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Prof. Dr. Klaus Töpfer (IASS), Prof. Dr. Bernhard Rieger (TU München), Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, Prof. Dr. Kurt Wagemann (DECHEMA) und Frank Grunert (Bayer Material Science) stellen Ergebnisse der Forschung zur CO2-Verwendung auf einer Statuskonferenz im April 2013 in Berlin vor.
© Christina Geimer, BINE Informationsdienst
Stoffliche Nutzung von CO2
25.04.2013

Vom Klimakiller zur bequemen Matratze

Um die Emissionen zu reduzieren, soll CO2 abgetrennt und in der Kunststoffindustrie weiter verarbeitet werden. Dabei wird das CO2 langfristig gebunden und ersetzt den knappen Rohstoff Erdöl. So kann aus dem Albtraum vom Klimakiller die Grundlage für schöne Träume werden. Aus dem Rohstoff CO2 werden Matratzen gefertigt.

Techniken um CO2 aus Rauchgasen abzuschneiden gibt es. Doch wohin mit dem abgetrennten CO2? Die unterirdische Speicherung ist umstritten und teuer. Forscher entwickeln Möglichkeiten, um CO2 zu nutzen zum Beispiel als Rohstoff in der Kunststoffindustrie.

„Dream Reaction“ heißt eines der Forschungsprojekte und das ist auch Programm für den gesamten Zweig: Denn der reaktionsträge Rohstoff CO2 soll sich mit möglichst geringem Energieaufwand chemisch verbinden. CO2 steht chemisch gesehen am Ende der Verbrennungskette und ist deshalb energiearm. Die Forscher untersuchen Katalysatoren, die als Heiratsvermittler für CO2 in chemischen Prozessen dienen.

In dem Projekt „Dream Production“ fanden die Forscher unter Koordination von Bayer Material Science einen solchen Katalysator. Sie nutzten aus dem Rauchgas eines Kohlekraftwerkes abgetrenntes CO2 als Ausgangsmaterial für den Kunststoff Polyurethan. Das verwendete CO2 ersetzt dabei einen Teil des zur Herstellung benötigten Erdöls.
Aus Polyurethanschäume werden zum Beispiel Schaumstoffmatratzen oder Leichtbauteile hergestellt. Der Anteil des CO2 im Polyurethan liegt im zweistelligen Prozentbereich. Daraus ergibt sich eine Verwertungsmöglichkeit für CO2 im Millionen-Tonnen-Maßstab.

CO2 kann Erdöl in der Industrie ersetzen

Das ist allerdings noch relativ wenig gemessen an den jährlich anfallenden Mengen von CO2. So emittiert beispielsweise alleine das Steinkohlekraftwerk Scholven jährlich über neun Millionen Tonnen CO2.
„Mit der stofflichen Nutzung von CO2 retten wir das Klima nicht. Aber sämtliches Erdöl, welches zur Kunststoffproduktion genutzt wird, könnte ersetzt werden“, ordnet Bundesbildungsministerin Johanna Wanka das Potenzial der Verwendungstechnik auf einer Statuskonferenz des Forschungsverbunds im April 2013 ein. Sie rechnet damit, dass maximal zehn Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen sich stofflich binden lassen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt über die Förderrichtlinie „Technologien für Nachhaltigkeit und Klimaschutz – Chemische Prozesse und stoffliche Nutzung von CO2“ rund 30 Forschungsprojekte mit einer Fördersumme von 100 Millionen Euro. Weitere Details zu den einzelnen Projekten sind unter ChemieundCO2.de zu finden.

(cg)

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