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Fassadendämmung im Vorher-Nachher-Vergleich.
© RWTH Aachen, E.ON ERC
Unerschlossene Einsparpotenziale in der Sanierung
13.08.2012

Dem Rebound-Effekt auf der Spur

Forscher der RWTH Aachen haben über drei Jahre hinweg die Umsetzung eines Quartiers-Energiekonzepts in Karlsruhe untersucht. Eine Auswertung der Messdaten zeigte, dass die theoretischen Einsparpotenziale nach der dortigen Sanierung nicht vollständig erschlossen werden können; es entsteht der sogenannte „Rebound-Effekt“. Ein neues Projekt im Rahmen der Forschungsinitiative „EnEff:Stadt“ soll diesem Phänomen auf den Grund gehen.

Das Phänomen des verringerten Einsparpotenzials wird schon seit längerem unter dem Begriff „Rebound-Effekt" diskutiert. Grund hierfür ist zumeist eine Steigerung des Energiedienstleistungskonsums seitens der Nutzer. Wenn speziell der Energiebedarf von Gebäuden betrachtet wird, findet häufig auch der Begriff „Performance Gap“ oder auch „Performance-Lücke“ Verwendung. Eine detaillierte quantitative Analyse des Rebound-Effekts blieb auf Grund mangelhafter Datengrundlagen bisher aus. Das aktuelle Forschungsprojekt nutzt deshalb bereits vorhandene umfangreiche Messtechnik in Karlsruhe-Rintheim sowie die Simulationsmodelle der Gebäude, um diese Lücke zu schließen. Die Messwerte werden durch Gespräche mit den Mietern und Fragebogenuntersuchungen ergänzt. Mit der detaillierten Betrachtung der Effizienz der Systeme und der Handlungsweise der Mieter soll der Rebound-Effekt in ökonomische, strukturelle und technische Effekte eingeordnet werden: Diese können etwa durch Änderungen des Heizsystems oder Ausweitung der Wohnnutzflächen entstehen.

Durch die Analyse der gemessenen Energieverbräuche der Rintheimer Wohnungen (inkl. der darin gemessenen Innenraumtemperaturen) erschließt sich teilweise der hohe Verbrauch. Denn die Innenraumtemperaturen belaufen sich in manchen Räumen auf bis zu 24 °C. Dieser Umstand ist beispielsweise ein Grund für die Diskrepanz zwischen dem berechneten Bedarf und tatsächlichem Energieverbrauch. Eine Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor führt nicht notwendigerweise zur Minderung des Gesamtenergieverbrauchs und ist damit nur bedingt als Instrument der Energie- und Umweltpolitik geeignet. Ergänzende Maßnahmen sind daher notwendig. Eine Reduzierung der theoretisch zu erwartenden Energieeinsparung durch die sogenannte Performancelücke und den Rebound-Effekt muss in Zukunft bei der Planung der baukonstruktiven und anlagentechnischen Komponenten berücksichtigt werden. Das Forschungsprojekt soll noch bis Anfang 2015 laufen.

Aspekte in Stadtquartieren

Im Rahmen der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsinitiative „Energieeffiziente Stadt“ werden Bewertungskriterien, Konzepte und Planungshilfsmittel für Kommunen, Wohnungs- und Energiewirtschaft erarbeitet und in typischen Stadtquartieren erprobt und überprüft. Das Ziel: eine Reduzierung des Primärenergieeinsatzes im gesamten Quartier um mindestens 30 Prozent.
Das BINE-Projektinfo „Integrales Energiekonzept für ein Wohnquartier“ (01/2010) widmet sich der energetischen Sanierung und nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung des Wohnquartiers in Karlsruhe-Rintheim.

(fr)

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RWTH Aachen, E.ON ERC