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Stromerzeugung und Forschung weit vor der Küste funktioniert nur mit mutigen Mitarbeitern. Ein Serviceteam setzt per Boot von einem Wartungsschiff zu einer RePower-Anlage im Testfeld über.
© Matthias Ibeler, DOTI 2010, alpha ventus
Offshore-Testfeld alpha ventus
03.05.2013

Die zwölf Anlagen und das Umspannwerk des Testfelds alpha ventus stehen in direkter Nachbarschaft zu der 2003 in Betrieb gegangenen Forschungsplattform FINO 1.
© Matthias Ibeler, DOTI 2010, alpha ventus

Mitten in der Nordsee Strom ernten

Das deutsche Offshore-Testfeld alpha ventus hat im zweiten Betriebsjahr wieder mehr Strom als erwartet eingespeist. Eine hohe Verfügbarkeit hat sich damit bestätigt. Noch sind die Verantwortlichen vorsichtig, auf Dauer den Wert für die voraussichtliche Stromgewinnung nach oben zu korrigieren.

Die Bilanz des deutschen Offshore-Testfelds alpha ventus zeigt kontinuierlich gute Erträge für das Jahr 2012. Die ins Netz eingespeiste Strommenge übertraf mit 267,8 Millionen Kilowattstunden das Vorjahresergebnis leicht. In zwei Jahren in Folge lag damit die Produktion mehr als 15 Prozent über dem ursprünglich prognostizierten Wert.

Die zwölf Anlagen im Testfeld erreichten 2012 rechnerisch 4.463 Volllaststunden. Mit 96,5 Prozent lag die Verfügbarkeit ebenso hoch wie im ersten Jahr. Die Anlagenverfügbarkeit gibt an, wie viel Prozent eines Jahres eine Anlage in Betrieb ist.

„Es ist nach etwas mehr als zwei vollständigen Betriebsjahren immer noch zu früh, um eine Regel ablesen zu können und die Ertragsprognosen in Zukunft dauerhaft nach oben zu korrigieren. Dennoch zeigt der verlässlich gute Ertrag von alpha ventus, dass wir mit der Offshore-Windenergie auf dem richtigen Weg sind“, zeigt sich Wilfried Hube, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft von alpha ventus, DOTI, zufrieden. Als langfristiges Ziel nannte Hube, den Serviceaufwand für die Anlagen zu reduzieren.

Daten zum Windtestfeld alpha ventus

Das Windtestfeld alpha ventus besteht aus je sechs Fünf-Megawatt-Anlagen der Hersteller REpower und Areva. Mit dem in alpha ventus produzierten Strom lassen sich rund 70.000 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang versorgen. Der Park wurde im April 2010 in Betrieb genommen. Er steht 45 km nördlich von Borkum in rund 30 m tiefem Wasser.

Über eine 60-km-Drehstromverbindung speist das zentrale Umspannwerk des Windparks den offshore erzeugten Strom ein. Betreiber des Testfelds ist das Unternehmen DOTI, welches von den drei Energieversorgern EWE, E.ON und Vattenfall getragen wird.
Die in alpha ventus ermittelten Ergebnisse fließen in Konstruktion, Bau und Betrieb zukünftiger Offshore-Anlagen ein. In unmittelbarer Nähe zum Testfeld steht als ein weiteres Projekt der Energieforschung die Forschungsplattform FINO 1. Hier werden seit zehn Jahren kontinuierlich Messungen zur meteorologischen, ozeanographischen und ökologischen Grundlagenforschung für die Offshore-Windenergie durchgeführt.

Neue Forschungsprojekte im Offshore-Testfeld

Unter der Bezeichnung RAVE, kurz für reserach at alpha ventus, wird im Testfeld bis 2015 geforscht. Rund 40 Forschungsinstitute, Firmen und Behörden arbeiten dort in mehr als 30 Projekten daran, Technologien, Konzepte und Wirtschaftlichkeit für die Offshore-Windenergie zu optimieren. Auch die ökologischen Auswirkungen, Sicherheitskonzepte und die Akzeptanz von Küstenbewohnern und Touristen sind Themen der Begleitforschung.

Aktuell laufende Projekte erforschen den Einfluss von Feuchte und Salzablagerungen sowie die großräumigen Nachlaufströmungen. Im Projekt RAVE-Tuffo wird der Einfluss der atmosphärischen Feuchte auf das Entstehen von Turbulenzen in den Luftschichten untersucht, in denen sich die Rotoren bewegen. Turbulenzen beeinflussen den Ertrag und die Materialermüdung der Anlagen.

Das Projekt RAVE-UFO untersucht, wie die Umgebungsbedingungen auf offener See die Anlagen beeinflussen. Konkret werden dabei Salzablagerungen auf Materialproben analysiert. Das Ziel ist, mit Lasertechnik, bildgebenden Verfahren und anderen Messtechniken die Auswirkungen von Salzablagerungen auf Oberflächen besser prognostizieren zu können.

Mit der großräumigen Erforschung von Windströmungen und Nachläufen beschäftigt sich das Projekt „GW Wakes“. Offshore-Windparks mit Hunderten Anlagen werden Windströmungen auch über größere Entfernungen beeinflussen. Die Forscher untersuchen diesen Einfluss genauer, um Windparks in möglichst effizienter Anordnung zu platzieren.
Einen Überblick über die laufenden Projekte geben die Beiträge der internationalen Offshore-Konferenz im Mai 2012 in Bremerhaven unter „Program and presentations“ sowie ein Video zu den RAVE-Forschungsaktivitäten.

(mi)

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