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News  – Nachrichten aus der Energieforschung

Kurzcharakteristik lesen

Der Gebäudekomplex der Ludwig-Börne-Schule in Frankfurt am Main wurde zwischen 2008 und 2011 in Passivhaustechnik saniert und erweitert. Durch Umbaumaßnahmen im Erdgeschoss entstand ein neues Foyer mit Cafeteria.
© Stadt Frankfurt am Main; Foto: Lumen-Photo joppich &. dörr gbr
Kommunale Gebäude
26.01.2016

Mit dem Umbau und der Modernisierung der Horteinrichtung "Im Uhrig" in Frankfurt am Main wurde eine Vielzahl von baulichen Mängeln und Unzulänglichkeiten im Bereich der Baukonstruktion, des vorbeugenden Brandschutzes und der Grundrissaufteilung behoben. Neben der umfassenden brandschutztechnischen und energetischen Gebäudesanierung profitiert das Raumprogramm von einem Anbau.
© Stadt Frankfurt am Main; Foto: Uwe Dettmar

Zu sehen ist der Hof der Pina-Bausch Gesamtschule an der Florian-Geyer-Straße in Wuppertal nach der Sanierung.
© Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal

Die Darstellung kommunaler Sanierungskosten ist abhängig von Umfang und energetischem Standard.
© Martin Jahn, ZNES Europa-Universität Flensburg

Die Grafik zeigt die Sanierungskosten-Entwicklung einer fiktiven Kommune 2017 bis 2050.
© Martin Jahn, ZNES Europa-Universität Flensburg

Sanierungskosten berechnen und vergleichen

Der Erhalt und die energetische Sanierung kommunaler Liegenschaften kostet Geld, das in vielen Fällen fehlt. Ein neues Programm erlaubt es, verschiedene Sanierungsszenarien für den kommunalen Gebäudebestand durchzurechnen und detailliert zu vergleichen. Das erleichtert die strategische Planung von Investitionen in Städten und Gemeinden.

Öffentliche Gebäude haben eine Vorbildfunktion für die energetische Sanierung, einen energieeffizienten Betrieb und die Einbindung erneuerbarer Energien. Gleichzeitig leiden die meisten Städte und Gemeinden unter Finanznot bei gleichzeitig steigenden Aufgaben. Sich strategisch mit ihrem Gebäudebestand zu beschäftigen, ist einerseits vor dem Hintergrund der drohenden Klimaerwärmung dringend notwendig. Andererseits ist es für jede Kommune Bestandteil der Daseinsvorsorge.

Diesen Herausforderungen stellte sich ein Forschungsprojekt der Europa-Universität Flensburg „Klimaschutzkonzept 2050 Kommunale Gebäude“. Die Forscher identifizierten und evaluierten in Kooperation mit zehn deutschen Kommunen Finanzierungsoptionen für die energetische Sanierung kommunaler Liegenschaften. Als Sanierungsziel wurde eine Unterschreitung der EnEV-Neubau 2009-Werte um 30 Prozent gewählt. Dieses Ziel ist konservativ und entspricht lediglich einem durchschnittlichen Wärmebedarf von rund 50 kWh/m²a über alle Gebäude einer Kommune. In der Praxis gibt es etliche Kommunen, die ambitioniertere Ziele verfolgen – aber auch Kommunen, die es aus verschiedenen Gründen kaum schaffen die geltenden EnEV-Vorgaben zu erfüllen. Aus den im Projekt erhobenen Daten entwickelten die Forscher eine dreidimensionale Kostenfunktion. Diese erlaubt die Abschätzung von Sanierungskosten inklusive energetischer Mehrkosten – je nach angestrebtem Sanierungsstandard und Umfang.

Handlungsempfehlungen für die Unterstützung von Kommunen

Das Projekt widmete sich auch den energie- und förderpolitischen Rahmenbedingungen für Kommunen. Unter anderem wurden Handlungsempfehlungen für deren verbesserte finanzielle Ausstattung erarbeitet. Denn aus Sicht der Forscher kann weder mit bekannten Finanzierungsmodellen aus der Wirtschaft wie Contracting oder ÖPP, noch mit existierenden Förderprogrammen oder Kredithilfen das Finanzierungs-Dilemma von Kommunen gelöst werden. Eine einfache Erhöhung des kommunalen Anteils am Steueraufkommen wäre jedoch nicht zielführend. Die zusätzlichen Mittel würden laut Befragungsergebnissen zur Deckung von allgemeinen Defiziten genutzt. Vielmehr plädieren die Projektpartner für ein Sondervermögen „Kommunale Liegenschaften“, das rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Sanierung von kommunalen Gebäuden bereitstellt und so eine Förderquote von 50 Prozent erlauben würde. Die Sanierung des gesamten deutschen kommunalen Gebäudebestands auf einen energetischen Stand von EnEV-Neubau minus 30 Prozent bis 2050 würde laut Berechnungen der Forscher circa 5 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Gleichzeitig müssten Kommunen ihre Sanierungsquote auf knapp 3 Prozent erhöhen, um auch alle Gebäude bis 2050 zu sanieren. Für die Ausgestaltung eines solchen Sondervermögens erarbeiteten die Flensburger Forscher zusammen mit Praktikern aus verschiedenen Kommunen mögliche Kriterien zur Mittelvergabe.

Berechnungsprogramm für klimaschutz-orientierte Sanierungsstrategien

Um den Kommunen die Erarbeitung einer langfristigen Gebäudesanierungsstrategie zu erleichtern, wurde das Programm FinSa entwickelt. Es ermöglicht Entscheidungsträgern, die Kosten für energetische Sanierungen ihrer Liegenschaft bis 2050 abzuschätzen. Anhand weniger Angaben zum Gesamtgebäudebestand können drei Szenarien hinsichtlich des Energiebedarfs, der resultierenden CO2-Emissionen sowie der Energie- und Sanierungskosten verglichen werden. Ein Business-as-usual-Szenario bildet die fortgesetzte gegenwärtige Sanierungstätigkeit ab, ein Klimaschutzszenario notwendige Sanierungsarbeiten zur Erreichung der bundesweiten Klimaschutzziele. Ein weiteres Szenario entspricht den individuellen einstellbaren Zielen der Kommune. Der Szenarien-Vergleich über einen langen Zeitraum unterscheidet das FinSa-Tool von verfügbaren Programmen, die entweder nur eine grobe Einordnung in Vergleichswerte erlauben oder sehr detailliert auf einzelne Gebäude und Sanierungsvorhaben bezogen sind.

Das kostenfreie FinSa-Tool (Open Source) steht Kommunen jetzt als Entscheidungshilfe zur Verfügung. Informationen zum Download sowie Detail-Informationen zum Forschungsprojekt „Klimaschutzkonzept 2050 Kommunale Gebäude“ finden sich hier.

(fr)

Merkzettel

Adressen

Projektleitung
ZNES Flensburg

Service

Kurzfassung des Projekt-Endberichts „Klimaschutzkonzept 2050 Kommunale Gebäude – Anforderungen, Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, Rahmenbedingungen” (November 2015; PDF, 4 Seiten, 541 kB)

Link

EnEff:Stadt
Portal der Forschungsinitiative „Energieeffiziente Stadt”