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Die verschiedenen Innendämm-Systeme werden nebeneinander auf jeweils etwa elf Quadratmetern aufgebracht. Da alle Abschnitte ein Fenster einschließen, können auch Lösungen für solche kniffeligen Anschlusspunkte ausgearbeitet werden.
© Fraunhofer IBP
Schonende Sanierung
17.06.2014

In der Alten Schäfflerei des Klosters Benediktbeuern entsteht das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege. Das Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird als Anschauungsobjekt denkmalfachlich und unter energetischen Gesichtspunkten instand gesetzt.
© Fraunhofer IBP

Rückbaubare Innendämmungen für Denkmäler

Historische Gebäude von innen zu dämmen kann im Konflikt mit dem Denkmalschutz stehen: Auch die Raumoberflächen bieten oft wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit. Werden sie mit Dämmplatten verklebt, lösen sich bei einem Rückbau die historischen Befunde ab. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP entwickeln deshalb gemeinsam mit Industriepartnern an einem Gebäude der Klosteranlage Benediktbeuern reversible Systeme zur Innendämmung. Noch bis August können weitere Projektpartner einsteigen.

Denkmalgeschützte Gebäude von außen zu dämmen ist aufgrund der baugeschichtlich wertvollen Fassaden selten möglich. Doch auch die Wandoberflächen in den Gebäuden können schützenswert sein, weil sie Aufschluss über die Vergangenheit geben. Auf ihnen liegt oft eine Vielzahl von farbigen, teilweise ornamentalen Anstrichen übereinander. Diese zeigen den jeweiligen Zeitgeschmack, verwendete Materialien und Techniken.

Um solche Gebäude trotzdem energetisch zu verbessern, suchen Wissenschaftler des Fraunhofer IBP in einem Forschungsprojekt des BMWi nach neuen Aufbauten von Innendämmsystemen, so dass die originalen Oberflächen darunter weitestgehend erhalten bleiben und sie prinzipiell rückbaubar sind. Bei der Auswahl der Dämmstoffe verfolgen sie zwei unterschiedliche Ansätze: Zum einen dünne, hocheffizient dämmende Systeme, die das Erscheinungsbild der historischen Gebäude möglichst wenig beeinträchtigen. Zum anderen Materialien aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen, die den vorhandenen historischen Baumaterialien von den Inhaltsstoffen her ähnlich sind. Für die unterschiedlichen Dämmvarianten bewerten die Wissenschaftler neben dem Feuchteverhalten und der Schadensfreiheit, die Energie- und Kosteneffizienz.

Dämmung von innen erfordert wasserabweisende Außenwand

Vor dem Einbau testen die Wissenschaftler die Systeme in hygrothermischen Simulationen mit der Software WUFI, um das Risiko von Schäden an der historischen Bausubstanz möglichst gering zu halten. Für alle untersuchten Materialien ergab die Simulation, dass der Wasseraufnahmekoeffizient (w-Wert) des Außenputzes verringert werden muss, um im Innenraum Schäden an der Oberfläche des Kalkputzes bzw. an den historischen Farben zu vermeiden. Als erforderlicher w-Wert der Außenbeschichtung wurden 0,5 kg/m²h0,5 berechnet. Um die Wasseraufnahme zu senken, ließe sich die Außenwand stärker wasserabweisend beschichten oder ein anderes Putzsystem aufbringen.

Innendämmungen im Vergleich: Weitere Partner gesucht

Als Testobjekt dient die Alte Schäfflerei im Kloster Benediktbeuern. Die verschiedenen Dämmungen können dort im Obergeschoss auf zwölf nebeneinanderliegenden, thermisch getrennten Wandfeldern untersucht werden. Jedes der circa elf Quadratmeter großen Felder umfasst ein Fenster, sodass auch die Anschlussdetails betrachtet werden können. Bereits eingebaut sind

  • Mineraldämmplatten,
  • ein Plattendämmstoff aus Rohrkolben,
  • ein Aerogel-Dämmputz und
  • Aerogelmatten.

Aktuell entwickelt das Team Trockenbaukonstruktionen, die sich mit einer Schüttung, Einblasdämmung oder mit Schilfrohr füllen lassen. Noch bis Ende August sind die Forscher offen für Industriepartner, die sich mit eigenen Produktentwicklungen an dem Projekt beteiligen möchten. Der Einbau aller Systeme ist für Herbst 2014 vorgesehen.

Ein umfangreiches Monitoring der kritischen Stellen in der Konstruktion stellt sicher, dass Schadensrisiken erkannt werden und gegebenenfalls rechtzeitig eingegriffen werden kann. 2016 wird es dann spannend: zum Abschluss des Projekts legen die Forscher die Wandoberflächen wieder frei und untersuchen die Auswirkungen der Dämmung auf den Untergrund.

(dg)

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Fraunhofer IBP