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Oberflächentemperaturen und Innentemperatur bei schlechter Dämmung (links). In derartigen Gebäuden versuchen Nutzer oft die kalten Innenflächen durch eine hohe Raumtemperatur auszugleichen. Rechts der Vergleich mit der guten Dämmung. Die Innenflächen sind deutlich wärmer. Auch mit niedrigerer Raumtemperatur ist es hier behaglich.
© Anna Durst, BINE Informationsdienst

2 cm Dämmstoff dämmen rechnerisch genauso gut wie ein 90 cm dickes Vollklinker-Mauerwerk.
© BINE Informationsdienst

An den Stellen, an denen unterschiedliche Bauteile aufeinander treffen, sind jeweils gezielte Anschlussdetails der Dämmung zu entwickeln, um Wärmebrücken zu vermeiden.
© BINE Informationsdienst

Eine Aufnahme mit einer Thermografie-Kamera macht Wärmebrücken sichtbar
© Energieberatung Kremser
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Die Gebäudehülle: Rundum dick eingepackt

Die Dämmung der Gebäudehülle, also Außenwände, Dach bzw. oberste Geschossdecke und Keller, senkt den Heizwärmebedarf am wirksamsten. Die Wärme geht nicht so schnell nach außen verloren und die Temperatur auf der Bauteilinnenseite erhöht sich. Dadurch wird das Klima im Innenraum behaglicher. Ist nämlich die Innenseite der Außenwand sehr kalt, entsteht ein Gefühl ähnlich wie bei Zugluft. Ein Aufenthalt in der Nähe der kalten Bauteile wird unangenehm. Im Sommer schützt eine gute Dämmung drinnen vor unerwünschter Hitze.

Will man den Wärmeschutz seines Hauses verbessern, ist es wichtig, vorher die Grenzen des beheizten Raumes festzulegen und diesen dann möglichst lückenlos zu dämmen. Keller, Dachböden und Wintergärten müssen nicht zwangsläufig beheizt werden. Besonderes Augenmerk sollte den Anschlusspunkten zwischen verschiedenen Bauteilen gelten.

Dämmstoffe sind in Wärmeleitfähigkeitsgruppen (WLG) eingeteilt. Diese entsprechen den ersten drei Nachkommastellen der Wärmeleitfähigkeit. Auch hier gilt: je kleiner, desto besser. Typische Polystyrol- und Mineralfaserplatten haben eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 W/mK und gehören damit zur WLG 040. Bei gleicher Dämmschichtdicke und einem Dämmstoff der WLG 035 verbessert sich der Wärmeschutz um etwa 12 %. Inzwischen sind auch Dämmstoffe der WLG 025 auf dem Markt.

Bei der nachträglichen Dämmung sollte man sich nicht an gesetzlichen Mindeststandards orientieren, sondern die bautechnischen Möglichkeiten ausschöpfen, da die Materialkosten im Verhältnis zu den ohnehin anfallenden Arbeitskosten verhältnismäßig gering sind.

Standard für den Wärmeschutz von Fassaden ist das außen angebrachte Wärmedämm-Verbundsystem aus Dämmung und Putz. Natürlich ist es auch möglich, mit einer hinterlüfteten Fassadenverkleidung abzuschließen. Die Dämmung sollte möglichst tief ins Erdreich herunterreichen, um Wärmebrücken zu vermeiden. Werden durch eine Außendämmung Abstandsflächen unterschritten, erteilen die Bauaufsichtsbehörden in der Regel unproblematisch Ausnahmegenehmigungen.

In besonderen Situationen, z. B. bei denkmalgeschützten Fassaden, kommt oft nur eine Dämmung von innen in Frage. Weil die Innendämmung bauphysikalisch anspruchsvoll ist, stellt diese Sanierungsmaßnahme erhöhte Anforderungen an Planer und Ausführende.

Steildächer werden nachträglich meist zwischen den Sparren gedämmt. Weiterhin gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Sparren für eine zusätzliche Dämmung aufzudoppeln. Wird der Dachstuhl nicht als Wohnraum genutzt, lässt sich die oberste Geschossdecke meist unproblematisch dämmen. Bauteile, die die Dämmebene durchdringen (Kamine, Wände etc.), wirken als Wärmebrücken und müssen im unteren Bereich gedämmt werden. Flachdächer sind meist bereits gedämmt, wenn auch oft unzureichend. Eine Verbesserung der Dämmung bietet sich an, sobald die Dachabdichtung erneuert wird. Bei Kellerwänden ist eine nachträgliche Außendämmung sehr aufwendig, da hierfür das Erdreich aufgegraben werden muss. Eventuell kommt eine Innendämmung infrage.

Die Bereiche der Gebäudehülle, an denen im Vergleich zu umgebenden Bauteilen besonders viel Wärme verloren geht, nennt man Wärmebrücken. Bei diesen kühlt die Innenoberfläche bei niedrigen Außentemperaturen stark ab. Daher kondensiert hier die Feuchtigkeit aus der warmen Innenluft, schlägt sich als Feuchtefilm nieder und begünstigt langfristig die Schimmelbildung. Konstruktive Wärmebrücken finden sich oft an Bauteilanschlüssen bzw. Durchdringungen, wie auskragenden Balkonen, Vordächern, Heizkörpernischen oder Rollladenkästen. Im Zuge einer energetischen Sanierung ist es wichtig, solche Wärmebrücken zu identifizieren und durch geeignete Dämmmaßnahmen oder Umbauten zu minimieren.

Manche Nutzer glauben noch, dass eine „atmende“ Wand für das Innenraumklima notwendig sei. Aber Außenwände selbst sind nicht luftdurchlässig. Ein unkontrollierter Luftaustausch findet dort lediglich dann statt, wenn sie Fugen und Risse aufweisen. Dies verursacht aber kontinuierliche Wärmeverluste. Der notwendige Luftwechsel, um Feuchtigkeit sowie Geruchs- und Schadstoffe aus der Raumluft zu entfernen, kann nur durch gezielte Fensterlüftung oder mechanische Lüftungsanlagen erreicht werden (kontrollierte Lüftung). Ein verbesserter Wärmeschutz lässt Wärmeverluste durch unkontrollierte Lüftung stärker ins Gewicht fallen. Deshalb sollte bei der Sanierung viel Wert auf eine luftdichte Ausführung gelegt werden.

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