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Kenndaten der Anlage Neustadt-Glewe und weiterer, ausgewählter geothermischer Heizwerke.

Monatliche Schwankungen in der Thermalwasserförderung in Neustadt-Glewe bei reinem Wärmebetrieb (Jahr 2000).
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Betriebserfahrungen geothermisches Heizwerk

Seit 1995 ist das geothermische Heizwerk in Neustadt-Glewe in Betrieb. Ein wichtiges Argument für diesen Standort war die - im Vergleich zu den Anlagen in Waren und Neubrandenburg – hohe Temperatur des Aquifers von 100 °C. Pro Stunde werden zwischen 40 und 120 m³ (11 - 33 l/sek.) gefördert. Der Salzgehalt des Wassers liegt bei 220 g/l. Die glasfaserverstärkten Rohre aus Epoxidharz haben keine Korrosionsprobleme gezeigt. Nach der Wärmeauskopplung wird das Wasser mit noch 50 °C in die ursprüngliche Förderschicht re-injeziert.

Die geothermische Wärme versorgte bislang ein modernisiertes Fernwärmenetz (vgl. Abb. 4) und verfügt über eine Spitzenleistung von 11 MW therm, davon 4,5 MW therm geothermisch. Für den Spitzenbedarf an kalten Wintertagen ist ein Gaskessel eingebunden. In den bisherigen Betriebsjahren hat die Anlage im Jahresmittel etwa 90 - 95 % des Wärmebedarfs aus der Geothermie bezogen. Wegen der hohen Temperatur des Thermalwassers arbeitet das Heizwerk ausschließlich im direkten Übergang, d. h. ohne zwischengeschaltete Wärmepumpe.

Abb. 5 zeigt den Rückgang des Wärmebedarfs während der Sommermonate. Auch die Wärmeabnahme durch die industriellen Kunden kann dies nicht ausgleichen. Im Sommerhalbjahr stehen bislang ungenutzte geothermische Potenziale zur Verfügung. Dies beeinflusst auch die wirtschaftliche Bilanz, da bis zu 40 % der Kosten bei einer geothermischen Anlage allein durch die Bohrungen verursacht werden. Bei der Anlage Neustadt-Glewe kommen noch betriebsbedingte Gründe hinzu.

An der Injektionsbohrung tritt ein Unterdruck auf, sobald die Injektionsrate unter 80 m³ pro Stunde sinkt. Das ermöglicht das Eindringen von Sauerstoff in den ansonsten geschlossenen Thermalwasserkreislauf. Als Folge können die im Thermalwasser gelösten Gase (Anteil ca. 10 %), vorwiegend Kohlendioxid, Stickstoff und Methan, ausgasen und es kommt zur Dampfbildung. Daher bietet sich gerade Neustadt-Glewe für die geothermische Stromproduktion an.

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Projektnehmer
Erdwärme-Kraft GbR