.

Abb. 21 Schweinswale kommen in Nord- und Ostsee vor.
© Fjord&Baelt / F. Graner

Abb. 22: Sterntaucher leben während des Winters auch an den deutschen Küsten.
© H. Bäsemann

Abb. 23: Kolktiefen des Echolots ES 18 unterhalb des Zentralsegments im Herbst 2010.
© BSH

Abb. 24: Draufsicht auf die installierten Echolote an der AV7. Die farbliche Codierung weist auf den Rechner hin, mit dem die Echolotdateien aufgezeichnet werden.
© BSH

Abb. 25: Fundamentbewuchs
© Sebastian Fuhrmann

Abb. 26: Schweinswal nahe Umspannwerk in einer Rammpause.
© BSH

Abb. 27: Seehund an WEA-Fundament im Frühjahr 2011.
© BSH

Abb. 28: Bodenlebewesen
© Alfred-Wegener Institut – AWI

Abb. 29: Der Eissturmvogel lebt die meiste Zeit des Jahres über dem offenen Meer.
© Jörg Hempel
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Ökologische Begleitforschung

Ein Ziel der Bundesregierung ist der umwelt- und naturverträgliche Ausbau der Offshore-Windenergie. Ein zentraler Bestandteil des Genehmigungsverfahrens für Offshore-Windparks ist die Umweltverträglichkeitsprüfung, in der prognostiziertwird, inwieweit die Errichtung des Windparks die Meeresumwelt gefährdet. Die Untersuchung der Schutzgüter Benthos (Bodenlebewesen), Fische, Rast und Zugvögel sowie marine Säugetiere ist daher in den jeweiligen Windparkgenehmigungen festgeschrieben. Im „Standard zur Untersuchung der Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf die Meeresumwelt“ (kurz: StUK3) des BSH sind die Anforderungen detailliert beschrieben. Das Konzept verfolgt den Ansatz eines Vorher-Nachher-Vergleichs und umfasst somit die Untersuchungen, die zwei Jahre vor, während und drei Jahre nach der Errichtung durchzuführen sind.

Das Monitoring soll Antworten auf folgende Fragen geben:

  • Welchen Effekt haben die schallintensiven Bauarbeiten sowie die Betriebsphase auf Schweinswale und Seehunde?
  • Werden Schweinswale, Seehunde und Rastvögel das Windparkgebiet weiterhin als Lebensraum nutzen?
  • Wie reagieren Zugvögel auf die sich drehenden, beleuchteten Anlagen?
  • Kommt es zu Kollisionen bzw. Ausweichbewegungen?
  • Wie verändert sich der Lebensraum für Bodenlebewesen und Fische im Bereich der Fundamente?

Im Rahmen der ökologischen Begleitforschung zu alpha ventus werden die obligatorischen Untersuchungen gemäß StUK3 durch das weitergehende Forschungsprojekt „StUKplus“ ergänzt. Ziel ist die Evaluierung des StUK3, das erstmalig in einem Offshore-Windpark Anwendung findet, und die Erweiterung des Kenntnisstandes zu den ökologischen Auswirkungen von Offshore-Windparks.

Im Folgenden sind die ersten Ergebnisse aus der Bauphase und dem ersten Betriebsjahr dargestellt:

Bodenlebewesen

(Benthos: Krebse, Muscheln) Im Nahbereich der Fundamente (bismax. 15 m Entfernung) beobachteten Taucher auf dem sonst feinsandigen Meeresboden eine massive Muschelschillbedeckung. Die Veränderungen des Bodens als Lebensraum des Benthos lassen bereits jetzt Änderungen der Artzusammensetzung erkennen: erste hartsubstratliebende Arten, wie z. B. die Samtkrabbe, siedeln sich an. Der Bewuchs an den Anlagen ist bereits zwei Jahre nach der Errichtung stark ausgeprägt und setzt sich unter anderem aus Arten wie Miesmuscheln, Flohkrebsen und Seenelken zusammen.

Fische

Die Vermutung, dass sich die Fischbestände aufgrund des Fischereiverbots im Windpark erholen und vom zusätzlichen Nahrungsangebot profitieren, liegt nahe. Ein verbindlicher Nachweis dieses längerfristigen Effekts konnte anhand der Untersuchungen im ersten Betriebsjahr (2010) jedoch noch nicht gelingen. Erste Anzeichen sind den Untersuchungen mit Stellnetzen zu entnehmen. Im Mai 2011 wurden mehr Fischarten (18) als im Vorjahr (14) gefunden. Ob sich dieser Trend bestätigt, werden die Ergebnisse der nächsten Jahre zeigen. Das Vorkommen pelagischer (d. h. im Freiwasserbereich vorkommender) Fische im Windparkgebiet ist saisonal unterschiedlich und aufgrund der hohen Mobilität räumlich sehr variabel: Sprotte und Hering sind im Frühjahr vermehrt in den Schleppnetzfängen. In den Sommermonaten lassen sich Makrelen und Stöcker, aber auch hohe Quallenvorkommen nachweisen. Die Abwanderung erfolgt im Frühherbst (Stöcker) und Herbst (Makrele).

Rastvögel / Seevögel

Wie reagieren die Seevögel auf den Windpark in ihrem Lebensraum? Meiden sie den Bereich zukünftig? Kommt es zu Verhaltensänderungen? Werden sie sogar angelockt? Diese Fragen sollen anhand von Flugzeug- und Schiffszählungen beantwortet werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass jede Art unterschiedlich reagiert. Zwei Beispiele:

  • Die Trottellumme und der Tordalk zeigten im Winterhalbjahr 2009/2010 eine Verbreitungslücke in unmittelbarer Umgebung des Windparks, obwohl die Arten ansonsten in diesem Gebiet sehr regelmäßig vorkommen.
  • Bei den Zwergmöwen, die möglicherweise von einem erhöhten Nahrungsangebot im Bereich von Windparks profitieren, deutet sich im Winterhalbjahr 2009/2010 eine gewisse Konzentration des Vorkommens in der Umgebung von alpha ventus an.

 

Zugvögel

Der Vogelzug wird im Windpark mit verschiedenen Kameras und Radargeräten untersucht. Ziel ist es festzustellen, inwieweit die 150 m hohen WEA mit 120 m Rotordurchmesser ein Hindernis für die im Frühjahr und Herbst über der Deutschen Bucht ziehenden Vögel darstellen. Der Vogelzug findet vermehrt nachts statt und ist starkwetterabhängig. Eine Meidung desWindparks bzw. großräumige Ausweichmanöver wurden bislang nicht beobachtet. Totfunde auf FINO 1 und den Anlagen werden registriert und dokumentiert. Diese sind sehr selten. Allerdings kann es bei ungewöhnlichen Wetterkonstellationen zu vermehrtem Vogelschlag kommen. In der Nacht zum 2. Nov. 2010 wurde auf der FINO 1 die Kollision von 88 Vögeln (hauptsächlich Rotdrosseln) beobachtet. Auch wurde in dieser Nacht beobachtet, dass – durch die Beleuchtung angelockt – mindestens 100 Vögel im Bereich des Sockels der FINO 1 rasteten. Die Vögel waren bei optimalen Zugbedingungen an der Küste gestartet und von plötzlich einsetzendem Gegenwind in Verbindung mit einem Anstieg der Windgeschwindigkeit sowie Verschlechterung der Sichtbedingungen überrascht worden. Die Rotdrossel ist eine weit verbreitete Art mit einer stabilen Population. Sie gehört zu den Nachtziehern, die regelmäßig in großer Zahl die Deutsche Bucht überqueren.

Schweinswale

Schweinswale kommunizieren mit Klickgeräuschen. Daher werden sie unter Wasser mit stationären Klickdetektoren (sog. PODs) sowie optisch von Flugzeugen und Schiffen erfasst. Anhand der POD-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die Tiere den Baustellenbereich während der schallintensiven Rammung bis maximal 20 km Entfernung meiden. In den Pausen zwischen den Rammungen wurden vereinzelt Schweinswale im Windpark gesichtet. Schweinswalzählungen im ersten Betriebsjahr 2010 und im Frühjahr 2011 zeigen, dass sich im Bereich nördlich von Borkum und auch rund um das Testfeld alpha ventus vermehrt Schweinswale aufhalten. Dies belegt auch eine veröffentlichte Studie aus dem niederländischen Windpark „Egmond aan Zee“. Ob sich dieser Trend bestätigt, werden die Ergebnisse der nächsten Jahre zeigen. Zumindest beobachten Windparkmitarbeiter regelmäßig einen Seehund, der sich bevorzugt an den nördlichen Anlagen aufhält.

Unterwasserschall

Der Unterwasserschall wird vor und während der Rammarbeiten sowie im Normalbetrieb der Anlagen mit auf dem Meeresboden abgesetzten Hydrophonen gemessen. Die aktuell durchgeführten Messungen während des Normalbetriebs der WEA zeigen, dass für Schweinswale die Betriebsgeräusche nur bis in eine Entfernung von maximal 100 m hörbar sind. Dieses Messergebnis belegt, dass – sobald die schallintensive Pfahleinbringung in den Meeresboden abgeschlossen ist – von den WEA im Betrieb keine weitreichenden Schallemissionen ausgehen.

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Adressen

Anlagentechnik
BSH

Grundlagen- und ökologische Begleitforschung
Fraunhofer IEE

Netzintegration und Gesamtkoordination
Leibniz Universität Hannover, FI

Konferenz

RAVE International Conference
May 8 – 10, 2012
Bremerhaven, Germany
www.rave2012.de

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Filme

Ein 16-minütiger Film in deutscher und in englischer Sprache via youtube.

RAVE Online

Das Portal der Forschungsinitiative RAVE gibt einen Überblick über sämtliche Themen in Form von Infoblättern, einer Dokumentation mit Aufnahmen von alpha ventus, Forschungsprojekten und 3-D-Animationen an.

Auch das Testfeld alpha ventus ist im Netz vertreten. Dort findet man einen Überblick über Bau und Betrieb des Testfelds sowie Neuigkeiten.

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesen Projekten:

0325002 A-D
0325093
0325170 A-B
0327551
0327564 A-E und G
0327577
0327585
0327618
0327618 A
0327642 A
0327648
0327686 A
0329924 B-C und F
03KP204 A-D