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Projektinfos  – Energieforschung konkret

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Das 16-stöckige Gebäude ist das erste Passivhochhaus in Deutschland. Um dieses Niveau zu erreichen, wurden unter anderem die ursprünglichen Balkonflächen in den Innenraum integriert und neue, thermisch getrennte Balkone angebaut.
© Markus Löffelhardt
Saniertes Stadtviertel soll mit Fernwärme versorgt werden
Projektinfo 15/2012
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Auf dem Weg zum Niedrigenergie-Stadtquartier

Ein alteingesessenes Stadtviertel erfolgreich zu sanieren, stellt nicht nur aus architektonischer Sicht eine Herausforderung dar. Auch die Mieter hinter der Fassade müssen dabei berücksichtigt werden. Diesen beiden Anforderungen zu genügen, haben sich die Beteiligten im Forschungsprojekt „Weingarten 2020“ zum Ziel gesetzt. Unter Mitarbeit des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE verwirklichten sie in einem Freiburger Stadtteil das erste Passivhochhaus. Als weiterer wichtiger Meilenstein folgt die Optimierung der Energieversorgung.

Mit seinen auf 45 Metern verteilten 16 Geschossen hat das erste vollständig sanierte Gebäude in der Bugginger Straße 50 den Titel „Leuchtturmprojekt“ verdient. Es ist eines von insgesamt vier „Forschungsgebäuden“ im Stadtviertel Weingarten-West, an denen Sanierungsmaßnahmen und innovative Technologien als Pilotvorhaben umgesetzt werden. Für das Hochhaus aus dem Bestand der Freiburger Stadtbau bedeutete dies konkret: Fenster und Türen, die Haustechnik und die Bodenaufbauten sowie der gesamte Innenausbau mussten erneuert und auf Passivhausstandard gebracht werden. Lediglich der Rohbau konnte erhalten bleiben.

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Die gravierendsten Wärmebrücken bei dieser energetischen Sanierung stellten die langen, aneinanderliegenden Balkone dar. Die Projektverantwortlichen entschieden sich dafür, die Balkonflächen in den Innenraum und somit in die thermische Hülle zu integrieren. Nicht nur energetisch, sondern auch wirtschaftlich ein Vorteil: Es entstand zusätzlicher Wohnraum und aus ehemals 96 Wohnungen wurden 139 kleinere Wohnungen unterschiedlicher Größe. Deren Grundrisse konnten neu gestaltet werden, sodass sich heute eine Drei-Zimmer-Wohnung auf der Fläche befindet, wo vorher nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung Platz hatte. Zusätzlich wurden neue, thermisch getrennte Balkone angebaut. Insgesamt erhöhte sich die Wohnfläche nach Sanierung von 7.100 auf 8.100 Quadratmeter.

Die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem von 20 cm Dicke verpackt. Je nach bestehenden Wandaufbauten können damit U-Werte zwischen 0,11 und 0,13 W/m²K erreicht werden. Hinter den Rollladenkästen, beim Übergang von Fenster zu Fenster, bei Stahlkonstruktionen und an weiteren Stellen, an denen wenig Platz für die Wärmedämmung ist, kam erstmalig Aerogel als Dämmstoff zum Einsatz. Mit einem Lambda-Wert von 0,013 W/mK verfügt dieses Material über eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Da die Warmwasserbereitstellung zentral mit Zirkulation erfolgt, sind die Verteilverluste relativ hoch. Dem versuchten die Projektbeteiligten entgegenzuwirken, indem sie die Leitungen besser dämmten. Die Verluste reduzierten sich dadurch jedoch nur geringfügig. Die kontrollierte Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung erfolgt durch zentrale Zu- und Abluftanlagen. „Aufgrund der Größe und Dimensionen des Hochhauses haben wir uns hier für ein Lüftungsgerät entschieden, das üblicherweise in Bürogebäuden zum Einsatz kommt“, erläutert Florian Kagerer, wissenschaftlicher Projektleiter am Fraunhofer ISE. „Dieses verfügt über einen hocheffizienten Kreuzstrom-Doppelwärmetauscher und Ventilatoren.“ Die zentrale Anlage befindet sich in einem eigenen Technikgeschoss, das als Stahlkonstruktion –thermisch getrennt- auf das Dach gesetzt wurde. Dies erleichtert die spätere Wartung und hat auch wirtschaftliche Vorteile. Die Baukosten (für die Kostengruppen 200 bis 700 nach DIN 276 Kosten im Hochbau) liegen bei rund 13,4 Millionen Euro, dies entspricht 1.680 Euro pro Quadratmeter, davon etwa 600 Euro für die energetische Modernisierung und 240 Euro für andere Modernisierungsmaßnahmen.

Merkzettel

Adressen

Wissenschaftliche Projektleitung
Fraunhofer ISE

Service

BINE-Projektinfo 15/2012
(PDF, 4 Seiten, 1,2 MB)

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.