.

News  – Nachrichten aus der Energieforschung

Kurzcharakteristik lesen

Nürnberger Stadtbibliothek: links der neue Zwischenbau, rechts der sanierte und aufgestockte Bestandsbau.
© Stadt Nürnberg
Energieeffizient sanierte Stadtbibliothek Nürnberg eröffnet
25.10.2012

Mehr Komfort für Leseratten und alte Schriften

Nürnbergs neue Zentralbibliothek vereint die Bestände mehrerer Standorte. Dafür wurde ein teils unter Denkmalschutz stehendes Gebäudeensemble generalsaniert, umgebaut und erweitert. Der Fokus lag auf einem zeitgemäßen Gebäude- und Nutzungskonzept und auf der Energieeffizienz. Ziel: 30 Prozent weniger Primärenergieverbrauch als die EnEV 2007 von Neubauten fordert. Hohe bauklimatische Anforderungen, besonders die Sammlung mittelalterlicher Dokumente, machten die Aufgabe knifflig.

Pünktlich zum Tag der Bibliotheken öffnete gestern nach dreijähriger Umbauzeit das Nürnberger Luitpoldhaus wieder. In dem 1911 errichteten und in den fünfziger Jahren wieder aufgebauten Gebäude war schon von jeher die Stadtbücherei untergebracht. Jetzt wurde es aufgestockt und über einen neu eingefügten Gebäudetrakt mit Nachbargebäuden verbunden. So konnten die ursprünglichen Bestände mit denen der Musikbibliothek und der Sammlung alter Schriften zu einer Zentralbibliothek mit etwa 700.000 Medien zusammengeführt werden.

Für dieses aus vielerlei Hinsicht anspruchsvolle Vorhaben hat sich die Stadt auch in Bezug auf die Energiekennwerte einiges vorgenommen. „Die Sanierung des Gebäudes soll zeigen, dass es möglich ist, auch unter sehr schwierigen Ausgangsbedingungen, wie Bestandssituation, denkmalgeschützte Innenstadtlage und anspruchsvolle Raumklimaanforderungen, eine umfassende energetische Sanierung weit unter dem vorgeschriebenen Neubauniveau umzusetzen“, sagt Eva Anlauft vom Kommunalen Energiemanagement der Stadt Nürnberg. „Da wir diese Zielsetzung von Anfang an verfolgt haben, konnte sie im Zusammenspiel vom baulich-architektonischen, dem bauphysikalischen und dem gebäudetechnischen Konzept aufgegriffen werden.“ So zeichnet sich das Gebäude heute unter anderem durch eine sehr gute Außendämmung und große Fensterflächen mit Sonnenschutz aus, die viel Tageslicht, aber keine Hitze in den Freihandbereichen und die Büroräume bringen. Fernwärme versorgt die Fußbodenheizung und Grundwasser kühlt sowohl die Zuluft für die öffentlichen Bibliotheksbereiche als auch die Kühldecken der Büroräume im Dachgeschoss, das aus statischen Gründen in Leichtbauweise ausgeführt ist.

Ein passender Rahmen für die wertvollen Altbestände

Bis in das Jahr 1370 lässt sich die Geschichte der Nürnberger Büchersammlung zurückverfolgen. Entsprechend wertvoll sind auch die Bestände, wie beispielsweise Briefe von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1506. Die bisher – aus konservatorischer Sicht – völlig unzureichende Unterbringung sollte im Rahmen des Umbaus gelöst werden. „Die strengen raumklimatischen Anforderungen für die wertvollen Bestände konnten wir mit weitgehend passiven baulichen und minimierten anlagentechnischen Maßnahmen sicherstellen“, so Anlauft. Dazu gehören Raumbegrenzungsflächen in Massivbauweise mit Wärmedämmung auf den Außenseiten und sorptivem Kalkputz auf den Innenseiten; Grundwassernutzung zur Kühlung bzw. Heizung der Wandflächen über Kapillarrohrmatten und Fensteröffnungen nur dort, an denen sie unbedingt erforderlich sind.

Besonders anspruchsvoll war aufgrund der hohen internen Lasten – durch Beleuchtung, EDV und Personen – die Raumlufttechnik für Ausstellungsraum, Handschriftenbüros und im Lesesaal. Hierfür wird die warme und feuchte Außenluft durch eine wässrige Salzlösung entfeuchtet. Zur Regeneration der Salzlösung wird eine 20 m² große thermische Solaranlage auf dem Dach des Gebäudes genutzt; bei Bedarf auch Fernwärme. Gekühlt wird mithilfe des sogenannten „adiabatischen“ Verdunstungseffekts.
Das Institut für Bauklimatik der TU Dresden sowie das Ingenieurbüro für Bauphysik Wolfgang Sorge Nürnberg unterstützten die Planer bei der Auswahl und Dimensionierung der Maßnahmen durch thermische und hygrische Raumklima- und Strömungssimulationen.

Unter strenger Beobachtung

Noch zwei Jahre nach Fertigstellung wird der Gebäudebetrieb intensiv messtechnisch begleitet. Einerseits, um die Vorhersagen des Energieverbrauchs und damit die Berechnungs- und Planungswerkzeuge zu überprüfen. Andererseits, um das tatsächliche Nutzerverhalten zu ermitteln und Schwachstellen, insbesondere auch bei den Regelungsparametern, aufzudecken und zu beheben. Daran schließt für weitere fünf Jahre ein vereinfachtes Langzeitmonitoring an.
Das Vorhaben wird unter anderem aus dem Programm „Energieoptimiertes Bauen/EnSan“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gefördert. Das umfasst auch ein Monitoring durch das Institut für Energie und Gebäude der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg.

Mehr vom BINE Informationsdienst

Ein inzwischen abgeschlossenes Forschungsprojekt zur Sanierung einer Bibliothek aus den 70er Jahren, stellt das BINE-Projektinfo „Gebäude sanieren – Universitätsbibliothek“ (14/2005) vor.

(dg)

Merkzettel

Links

Umbau des Luitpoldshauses zur zentralen Stadtbibliothek Nürnbergs