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News  – Nachrichten aus der Energieforschung

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Auf den Berliner Energietagen 2018 begrüßte Dr. Rodoula Tryfonidou (BMWi) alle Teilnehmer. Anschließend konnten die Forscher ihre Konzepte für sechs zukunftsweisende Quartiere einem breiten Publikum vorstellen.
© BINE Informationsdienst, Uwe Friedrich
Energieeffiziente Stadt
05.06.2018

Dr. Lukas Bo Völkel from the German Federal Ministry of Education and Research emphasised that basic research was being put into practice and that it integrated citizens.
© BINE Informationsdienst, Uwe Friedrich

Klimaneutrale Quartiere im Reallabor erproben

Wie können Quartiere durch Energieeffizienzmaßnahmen und die Nutzung erneuerbarer Energien nahezu ohne fossile Brennstoffe auskommen? Wie gelingt eine intelligente Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität? Diese Fragen werden in sechs Leuchtturmprojekten von Wissenschaftlern sowie weiteren Akteuren untersucht. Erste Ergebnisse und lokale Herausforderungen erläuterten die Forscherteams im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf den Berliner Energietagen.

Drei Viertel der Bevölkerung Deutschlands leben in Stadtquartieren. In diesen wird ein großer Anteil der deutschen Endenergie durch private Haushalte, im Verkehrssektor, Gewerbe und Infrastruktur verbraucht. Daher müssen energetisch hochwertige Gebäude und Stadtquartiere zusammen mit einer energieoptimierten Infrastruktur gebaut und modernisiert werden. Die Bundesministerien für Wirtschaft und Energie (BMWi) und für Bildung und Forschung (BMBF) haben gemeinsam mit dem Projektträger Jülich (PtJ) unter dem Titel „Energieeffiziente Stadt – Quartiere als Reallabore“ die Projekte eingeladen, auf den Berliner Energietagen 2018 Konzepte und Ergebnisse vorzustellen. Jetzt ist es an der Zeit, den Umbruch im laufenden Betrieb eines Quartiers zu realisieren und Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen, betonte Dr. Lukas Bo Völkel (BMBF) in seinem Statement. Frau Dr. Rodoula Tryfonidou (BMWi) erläuterte in Ihrer Einführung, dass das Reallabor als neues Format und dritte Säule neben der Grundlagen- und Anwendungsforschung im neuen Energieforschungsprogramm verankert wird.

Aktuelles von den Leuchtturmprojekten

Lokal erzeugten Windstrom im Quartier nutzen

Das Stadtquartier „Rüsdorfer Kamp“ in Heide soll künftig nahezu vollständig durch erneuerbare Energien aus der Region versorgt werden. Windenergie ist in der Region reichlich vorhanden, so dass jährlich bis zu 4 Mrd. Kilowattstunden Strom aus Windenergie nicht genutzt werden. Ziel ist es, diesen Strom systemdienlich für das regionale Energiesystem einzusetzen und Wärme, Strom sowie Mobilität zu speisen und überschüssigen Strom zur Herstellung von Wasserstoff zu nutzen.

Klimaneutrales Quartier entsteht auf ehemaligem Werksgelände

Einer besonderen Herausforderung stellt sich die Stadt Kaiserslautern, indem sie auf einer alten Konversionsfläche, dem ehemaligen Werksgelände der Nähmaschinenfabrik Pfaff, ein neues Stadtquartier plant und realisieren wird. Alle Beteiligten – auch Bürger und Bürgerinnen – von Beginn an in die Planungsprozesse einzubinden und eine energetische Quartiersplanung mit der Bauleitplanung zu verknüpfen, ist ein Schwerpunkt des Forschungsprojektes.

Sozialverträgliches und smartes Wohnmodell in Zwickau

Im künftigen Null-Emissionsquartier Marienthal untersuchen die Wissenschaftler drei Versorgungskonzepte. Ein Teil des Quartiers dient als Vergleichsgebiet und wird lediglich mit Messtechnik ausgestattet. Dagegen verfolgen die beiden andern Teilgebiete einen zentralen sowie einen dezentralen Ansatz mit einer intelligenten Verknüpfung der vorhandenen Energieversorgungsstrukturen. Ziel ist es, die Bereitstellung von Wärme und Strom flexibel an den Bedarf der Bewohner anzupassen.

Ehemaliger Fliegerhorst wird zum energetischen Nachbarschaftsquartier

Am Beispiel eines ehemals militärisch genutzten Areals der Stadt Oldenburg wird demonstriert, wie ein innovativer multimodaler Energieverbund, welcher die Sektoren Strom, Wärme und Elektromobilität koppelt, konkret aussehen könnte. Im neu entstehenden klimaneutralen Wohnquartier ist geplant, die Bewohner als Energieproduzenten und -konsumenten beim Aufbau und Betrieb eines energetischen Nachbarschaftsquartiers einzubeziehen.

Stadtquartiere 2050

Im Gegensatz zu den anderen Forschungsprojekten sollen im Rahmen von „Stadtquartier 2050“ zwei Quartiere klimaneutral versorgt werden. Zum einen handelt es sich um ein ehemaliges Krankenhausareal in Stuttgart, ein städtisches Quartier und zum anderen um eine Randbebauung in Überlingen, die größtenteils ländlich geprägt ist. Trotz dieser unterschiedlichen Gegebenheiten bestehen für beide Quartiere ähnliche Anforderungen, da jeweils sowohl ländlich als auch urban geprägte Bereiche vorkommen. Ergebnisse und Erfahrungen sollen über eine Städteplattform anderen Kommunen zur Verfügung stehen.

Klimaneutrales Stadtquartier Weststadt

In der neuen „Weststadt“ in Esslingen entsteht ein neues Quartier. Eine Schlüsselkomponente des Konzeptes stellt die Nutzung von erneuerbaren Stromüberschüssen dar. In der Quartiersmitte soll eine zentrale Versorgungsstruktur errichtet werden. Herzstück dieser Zentrale ist ein Elektrolyseur, der diesen Strom in Wasserstoff umwandelt und speichert. Der erzeugte Wasserstoff wird dann größtenteils in das bestehende Erdgasnetz eingespeist, kann aber bei Bedarf auch für die Mobilität und von der Industrie genutzt werden. Sollte wieder Strom benötigt werden, lässt sich Wasserstoff in Brennstoffzellen oder Blockheizkraftwerken rückverstromen.

Das Reallabor im Quartier – Gegenstand lebhafter Diskussionen

Viel Stoff für die Diskussion bot der Begriff „Reallabor“. Dieser soll betonen, dass Konzepte und Effizienzmaßnahmen unter realen Bedingungen im Quartier ausprobiert werden – natürlich nach vor Ort festgelegten und akzeptierten Bedingungen. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich in einem einig: Es ist erforderlich, für diese Art experimenteller Forschung rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen bzw. die bestehenden entsprechend anzupassen und im EEG, Baugesetzbuch sowie in der örtlichen Bauleitplanung zu verankern. Hilfreich wäre es, den Begriff „Reallabor“ erläuternd in der Öffentlichkeit zu kommunizieren, um künftige Akzeptanzprobleme vor Ort zu vermeiden.

Die Förderinitiativer Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt

Gefördert werden die Projekte im Rahmen der Förderinitiative Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Im Modul 2 „Energieeffiziente Stadt" geht es um Quartiere, die mit innovativen Ideen Energieeffizienz und erneuerbare Energien kombinieren.

Eine ausführliche Darstellung dieser Forschungsnews finden Sie auf dem Portal der Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN.

(mm)

Merkzettel

Links

Quartiere auf neuen Wegen, im Reallabor erprobt
Ausführliche Version dieser News auf der Website ENERGIEWENDEBAUEN

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