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basisEnergie  – grundlegende Themen verständlich erklärt

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Jeden Tag muss die Luftfeuchtigkeit eimerweise aus der Wohnung gelüftet werden.
© BINE Informationsdienst
Behagliches Wohnklima durch Fensterlüftung
basisEnergie Nr. 12
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Frischluft und Energie sparen

Mehr als zwei Drittel des Tages verbringen wir in geschlossenen Räumen. Wir fühlen uns wohl, wenn die Temperaturen angenehm sind, die Luft frisch ist und es gut riecht. Wie lassen sich diese Bedingungen herstellen, ohne unnötig Energie zu verschwenden?

Wie soll man die Wohnung lüften? Bei diesem Thema gehen die Meinungen weit auseinander. Viele Menschen glauben, dass Wände „atmen“ müssen, man regelmäßig Sauerstoff in die Wohnung „reinlassen“ muss und in luftdichten Gebäuden sich Schimmelpilze besonders gut ausbreiten können. Dem gegenüber gilt die Wohnungslüftung unter Experten als ein zentraler Ansatz zum häuslichen Energiesparen. Die Forschung hat Grundlagen für sinnvolle Lüftungsstrategien erarbeitet, um zu hohe Werte für Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxid (CO2) zu vermeiden.

Effizientes Lüften trägt entscheidend zu Wohnkomfort und Behaglichkeit in Wohnungen bei und hat nichts mit Askese zu tun. In vielen unserer Wohngebäude hat sich durch die verschärften gesetzlichen Grundlagen in den letzten Jahrzehnten der Wärmestandard verändert, aber häufig hat sich das Lüftungsverhalten der Bewohner nicht im gleichen Umfang angepasst. Noch bis in die 1990er Jahre funktionierte in vielen Gebäuden das Lüften weitgehend von selbst. Fenster mit undichten Rahmen sowie Einzelraumöfen sorgten zum Preis hoher Wärmeverluste und Zugluftbelastung für einen unkontrollierbaren, ständigen Luftaustausch. Im Winterhalbjahr haben diese Räume durch innen an den Scheiben abfließendes Kondenswasser oder Eisblumen entfeuchtet, weil die Fenster mit Einscheibenverglasung die kältesten Flächen im Raum waren. Auf den Innenfensterbänken musste regelmäßig das Wasser weggewischt werden. Derartige Wohnungen würden heute wegen mangelhafter Behaglichkeit durchfallen, weil im Innenraum kalte Flächen und große Temperaturunterschiede zwischen den verschiedenen Flächen auftraten. Menschen nehmen dies als unangenehm wahr, weil sie dadurch beständig Körperwärme an diese Kaltflächen abgeben müssen. Viele empfinden dies als „Kältestrahlung“.

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Mittlerweile sind viele Gebäude wärmegedämmt und luftdichter ausgeführt. Immer bessere Fenster mit dichten Rahmen werden heute eingebaut. Dadurch ist der Wohnkomfort beträchtlich gestiegen, wie man an tropischen Zimmerpflanzen und leichter Kleidung im Winter ablesen kann, und der Energieverbrauch gesunken. Durch den verbesserten Wärmestandard der heutigen Gebäude ist die Bedeutung der Lüftung innerhalb der gesamten Wärmeverluste – relativ gesehen – sogar gestiegen. In Neubauten macht sie heute ca. 50 – 70% aus. Aber wärmegedämmte Gebäude erfordern eine aktive und bewusste Lüftungsstrategie, was etwas anderes meint, als aus falsch verstandenen Sparambitionen im Winter die Fenster nur noch in „Notfällen“ zu öffnen. Im Rahmen der Energieforschung hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) viele Projekte zur Lüftung und zur Lüftungstechnik in Wohngebäuden, Schulen, Büro- und Verwaltungsgebäuden sowie Industrieanlagen gefördert.

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