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Die Luftaufnahme zeigt die ersten beiden Bauabschnitte (rechts) des Ludmilla Wohnparks mit Einfamilienhäusern (Mitte) und Mehrfamilienhäusern (oben und unten). Links zu sehen sind auch der dritte und vierte Bauabschnitt des Ludmilla-Wohnparks.
© Ludmilla-Wohnpark GmbH
Energieoptimiertes Neubauquartier
Projektinfo 01/2016

Die Grafik zeigt den Lageplan des Ludmilla-Wohnparks der untersuchten Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern sowie den Mehrfamilienhäusern.
© Ludmilla Wohnbau GmbH

Geplanter Energieverbund des Ludmilla-Wohnparks Landshut
© Dr. Volker Stockinger
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Plusenergie-Konzept in Siedlung getestet

Auf einer Industriebrache entstand eine Siedlung mit mehr als 180 Wohneinheiten in Plusenergie-Bauweise. Doch wie aufwendig ist es, diesen Niedrigenergie-Gebäudetyp energieeffizient zu betreiben? Und wie stark beeinflussen die Bewohner den Energieverbrauch? Um das herauszufinden, überwachten Forscher der Hochschule München und der Technischen Universität Dresden das Quartier messtechnisch und optimierten die Technik im Betrieb. Eine Software visualisierte zusätzlich den Energieverbrauch für die Bewohner.

Ab 2021 dürfen nach der Gebäuderichtlinie der Europäischen Union private Gebäude nur noch als Niedrigstenergie-Haus gebaut werden. Diese haben einen jährlichen Energieverbrauch von nahezu Null. Der Plusenergie-Standard geht in puncto Energiebilanz noch einen Schritt weiter. Ein Plusenergiehaus erzeugt über das Jahr bilanziell mehr Energie als es verbraucht. Plusenergiehäuser sind derzeit noch selten, werden angesichts ihrer positiven Jahresenergiebilanz jedoch in naher Zukunft immer populärer. Daher untersuchten Wissenschaftler und Planer nahe München eine ganze Wohnsiedlung dieses Gebäudetyps. Im Projekt +Eins (Plusenergiesiedlung Ludmilla-Wohnpark Landshut) verfolgten sie das primäre Ziel, neue Erkenntnisse über Plusenergie-Siedlungen an einem real umgesetzten Pilotprojekt zu gewinnen. Dafür entstand auf einer zentral gelegenen Industriebrache in Landshut der Ludmilla-Wohnpark (LWP) als Plusenergie-Wohnsiedlung. Auf dem Grundstück von rund 7.300 Quadratmetern wurden fünf Einfamilienhäuser (EFH), zwei Doppelhäuser, sechs Reihenhäuser und acht Mehrfamilienhäuser (MFH) mit insgesamt 55 Wohnungen gebaut.

Die Mehrfamilienhäuser umschließen in zwei Reihen das Wohnareal, in dessen Mitte sind die Reihen- und Einfamilienhäuser parallel zueinander angeordnet. Zur Renatastraße befinden sich die zwei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus mit Grünflächen. Um das Plusenergie-Ziel zu erreichen, ist eine sehr gute Dämmung der Gebäudehülle unerlässlich. Neben der Energieeinsparung hatte jedoch auch die Nutzung erneuerbarer Energien oberste Priorität. Abweichend von den heute in den meisten Neubauten eingesetzten Wärmedämmverbundsystemen kamen im Landshuter Bauvorhaben Ziegel mit integrierter Dämmung zum Einsatz. Bei diesen wurden die Lufträume mit einem Mineralgranulat gefüllt. Die Ziegel mit Granulat erreichen einen Wärmeleitwert ≤ 0,04 W/mK und eine sehr hohe Dämmung der Außenwand mit einem U-Wert von 0,20 W/m²K. Die eingesetzten dreifach verglasten Fenster haben einen UW-Wert von 0,92 W/m²K. Sämtliche Bauteile unterschreiten somit die geforderten Mindestwerte der EnEV 2009 deutlich und auch die Vorgaben der EnEV 2014. Alle Wohnungen im Wohnpark erfüllen nach EnEV 2009 mindestens den Standard des KfW-Effizienzhauses 55.

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Gebäudetechnik im Wohnquartier

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Plusenergie-Siedlungen ist der Einsatz innovativer Gebäudetechnik. Zu den wichtigsten Energielieferanten gehören die Photovoltaik-Anlagen (PV) auf den Dächern des Wohnparks, ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und eine Brennwerttherme als Spitzenlastkessel. Zudem steht ein 10.000-Liter-Pufferspeicher zur Verfügung

Die Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser werden über Kleinstwärmepumpen beheizt. Die Beheizung der Räume erfolgt über Fußbodenheizungen mit einer maximalen Vorlauftemperatur von 35°C (LowEx). Erdkollektoren mit unterschiedlichen Einbauvarianten nutzen oberflächennahe Erdwärme. PV-Anlagen auf den Dächern der Wohngebäude decken den Strombedarf für Hilfsenergien von Beheizung, Belüftung und Warmwasserbereitung. Der nicht im Wohnpark verbrauchte Strom aus den PV-Anlagen und dem BHKW wird in das Stromnetz gespeist.

In den Mehrfamilienhäusern erwärmt ein Brennwert-BHKW das Trinkwasser. Die gesamte Versorgung der Mehrfamilienhäuser erfolgt über ein Nahwärmenetz. Die Vorlauftemperatur im gesamten Nahwärmenetz liegt wegen der Kompakt-Stationen bei maximal 60°C. Das hilft, Verluste in der Wärmeverteilung gering zu halten.

In allen Wohnungen des Ludmilla-Wohnparks wurden zentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung installiert, welche für eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit einem Wirkungsgrad von mehr als 80% sorgen.

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Adressen

Projektkoordination und -durchführung
Hochschule München

Bodengutachten und Simulationstools oberflächennahe Geothermie
TU Dresden, IBK

Monitoring und Visualisierung
GS GmbH

Heizung, Lüftung, Sanitär
B&G Zentralheizungsbau GmbH

Service

BINE-Projektinfo 01/2016
(PDF, 4 Seiten, 829 kB)

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