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Prof. Roland Koenigsdorff
© Hochschule Biberach

Matthias Schuler
© Transsolar
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Im Portrait: Der Professor und der Planer – zwei Expertenmeinungen

Prof. Roland Koenigsdorff

Lehrgebiete Simulationstechnik, Bauphysik sowie Energiekonzepte an der Hochschule Biberach, Forschung und Projekte zur Systemeinbindung thermoaktiver Bauteile, Evaluierung der Gebhard-Müller-Berufsschule in Biberach (EnBau-Modellprojekt)

„Binnen eines Jahrzehnts haben sich thermoaktive Bauteilsysteme als weiteres System der Flächenheizung und -kühlung in Deutschland etabliert. Zu Recht. Viele erfolgreiche und gut funktionierende Beispiele stehen für diesen Siegeszug, dem sich mehr und mehr Bauherren und Planer anschließen. Jedoch: einmal gebaut, sind thermoaktive Bauteilsysteme zementierte Planung und Ausführung im wörtlichen Sinne – mit systemtypisch engen Grenzen der Leistungsfähigkeit und Regelbarkeit. Bei Standardanwendungen stellt dies kein Problem dar. In anspruchsvollen Einsatzfällen können dagegen die Anforderungen an eine optimale Planung, Systemtechnik und Betriebsführung sehr hoch sein – und gerade hierfür sind bislang keineswegs alle Fragen aus der Planungs- und Baupraxis beantwortet. Diesbezüglich besteht also noch Bedarf für anwendungsbezogene Forschung, Lehre und Ausbildung im besten Sinne.“

Matthias Schuler

Gründer und Geschäftsführer der Firma Transsolar, Gastprofessur an der Graduate School of Design (Harvard University), u. a. Energiekonzept für den Post-Tower.

„Die Betonkerntemperierung ist im heutigen Baugeschehen schon fast Standard. Doch weil man bei vielen Gebäuden mit Rücksicht auf Architektur, Raumklima, Kosten und Energieeffizienz an die Grenzen des Machbaren geht, können thermoaktive Bauteilsysteme ihre Vielseitigkeit beweisen. Ein im erweiterten Sinne thermisch aktivierter Fußboden wurde z. B. in der Akademie der Künste in Berlin und auch im neuen internationalen Flughafen in Bangkok realisiert. Dabei dient die temperierte Bodenfläche weniger als aktives Kälteelement denn als Wärmesenke für alle kurz- und langwelligen Strahlungsgewinne, die aus dem Raum abgeführt werden können noch bevor sie die Bodenfläche und damit den Raum spürbar erwärmen. In Deutschland gibt es bereits viele erfolgreiche Projekte mit thermoaktiven Bauteilsystemen. Jetzt ist es an der Zeit, diese Planungs- und Baukompetenz international zu multiplizieren, zumal angepasste Systeme auch unter anderen Klimabedingungen, wie z. B. in Winnipeg, Baltimore, Peking, von uns angewandt werden.“

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