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Fazit und Ausblick

Die im Labormaßstab entwickelte Beschichtungstechnologie wurde erfolgreich auf eine industrielle Größenordnung übertragen. Es ist jetzt möglich, handelsübliche Gewebe, Membranen und Folien durch eine mechanisch stabile und gut anhaftende Beschichtung mit Low-e Eigenschaften auszustatten und dabei dem Material gleichzeitig einen beliebigen Farbeindruck zur verleihen. Im Nichtwohnungsbau kann die textile Architektur mit energieeffizienteren Materialien ihre Vorteile ausspielen: Bedachung großer Flächen, Tageslichtnutzung, hoher Vorfertigungsgrad, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Sonnenschutzanwendungen sowohl für gemäßigte als auch für südliche Klimazonen werden durch Low-e Schichten effektiver. Auch Altbausanierung und Wohnungsneubau könnten sich zum Massenmarkt für Low-e Materialien entwickeln.

Die Low-e Gewebe sind hierbei jedoch nicht in Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur energetischen Fassadensanierung (welche grundsätzlich als erste Option betrachtet werden sollte) zu sehen. Zum einen erscheint die Überdachung größerer Areale denkbar, um dadurch die Anforderungen an die Witterungsbeständigkeit der überdachten Fassaden zu senken. Zum anderen bieten sich Membranlösungen auch in Fällen an, in denen andere Lösungen aufgrund baulicher oder denkmalschützerischer Aspekte nicht möglich sind. Und schließlich ist auch die Kombination von Low-e Geweben mit gut gedämmten Fassaden interessant, um den Tauwasserausfall zu reduzieren. In vielen der skizzierten Einsatzmöglichkeiten können durch die Steigerung der Energieeffizienz relativ kurze energetische und finanzielle Amortisationszeiten realisiert werden. Für die Low-e Beschichtung wurde im Wesentlichen auf Grundsubstanzen zurückgegriffen, die bereits heute im Gebäudebereich Verwendung finden und für die es bewährte Recyclinglösungen gibt. Den praktischen Einsatz von Low-e Geweben im Gebäudebestand wollen die Forscher im Folgeprojekt „Membranen zur energetischen Sanierung von Gebäuden“ (MESG) erproben.

Symposien und Workshops werden die Untersuchungen im Rahmen der Forschungsinitiative EnOB des BMWi begleiten. Ergänzend wird eine Internetplattform möglichen Nutzern und Anwendern die Technik vorstellen. Die Forscher wollen sich künftig auch der Beschichtung von durchsichtigen oder transluzenten Materialien widmen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: zu nennen sind hier, neben dem Gebäudebereich und der textilen Architektur, etwa der Automobilsektor, beschichtete Gläser in Solarreceivern oder Hitzeschutzvisiere bei Feuerwehrhelmen. Transparente Schichten mit einem hohen Reflexionsgrad im infraroten Spektralbereich können unter anderem mit transparenten und elektrisch leitfähigen Oxiden (transparent conducting oxides: TCO) hergestellt werden. Insbesondere dotiertes Indiumoxid (kurz ITO von indium tin oxide) ist als etablierte Low-e Beschichtung in andren Bereichen gut bekannt und wurde deshalb für erste Versuche ausgewählt. Allerdings sind ITO-Beschichtungen aufgrund ihres Indiumgehaltes relativ teuer. Eine Alternative könnte mit dem deutlich kostengünstigeren AZO (aluminiumdotiertes Zinkoxid) entwickelt werden. Die ITO- oder AZO-Beschichtung soll über das Sol-Gel-Verfahren erfolgen. Im Vergleich zu konventionellen gesputterten Schichten lassen sich deutlich beständigere Schichten erreichen. Dies ermöglicht – ähnlich wie bei den farbigen Low-e Beschichtungen – einen Einsatz auf der Außenseite von Fassaden.

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