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In einer Studie untersuchten Wissenschaftler die Energieeffizienz von gewerblich und industriell genutzten Hallen. Im Bild ist eine Industriehalle der Firma Goldbeck zu sehen.
© figawa e. V. / Goldbeck
Gebäude-Leitfaden
07.10.2015

Die Abbildung zeigt sechs Hallen-Typen mit charakteristischen Nutzungsprofilen, die in Simulationsrechnungen auf ihr thermisches Verhalten hin untersucht wurden.
© figawa e. V.

Industriehallen auf dem energetischen Prüfstand

Um bestehende Gewerbe- und Industriegebäude energetisch zu modernisieren und Hallen-Neubauten als Niedrigstenergie-Gebäude umzusetzen, müssen eine Reihe baulicher und anlagentechnischer Besonderheiten beachtet werden. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler diesen Gebäudetyp genauer. Daraus entstand ein Leitfaden, der Architekten und Bauherren bei der Planung neuer Hallengebäude unterstützen soll.

Mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit müssen Architekten, Planer, Bauherren, Investoren und Projektentwickler bei Gebäuden schon während der Planung immer mehr die auf effiziente Energienutzung und die Einbindung erneuerbarer Energien achten. „Diese werden in den energierechtlichen Vorschriften und in der öffentlichen Diskussion im Bereich der Nicht-Wohngebäude und speziell für Hallengebäude bisher allerdings nur am Rande betrachtet, da diese Vorschriften nicht konkret den Typus Hallen und deren Nutzungsprofile enthalten“, kritisiert Werner Born, Projektleiter der Studie „Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien in Hallengebäuden“ (EEEEH).
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass am Industriestandort Deutschland der Bestand von circa 420.000 Hallengebäuden mit rund 15 Prozent zum Endenergieverbrauch aller Gebäude für Raumwärme beiträgt. In der Studie analysierten Forscher erstmals das Zusammenwirken moderner Hallenheizsysteme mit typischer Gebäude- und Nutzungsstruktur von Hallen zur gewerblichen und industriellen Nutzung.

Fünf Gebäudetypen auf dem Prüfstand

In einer Vorgängerstudie untersuchten die Wissenschaftler zunächst die Energieeffizienz von Hallengebäuden (GAEEH). In dieser wählten die Forscher in ihren Untersuchungen sowie auf Basis systematischer Expertenbefragungen fünf Gebäudetypen aus: Repräsentativ für gängige Hallengebäude sind Fertigungshallen, Werkstattgebäude, Logistikhallen, Großmärkte sowie Sporthallen. Diese zogen die Forscher in der EEEEH-Studie für die Darstellung der Erfüllungsmöglichkeiten von EnEV und EEWärmeG auf Grundlage beispielhafter Energiebedarfsberechnungen heran. Zu den Besonderheiten dieser Hallentypen gehören:

  • Geringere Gebäudehöhe bei Werkstätten, was die energetische Bewertung von Wärmeübergabesystemen bei der Heizung verändert
  • Gegebenenfalls höherer Energiebedarf für die Bereitung von Trinkwarmwasser bei Sporthallen
  • Höherer Energiebedarfsanteil für Beleuchtung und Lüftung bei Großmärkten

Bislang werden Hallengebäude mit ihrer spezifischen Gebäude-, Nutzungs- und Anlagenstruktur in der Energieeinsparverordnung (EnEV) und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) unter der Kategorie Nichtwohngebäude eingeordnet. Dies ist nach Meinung der Autoren ein wesentliches Hindernis für die Realisierung ambitionierterer klimapolitischer Ziele dieser Gebäude. Denn für die verschiedenen Hallen-Typen gelten jeweils zugeschnittene Anforderungsprofile, daher seien nach Auffassung der Autoren deutlich anspruchsvollere Zielsetzungen in der Reduktion klimaschädlicher Emissionen unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen realisierbar. „Würden die verschiedenen Gebäudetypen samt ihrer spezifischen Nutzung auch in den Vorschriften berücksichtigt, ermöglicht das deutlich ambitioniertere Zielsetzungen in puncto Niedrigstenergie-Niveau“, sagt Born. Je nach gebäudetypischer Differenzierung kann das energetische Niveau einer Niedrigstenergie-Halle – ausgedrückt als Primärenergiebedarf bei EnEV 2016 – 15 Prozent oder noch niedriger liegen.

Leitfaden zur Planung neuer Hallengebäude

Ein Leitfaden zur Planung neuer Hallengebäude wurde innerhalb der EEEEH-Studie erstellt. Dieser soll dazu beitragen, das große Potenzial der Energieeinsparung und Emissionsminderung von Hallengebäuden in Deutschland zu erschließen. Er erläutert die grundlegenden Zusammenhänge zwischen der EnEV 2014 – mit den Anforderungsstufen 2014 und 2016 – und EEWärmeG 2011 für die Planung und Baupraxis von Hallengebäuden. Aus beiden Instrumenten ergeben sich zahlreiche Wechselwirkungen bei der Erfüllung der Pflichten wie auch bei der Nachweisführung. Dabei werden die Besonderheiten dieser heterogenen Gebäudekategorie in Bauweise, Nutzung und Anlagentechnik berücksichtigt. Für modellhafte Hallengebäude werden wirtschaftliche und praxisgerechte Musterlösungen und Erfüllungsvarianten von Gebäude und Anlagentechnik dargestellt.

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Projekte, Berichte, Nachrichten und Analysen aus der Forschung für Energieoptimiertes Bauen

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Der Leitfaden zur Planung neuer Hallengebäude nach Energieeinsparverordnung EnEV 2014 und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz 2011 (EEEEH) kann unter folgendem Link angefordert werden.