kommunikationskonzepts
© CBM GmbH
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Kommunikationskonzept Tiefe Geothermie

Technische Innovationen können nur dann erfolgreich verlaufen, wenn sie von der Bevölkerung mitgetragen werden. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien ist auf diesen Rückhalt angewiesen. Eine frühzeitige und umfassende Kommunikation mit den Bürgern ist dabei unverzichtbar. Für die tiefe Geothermie haben Wissenschaftler die öffentliche Wahrnehmung analysiert und ein Kommunikationskonzept erarbeitet. Es bietet Betreibern und Behörden eine Fülle von Ideen und Hilfestellungen für eine aktive und transparente Öffentlichkeitsarbeit.

Erneuerbare Energien sollen bis 2050 rund 80% der Stromversorgung in Deutschland übernehmen. Neben Wind- und Solarenergie, der Wasserkraft und der Biomasse werden dafür auch die natürlichen, tiefen Wärmevorkommen in der Erde erschlossen. Die geothermischen Kraftwerke und Wärmenetze tragen mit zum Erfolg der Energiewende bei. Allerdings ist die tiefe Geothermie als erneuerbare Energiequelle bisher im öffentlichen Bewusstsein nur wenig verankert. In Deutschland liegen die geothermischen Ressourcen in Wasser- und Gesteinsschichten unterhalb von 400 m Tiefe. Derzeit stehen die meisten Anlagen im Oberrheingraben und in der bayerischen Molasse im Großraum München. Die beiden Regionen weisen in der relevanten Tiefe sehr verschiedene geologische Strukturen auf. Dies hat großen Einfluss auf den Verlauf der Bohr- und Erschließungsarbeiten sowie den Anlagenbetrieb.

Damit ein Geothermieprojekt ein Erfolg werden kann, kommt es nicht nur auf die geologischen Bedingungen, die Bohr- und Anlagentechnik und das Wirtschaftskonzept an, sondern auch auf den Rückhalt in der Bevölkerung. Akzeptanz basiert auf fundierten Sachinformationen, Transparenz und einer vertrauensvollen Kommunikation auf Augenhöhe von Beginn an. Firmen, Betreiber und Behörden Kommunikationskonzept Tiefe Geothermie Bürger durch aktiven und frühzeitigen Dialog besser in Planung und Betrieb einer Anlage einbeziehen müssen dafür frühzeitig und aktiv die nötigen Sachund Projektinformationen kommunizieren. Abhängig von den lokalen Rahmenbedingungen müssen spezifische Kommunikationskonzepte für die jeweilige Anlage entwickelt werden.

Diese Aufgabe trifft bei der Geothermie auf eine Firmenstruktur, in der kleine Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten die Mehrheit stellen. Diese waren in der Vergangenheit in erster Linie auf technische Fragestellungen fixiert und verfügen über wenig Erfahrung in der Kommunikation. Um Firmen und Betreiber bei der Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, haben Kommunikations- und Sozialwissenschaftler, Ingenieure und Vertreter der Branche in einem Forschungsprojekt mit dem Namen TIGER die Akzeptanz der tiefen Geothermie untersucht. Als Schwerpunkt entwickelten sie ein Kommunikationskonzept mit verschiedenen digitalen Informationsangeboten für Betreiber und Behörden. Anfang 2017 wird die ausführliche Fassung des Konzepts als Buch erscheinen.

Die vorgestellten Instrumente für eine aktive Öffentlichkeitsarbeit wurden exemplarisch für die Geothermie entwickelt. Sie lassen sich auch auf andere Technologien, wie z. B. Windparks oder Planungsverfahren zu neuen Überlandleitungen, übertragen.

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Geothermie im Spiegel der Öffentlichkeit

Repräsentative und statistisch abgesicherte Befragungen [2, 3] ergaben, dass in Deutschland 89% der Bürger die Geothermie für eine sinnvolle Energieform halten. Für eine öffentliche Förderung sprachen sich 81% aus und 71% für die Errichtung einer Anlage in der nahen Umgebung. Als Vorteile der Geothermie nannten die Befragten die lokale Energieversorgung, die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit sowie die Förderung erneuerbarer Energien. Bei den Nachteilen stachen unbekannnte Risiken, Kosten und Erdbeben heraus. Die Wissenschaftler zogen aus der prominenten Platzierung der „unbekannten Risiken“ die Folgerung, dass die Wissensvermittlung über Stärken und Schwächen der Geothermie Basis der Öffentlichkeitsarbeit sein muss. Die Befragten erwarten, über die Planung einer neuen Geothermieanlage möglichst frühzeitig und umfassend informiert zu werden. Insbesondere verlangen die Bürger eine Veröffentlichung der Gutachten, etwa zur Wirtschaftlichkeit oder zur Seismik. Die meisten Befragten bevorzugten die lokale Presse als Informationsweg und den Runden Tisch als Ort einer aktiven Bürgerbeteiligung.

Projektinfo 17/2016:
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Merkzettel

Adressen

Projektleitung
CBM GmbH

Datenerhebung und Akzeptanzfaktoren
RWTH Aachen, HCIC

Technische Spielräume der Geothermie
gec-co GmbH

BINE-Projektinfo 17/2016
(PDF, 4 Seiten, 373 kB)

Infotipps

Robuste Pumpen für die Geothermie entwickeln
BINE-Projektinfo 03/2016

Elektroimpulse zerkleinern hartes Gestein
BINE-Projektinfo 13/2015

Tiefe Geothermie dauerhaft nutzen
BINE-Projektinfo 17/2013

Links

Forschungsprojekt TIGER
Webseite mit Zugang zur TIGER-App

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.

BINE-Fachbuch

Geothermie – Energie aus dem Innern der Erde
In vielen Regionen Deutschlands lassen sich geologische Wärmevorkommen zur Wärme- und Stromversorgung nutzen. Tiefe, natürliche Warmwasservorkommen und im Gestein gespeicherte Wärme werden durch Bohrungen erschlossen.