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Ausgediente PV-Module enthalten wertvolle Rohstoffe
© Sunicon GmbH
Forschungsprojekte nachgehakt:
12.09.2011

Wie geht es weiter beim Recycling von PV-Modulen?

Photovoltaik-Anlagen halten lange, aber nicht ewig. Im aktuellen Forschungsprojekt „SoMoRec“ arbeiten Entwickler daran, die Prozesse zum Wiederverwerten von PV-Modulen ökonomischer und ökologischer zu machen. Bereits im Verbundprojekt „Somozell“ erprobten Forscher das sortenreine Recycling ausgedienter PV-Anlagen in einer Pilotanlage der Firma Sunicon (BINE Informationsdienst berichtete im Projektinfo 2/2010). Im Branchenverband PV CYCLE selbst gibt es derzeit strukturelle Veränderungen.

Zum Aufbau eines freiwilligen EU-weiten, flächendeckenden Systems zur Wiederverwertung hat die Solarindustrie als gemeinsame Initiative im Jahr 2007 den Verband PV CYCLE gegründet. Nun ist mit Solarworld einer der größten Modulhersteller, dessen Mitarbeiter Karsten Wambach bis vor kurzem als PV-Cycle-Präsident amtierte, aus dem Branchenverband ausgetreten. Die Firma, die als einzige bisher eine funktionierende Pilotanlage zum Recycling kristalliner Siliziummodule vorweisen kann, begründete den Austritt damit, das Vertrauen in das Recyclingkonzept des Verbandes verloren zu haben.

Nach dem Ausstieg fehlt dem Verband nun der Hersteller mit dem am weitesten entwickelten Recycling-Verfahren für kristalline und multikristalline Module. Knackpunkt war wohl das neue Environmental Agreement, das auf dieser Sitzung zur Abstimmung stand und zu dem nun noch bis Ende August Stellungnahmen der Mitglieder möglich sind, bevor es dann wohl am 8. September auf der Sitzung verabschiedet werden kann, bei der dann auch der Nachfolger des zurückgetretenen Vorsitzenden Karsten Wambach gewählt wird.

Kommt die EU-Richtlinie?

Die europaweite Vereinigung PV CYCLE begegnet drohenden Umweltauflagen der EU mit einem eigenständigen Wiederverwertungskonzept. Damit konnte die Übertragung der EU-Elektronikschrott-Richtlinie auf die PV-Branche abgebogen werden. Diese WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment) regelt die fachgerechte Sammlung und Entsorgung von Elektro-Altgeräten recht aufwendig und kompliziert.

Angesichts steigender Abfallmengen und erkennbarer Anlaufschwierigkeiten der Branchenlösung steht zu erwarten, dass die EU bei der anstehenden Novellierung der WEEE-Richtlinie ein verbindliches Recyclingverfahren vorschreibt. Dann muss jeder Hersteller genau die in Verkehr gebrachte Menge sowie die fachgerechte Rücknahme nachweisen.

Aufbau von Recycling-Kapazitäten

Eine erste Annahmestelle eröffnete Mitte 2010. Im Laufe des ersten Betriebsjahres wurden dort 600 t gesammelt. Um ein hochwertiges Recycling der wachsenden Abfallmengen sicherzustellen, werden Anlagen benötigt, die 10.000 t Modulschrott pro Jahr bewältigen können. Experten schätzen, dass die in Europa jährlich anfallende Menge ausgedienter Module schnell anwachsen wird - von bis zu 5.000 t im Jahr 2010 auf vermutlich 130.000 t im Jahr 2030.

Mit modernster Technologie lassen sich jetzt Produktionsabfälle, komplett ausgediente sowie gebrochene Module wiederaufbereiten und dabei Recyclingraten von über 95% erzielen. Eine Pilotanlage für ein sortenreines Recycling von Silizium-Modulen wurde in Freiberg / Sachsen von der Solarworld-Tochter Sunicon aufgebaut; dabei erwies sich die Aufarbeitung unterschiedlicher Module als arbeits- und kostenaufwendig. Die lediglich auf einige hundert Tonnen PV-Schrott ausgelegte Recyclinganlage steht seit Anfang des Jahres still, es gibt Pläne für eine Umstrukturierung und Anpassung an das erwartete Abfallaufkommen.

Für die Aufarbeitung von Dünnschichtmodulen gibt es bereits mehrere Lösungen. Die Firma First Solar hat ein eigenes Recyclingverfahren aufgebaut und damit bereits mehrere tausend Tonnen Module und Produktionsabfälle wiederaufbereitet. Auch die Firma Loser trennt Glas, Kunststoff und Halbleiter. Ein anderes Unternehmen trennt die Kunststofffolien schonend ab und gewinnt die Wertstoffe: www.saperatec.de

Weitere Informationen zur Forschung

Das BINE-Projektinfo „Recycling von Photovoltaik-Modulen“ aus dem Jahr 2010 können Sie online lesen oder als PDF-Datei herunterladen. Informationen zum laufenden Forschungsprojekt „SoMoRec“ finden Sie unter www.sunicon.de. Einen Überblick über laufende Forschungsprojekte gibt das Forschungsjahrbuch Erneuerbare Energien 2010.

(gh)

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