Dynamik von Heizen und Kühlen
In Gebäuden mit Betonkerntemperierung als alleiniges Heiz- und Kühlsystem kann die Raumtemperatur nicht individuell oder schnell angepasst werden. Weil die Raumtemperaturen auch durch die Nutzung beeinflusst werden, etwa durch interne und solare Lasten sowie durch die Lüftung, ist ein vorausschauendes Wärme- oder Kälte-Beladungsmanagement notwendig.
Durch den geringen Unterschied zwischen Bauteiloberflächen- und Raumtemperatur entsteht ein wirkungsvoller Selbstregeleffekt: Üblicherweise bewegen sich die Oberflächentemperaturen der thermisch aktivierten Decke in einem schmalen Band zwischen ca. 21° und 25°C. Liegt die Raumtemperatur über der Deckenoberflächentemperatur, so wirkt das Bauteil als Flächenkühlung, im umgekehrten Fall dagegen als Flächenheizung. Wenn z. B. bei einer Deckenoberflächentemperatur von ca. 20°C ein noch unbelegter Raum am Morgen eine Raumtemperatur von 18°C aufweist, wird er zwangsläufig beheizt. Steigt infolge innerer und äußerer Lasten die Raumtemperatur im Laufe des Tages auf über 21°C an, findet eine Kühlung des Raumes statt. Die Wärmeübertragung zwischen thermisch aktivierter Decke und Raum regelt sich ein Stück weit selbst.
Betriebsweise und Regelstrategien
Die kurzzeitige Leistungsregelung innerhalb eines Tageszyklus erfolgt im Wesentlichen durch den bereits beschriebenen Selbstregelungseffekt. Passend zur gewünschten Systemfunktion (Heizen bzw. Kühlen) sind folgende Betriebsweisen und Regelstrategien möglich:
Tag-Nacht-Betrieb: Wird die Betondecke außerhalb der Nutzungszeit (Nachtstunden) mit Wärme- oder Kälteenergie beladen, ist ausreichend Speicherkapazität notwendig, um die Decke soweit zu heizen oder zu kühlen, damit tagsüber ausreichend Leistung zur Verfügung steht. Da dies in der Praxis kaum möglich ist, muss entweder mehr Energie als erforderlich gespeichert oder eine erhöhte Schwankungsbreite der Raumtemperatur zugelassen werden. Im eigentlichen Sinn findet bei dieser Betriebsweise keine Regelung nach der Raumtemperatur statt. Vielmehr wird ein mehr oder weniger effektives Speichermanagement betrieben. Dieses kann weiter optimiert werden, wenn neben dem aktuellen Beladezustand des Speichers noch eine Prognose des am nächsten Tag zu erwarteten Witterungsverlaufs sowie eine Annahme über die zu erwartende Wärmefreisetzung aus inneren Quellen in die Regelstrategie mit einbezogen werden. Der jeweils pro Regelkreis ungünstigste Raum gibt das Beladungsniveau vor.
Durchgehender Betrieb: Die Beladung der Geschossdecken mit Kälteenergie kann auch durchgehend betrieben werden, wenn die Wärmesenke wie zum Beispiel das Erdreich oder Grundwasser ohne zeitliche Einschränkung zur Verfügung steht.
Regelung: Die Decken werden in Abhängigkeit der mittleren Außentemperatur, der Raumtemperatur oder der Differenz zwischen Vor- und Rücklauftemperatur mit Wärme- oder Kälteenergie be- bzw. entladen oder deaktiviert. Auch eine prädikative, wetterprognosenbezogene Steuerung ist möglich. Als Regelparameter dienen die Vorlauftemperatur, der Massenstrom und die Pumpenlaufzeit, um die Raumtemperatur im begrenzten Umfang anzupassen. Werden die Erdsonden oder der Kühlturm im Direktbetrieb genutzt, findet keine Regelung der Vorlauftemperatur statt.
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