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Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick
© Wuppertal Institut

Prof. Dr. Alfons Kather
© TU Hamburg-Harburg
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Im Portrait

Wissenschaftler setzen Akzente – zwei Expertenmeinungen

Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick

Vizepräsident und Forschungsgruppenleiter des Wuppertal Institutes. Arbeitsschwerpunkte sind u. a.: Energiewirtschaft, Analysen von Energiesystemen, Erneuerbare Energien und innovative Energietechniken sowie die Energie- und Klimapolitik.

Die fossile Kraftwerkstechnik steht heute, besonders wegen des Klimaschutzes, an einem Wendepunkt. Das Streben nach höheren Wirkungsgraden bleibt zwar weiterhin wichtig, aber längst nicht mehr hinreichend, wenn die energiebedingten CO2-Emissionen bis zur Jahrhundertmitte global mehr als halbiert werden müssen. Unter Klimaschutzgesichtspunkten stellt die CO2-Abtrennung und Lagerung die einzige Option dar, gerade Kohlekraftwerke mittelbis langfristig verantwortlich zu betreiben. Voraussetzung ist aber, dass die Technologie ihre ökologische und ökonomische Verträglichkeit nachweist und gesellschaftliche Akzeptanz inkl. Transport und Lagerung von CO2 erlangt – Ausgang offen.

Parallel dazu führt der dynamische Ausbau erneuerbarer Energien zu bisher ungeahnten Anforderungen an die Leistungsdynamik von Kraftwerken. Bei Stromerzeugungsanteilen der erneuerbaren Energien von fast 40% in Deutschland schon für 2020 treten die bisherigen Gesetzmäßigkeiten von Grund-, Mittel- und Spitzenlastkraftwerken zunehmend außer Kraft. Damit reduziert sich die Auslastung der fossilen Großkraftwerke signifikant, was insbesondere fixkostenintensive Anlagen vor erhebliche Probleme stellen wird. Dieser Druck wird sich zukünftig noch durch vermehrt ins Netz drängende, dezentrale Kleinkraftwerke (z. B. Mini-BHKW) weiter erhöhen.

Prof. Dr. Alfons Kather

Leiter des Instituts für Energietechnik an der TU Hamburg Harburg und Sprecher des COORETEC-Beirats des BMWi. Themenschwerpunkte sind u. a. die CO2-Emissionsminderung bei fossil gefeuerten Kraftwerken und optimierende Maßnahmen an Kraftwerksblöcken.

Der starke Zubau erneuerbarer Energien in den Jahren 2000 bis 2006 reichte nicht aus, um den in dieser Zeit in Deutschland entstandenen zusätzlichen Strombedarf abzudecken. Um darüber hinaus die Stromerzeugung aus Kernenergie durch erneuerbare Energien zu ersetzen, muss die jährliche Zuwachsrate der Stromerzeugung aus regenerativen Energien daher deutlich ansteigen.

Die erneuerbaren Energien werden somit zunächst nicht zum Ersatz kohlebefeuerter Kraftwerke zur Verfügung stehen, sodass in Deutschland in den nächsten 20 Jahren die Stromerzeugung aus Kohle kaum reduziert werden kann. Um die CO2-Emissionen dennoch zu senken, müssen zum einen alte Kohlekraftwerke durch neue mit höheren Wirkungsgraden und somit geringeren CO2- Emissionen ersetzt werden. Da dies jedoch nicht ausreicht, um die gesetzten CO2-Emissionsminderungsziele zu erreichen, müssen zum anderen Technologien zur Abtrennung und Speicherung des CO2 eingeführt werden. Darüber hinaus werden kohlebefeuerte Kraftwerke auch zur Absicherung der fluktuierenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne benötigt, sodass ihr Betrieb über das Jahr 2030 hinaus notwendig sein wird.

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