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Bevor eine Stromtrasse in Betrieb geht, ist ein hoher Planungsaufwand notwendig. Forscher von Bosch & Partner haben eine Methodik entwickelt, die die Planung nachvollziehbarer macht.
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Neue Methodik
28.05.2015

Der im Projekt exemplarische Bau einer Trasse führte von Nordhessen nach Niedersachsen mit definiertem Anfangs- und Endpunkt. Die endgültige Verlauf sollte innerhalb der vorgegebenen Ellipse rechts stattfinden.
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Potenzielle Gebiete für den Bau von Stromtrassen werden in Konfliktrisikoklassen unterteilt. Anhand dieser lässt sich ein optimaler Trassenverlauf planen.
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Auswirkungen der KRK: links ist Waldgebiet mit KRK 3, rechts mit KRK 5 beurteilt. Gut zu sehen: ein möglicher Trassenverlauf wird von dieser Einstufung beeinflusst.
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Stromtrassenplanung verbessern

Für die Integration von erneuerbaren Energien sind neue Stromleitungen notwendig. Nicht zuletzt hat die Diskussionen um die Trasse „SuedLink“ die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses Thema gelenkt. Dabei zeigt ein detaillierter Blick, dass die Planung einer neuen Leitung durchaus komplex ist. Denn einerseits sollen die Korridore möglichst weit weg von besiedeltem Gebiet verlaufen sowie andererseits auch die Tier- und Pflanzenwelt schützen und zudem wirtschaftlich sein. Eine Herausforderung ist es, diese Wünsche möglichst gut zu vereinen. Wie sich neue Leitungen nachvollziehbar planen lassen, hat ein Forscherteam untersucht.

Das Ingenieurbüro Bosch & Partner hat es sich in einem Forschungsvorhaben zur Aufgabe gemacht, alle Belange in eine Bewertungsmethodik zu integrieren und Lösungen für künftige Planungen aufzuzeigen. Die Experten verfolgten dabei einen interdisziplinären Ansatz. Denn nicht nur technische Aspekte kommen zum Tragen, auch die Bedeutsamkeit von Umweltschutz und die Akzeptanz von Bürgern sind Variablen, die in das Planungsverfahren hineinspielen und es beeinflussen. Um für die Korridorplanung all diese Punkte angemessen berücksichtigen zu können, ist eine komplexe Herangehensweise erforderlich. Damit das Planungsergebnis auf möglichst breite Akzeptanz stößt, ist es notwendig, die Methodik in einer breit angelegten Kommunikation mit allen Interessensgruppen zu entwickeln und sie möglichst transparent zu gestalten. 

Um die Ergebnisse zu überprüfen, aber gleichzeitig bestehende Planungsverfahren nicht zu beeinflussen, analysierten die Forscher eine fiktive Trasse. Auswirkungen einzelner methodischer Stellschrauben ließen sich überprüfen, ohne dass persönliche Betroffenheiten die Diskussion der Ergebnisse überlagerten. Die Trassen-Anschlusspunkte lagen im Beispiel 65 Kilometer auseinander, der Untersuchungsraum war eine Ellipse mit 85 mal 43 Kilometer. Um den Verlauf der Trasse von Nordhessen nach Niedersachsen möglichst detailliert zu simulieren, nutzen die Wissenschaftler Raumdaten, sie sie von den zuständigen Behörden erhielten. 

Bewertung der Trasse mit unterschiedlichen Randbedingungen

Den einzelnen Flächen- und Raumkategorien, die sich im Untersuchungsraum überlagerten, ordneten die Forscher sogenannte Konfliktrisikoklassen (KRK) zu. Diese reichen von KRK 1 für marginales bis KRK 6 für sehr hohes Konfliktrisiko (Abbildung links Mitte). Die Bewertung einzelner Flächen kann zum Beispiel hinsichtlich der Lebensraumbedrohung der Tier- und Pflanzenwelt aber auch hinsichtlich des Landschaftsbildes vorgenommen werden. Die einzelnen Bewertungskriterien für eine Landschaftszone lassen sich dann in eine gemeinsame Klasse überführen. 

Innerhalb der Ellipse verglichen die Forscher mehrere Ansätze und konnten so unterschiedliche Vorzugskorridore darstellen. Im Beispiel links unten haben sie die Waldflächen einmal mit KRK 3 und einmal mit KRK 5 bewertet. Gut sichtbar ist die veränderte Verteilung der Konfliktrisikoklassen. Damit ein etwaiges Planungstool ein breit akzeptiertes Ergebnis aufzeigen kann, sind in einem nächsten Schritt Konventionen notwendig, um eine einheitliche Bewertung zu erhalten. So ist es nach Aussage der Forscher möglich, in verschiedenen Gebieten einen wirtschaftlichen, umweltverträglichen und von der Bevölkerung akzeptierten Netzausbau voranzubringen.

Ein weiter Weg von der Planung bis zum Bau

In der Praxis sind Start- und Endpunkte von neuen Höchstspannungsleitungen in der Regel aufgrund technischer Gegebenheiten, wie zum Beispiel Umspannwerke, fest vorgegeben. Im Bundesbedarfsplan werden die zusätzlich erforderlichen Leitungen gesetzlich festgelegt. Aktuell betrifft das Leitungsprojekte, bei denen die Verknüpfungspunkte bis zu 600 Kilometer auseinanderliegen. Der vermeintlich einfachste Weg wäre es, die definierten Anfangs- und Endpunkte einfach durch eine gerade Leitung zu verbinden. Doch in den meisten Fällen stehen technische oder rechtliche Hindernisse im Weg. Daher gilt es, eine möglichst raum- und umweltverträgliche Linienführung zu finden. An dieser Stelle kommt dem Alternativenvergleich eine besondere Bedeutung zu. Die jeweiligen Alternativlösungen werden mit Hilfe der angesprochenen Methodik bewertet. Nur wenn es eine allgemein anerkannte Konvention über die Bewertungs- und Vergleichsmethodik gibt, ist eine nachvollziehbare Planung überhaupt möglich.

Für Leitungen mit einer Nennspannung von 220 Kilovolt und mehr ist die sogenannte Bundesfachplanung Netzkorridor durchzuführen. In diesem Verfahren bestimmt die Bundesnetzagentur einen raum- und umweltverträglichen Trassenkorridor mit einer Breite zwischen 500 und 1.000 Metern. Zudem ist es möglich, Alternativen in das Planungsverfahren einzureichen. Nicht zuletzt die anhaltende Diskussion über den SuedLink hat aufgezeigt, dass Alternativen einerseits aufgezeigt und geprüft werden, aber andererseits deren Auswahl auch akzeptiert werden muss.

(am)

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(PDF, 309 Seiten, 13 MB)

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