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Geothermie zum Anfassen: Eine Exkursion zur Geothermie Forschungsbohrung Groß Schönebeck in der brandenburgischen Schorfheide fand reges Interesse.
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4. VDI-Fachtagung Geothermische Technologien
21.03.2012

Impulse aus Groß Schönebeck

Welchen Beitrag kann die Geothermie für die zukünftige Strom- und Wärmeversorgung in Deutschland spielen, und welche Schritte sind nötig um die Potenziale zu nutzen? Rund 80 Wissenschaftler erörterten am 14. und 15. März Strategien, Technologien und Praxiserfahrungen im brandenburgischen Joachimsthal, nahe der Geothermie Forschungsbohrung Groß Schönebeck.

In seinem Einführungsvortrag stellte Joachim Nitsch (Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt DLR, Stuttgart) Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums vor, die in Kürze erscheinen wird. Darin wurden Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2060 entwickelt. Die Botschaft ist, dass Erneuerbare Energien in der Lage sind, innerhalb eines absehbaren Zeitraums die energetische Vollversorgung moderner Industriegesellschaften sicher zu stellen. Hierzu bedarf es einer intelligenten Kombination aller Einzeltechnologien und Energiequellen. Für die Tiefengeothermie erwartet die Studie in einem Szenario bis 2050 einen Anteil 8 Prozent am Endenergieverbrauch. Gemeinsam mit der oberflächennahen Geothermie sollen etwa 13 Prozent erreicht werden.

Ullrich Bruchmann (BMU) erläuterte die Forschungsförderung der Bundesregierung im Bereich der Geothermie mit Zielen und Ergebnissen: Mit den Erfahrungen verschiedener Großprojekte stehe in Deutschland eine große Expertise zur Verfügung. Jetzt sollten die Chancen und Möglichkeiten petrothermaler Kraftwerke demonstriert werden. Für die Geothermie fordert Bruchmann ein Konzept für die Markteinführung, mit dem Ziel, in etwa 10 Jahren 1 Gigawatt elektrische Leistung zu erreichen. Mit der Einspeisevergütung des EEG besteht eine solide Planungsgrundlage. Die geothermischen Potentiale der Störzonen und im kristallinen Gestein müssen erschlossen werden, so Bruchmann. Als konkrete Aufgaben sieht er beispielsweise die Aufbereitung geologischer Daten sowie Pflege eines Geothermischen Informationssystems. Mit geotIS wird bereits ein international beachtetes System aufgebaut. Aktuellen Forschungsbedarf bestehe auch bei der Untersuchung der Seismik.

In verschiedenen Themenböcken wurden detailliert Fortschritte der Explorations- und Bohrtechnik, der Anlagentechnik vorgestellt. Potenzialstudien und Praxisberichte verdeutlichten Chancen und Probleme der Umsetzung, beispielsweise im Umgang mit hochsalinen Thermalwässern.

Zum Abschluss stellten Christian Pletl (Stadtwerke München) sowie Stefan Brendel-Schürmann (GASAG Berliner Gaswerke AG) Untersuchungen für die innerstädtische Wärmeversorgung mit Geothermie in den Großstädten München und Berlin vor. Die Stadtwerke München verfolgen die Vision ihr Fernwärmenetz bis 2040 vollständig aus regenerativen Energien zu speisen. Einen wesentlichen Anteil soll dabei die hydrothermale Geothermie aus dem Malm-Aquifer beisteuern. In Berlin sind die beteiligten Wissenschaftler noch vorsichtig mit konkreten Ausbauplänen. Hier sind die Kenntnisse über den geologischen Aufbau des Berliner Untergrundes derzeit noch zu gering.

Der Tagungsband „Geothermische Technologien“ kann beim VDI-Verlag bestellt werden.

Forschungsjahrbuch Erneuerbare Energien

Aktuelle Forschungsprojekte des BMU zur Geothermie sind online im Forschungsjahrbuch Erneuerbare Energien recherchierbar.

BINE Projektinfos zum Thema

Tiefer Erdwärme auf der Spur (09/2011)
Geothermische Stromerzeugung im Verbund mit Wärmenetz (10/2009)
Geothermische Stromerzeugung in Landau (14/2007)

(me)

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