.

News  – Nachrichten aus der Energieforschung

Kurzcharakteristik lesen
Newsletter abonnieren

Privatdozent Thorsten Urbaneck leitet den Bereich Thermische Energiespeicher an der Professur Technische Thermodynamik der Technischen Universität Chemnitz.
© Wolfgang Thieme, TU Chemnitz
BINE-Interview mit Thorsten Urbaneck von der TU Chemnitz
23.04.2014

Wie der Strom- und Kühlenergiebedarf von Rechenzentren kombiniert mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann, erproben Forscher an der TU Chemnitz.
© Thorsten Urbaneck, TU Chemnitz

„Rechenzentren mit erneuerbaren Energien sicher versorgen“

Das Projekt RenewIT erforscht, wie Rechenzentren verstärkt erneuerbare Energien einsetzen können. Dies ist ein wichtiges Ziel für Projektpartner Thorsten Urbaneck, Privatdozent an der Technischen Universität Chemnitz. Denn der Anteil der Rechenzentren am Stromverbrauch in Europa beträgt Schätzungen zufolge zwei Prozent – Tendenz steigend.

BINE Informationsdienst: Herr Urbaneck, mit dem Forschungsprojekt wollen Sie dafür sorgen, dass in Rechenzentren verstärkt erneuerbare Energien eingesetzt werden. Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?

Urbaneck: Eigentlich sehr gut. Verschiedene Prozesse, wie zum Beispiel eine wissenschaftliche Simulation, die oft mehrere Tage dauert, lassen sich leicht verlagern. Wenn also erneuerbare Energie verfügbar ist – das betrifft besonders die Stromversorgung – kann ökologisch und vor allem preiswert gearbeitet werden. Die heute viel diskutierten Überschüsse könnten sinnvoll eingesetzt werden. Deswegen muss es uns gelingen, die IT- und Energiespezialisten unter einen Hut zu bringen.

Rechenzentren können sich zukünftig also zeitlich an das Energieangebot anpassen. Geht das auch räumlich?

Urbaneck: Moderne Techniken lassen auch die Verlagerung von Jobs zu. Eine Vision ist, dass wir Aufgaben in Europa entsprechend dem Aufkommen erneuerbarer Energie verschieben. Dazu entwickeln die IT-Spezialisten aus Barcelona im Projekt ein spezielles Betriebssystem.

Rechenzentren benötigen Strom und Kühlenergie. Wie können diese Energieströme optimiert und verknüpft werden?

Urbaneck: Der Strom wird im Rechenzentrum in Wärme umgewandelt – das ist die energetische Sichtweise. Nun müssen wir diese Wärme mit einem Kühlsystem entsorgen. An dieser Stelle wollen wir erneuerbare Energie einsetzen: zum Beispiel kalte Luft aus der Umgebung oder kaltes Grundwasser. Eine weitere Alternative besteht darin, dass wir die Abwärme zu Heizzwecken einsetzen. Das ist in Nord- und Mitteleuropa besonders interessant.

Ein Resultat Ihrer Forschung soll ein Planungswerkzeug sein, das im Netz frei verfügbar ist. Was soll dieses leisten?

Urbaneck: Wir müssen den IT-Spezialisten Informationen zur Verfügung stellen, damit Entscheidungen in Zukunft besser untermauert sind. In einem Programm lassen sich vielfältige Informationen und komplexe Zusammenhänge besser einbauen. Das können Wetterdaten, Lastprofile, typische Anlagen und so weiter sein. In der frühen Planungsphase kann der Betreiber des Rechenzentrums seine Parameter eingeben und verschiedene Varianten durchspielen. Im Hintergrund läuft eine Simulation und ermittelt die Energieverbräuche, den Anteil erneuerbarer Energie, die geschätzten Kosten und diverse Kennzahlen zur Bewertung.

Die TU Chemnitz hat hohe Kompetenzen im Bereich der Kälteversorgung insbesondere mit Kaltwasser. Sehr erfolgreich war beispielsweise die vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Integration eines großen Kältespeichers in das Chemnitzer Fernkältenetz. An welchen Stellen können Sie diese besonderen Fachkenntnisse einbringen?

Urbaneck: In den letzten Jahren haben wir mehrere Projekte mit großen Kaltwasserspeichern realisieren können. In der Industrie und im kommunalen Bereich hat sich der ökologische Kälteträger Wasser auch wirtschaftlich durchgesetzt. Rechenzentren werden schon heute über Fernkältenetze versorgt, was eine sichere Versorgungslösung ist. In Zukunft arbeiten wir aber mit höheren Temperaturen, um die Gesamteffizienz zu steigern und den Anteil der Erneuerbaren zu erhöhen.

Die Kühlstrategien unterscheiden sich je nach Standort des Rechenzentrums. In Süditalien sind sicherlich andere Lösungen gefragt als beispielsweise in Schweden?

Urbaneck: Damit sprechen Sie einen wesentlichen Punkt an. Oft wird betont, dass die Erneuerbaren zeitlich schwanken und an jedem Ort unterschiedlich verfügbar sind. Jedoch können wir unterschiedliche Techniken nutzen und kombinieren – das wird vollkommen unterschätzt. So haben wir in Südeuropa eine hohe solare Einstrahlung. Diese kommt der Photovoltaik und Solarthermie zu Gute. In Nordeuropa haben wir ein kaltes Klima und die Gebiete für Windkraftanlagen sind unterschiedlich verteilt. Insgesamt muss man die Situation als sehr aussichtsreich einschätzen.

(fm)

Merkzettel

BINE-Abo

Newsletter abonnieren

Adressen

Interviewpartner
TU Chemnitz, PTT