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Dr. Andreas Bett, Hansjörg Lerchenmüller und Günther Cramer (v. l) erhielten den diesjährigen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
© Peter Himsel/DBU
DBU-Umweltpreis 2012 für Photovoltaik-Pioniere
29.10.2012

Auszeichnung für Wegbereiter der Photovoltaik

Der Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) wurde gestern zum 20. Mal vergeben. Bundespräsident Joachim Gauck überreichte im Leipziger Gewandhaus den Preis an den Mitbegründer der SMA Solar Technology AG, Günther Cramer, und an die Freiburger Forscher Dr. Andreas Bett vom Fraunhofer ISE und Hansjörg Lerchenmüller von der Soitec Solar GmbH. Die Stiftung will mit den Preisträgern aus dem Photovoltaikbereich angesichts der Krise ein Zeichen setzen.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Preisträger als Exponenten für etwas, was ihn auch stolz auf Deutschland mache: Erfindungsreichtum und Unternehmergeist von Menschen, die das Wünschenswerte in Machbares zu wandeln versuchten. „Es reicht ja nicht aus, wenn wir große Worte wählen und politisch korrekt mehr Nachhaltigkeit wünschen. Sie muss zwar politisch gewollt, aber unternehmerisch gestaltet und dann gesellschaftlich akzeptiert werden.“

Die Freiburger Forscher Dr. Andreas Bett und Hansjörg Lerchenmüller erhielten den Preis für die erfolgreiche Markteinführung der Konzentratorphotovoltaik. Dr. Andreas Bett ist stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und Hansjörg Lerchenmüller ist Geschäftsführer der Soitec Solar GmbH. Die Preisträger setzten mit ihren wegweisenden technischen Entwicklungen und ihrem persönlichem Einsatz in der Photovoltaik weltweit neue Maßstäbe und brachten sie damit global maßgeblich voran, begründete die DBU ihre Auszeichnung.
Günther Cramer erhielt die Auszeichnung für seine Pionierleistungen bei der Entwicklung von Wechselrichtern. Dem Mitbegründer und Aufsichtsratschef von SMA Solar Technology AG gelang, durch konsequentes Fokussieren auf Forschung und Entwicklung, SMA von einem kleinen Ingenieurbüro zum global agierenden Technologie- und Marktführer aufzubauen. Sein Unternehmen zeichne sich durch hochinnovative Solar-Wechselrichter aus. In Photovoltaikanlagen dienen sie dazu, netzkonformen Wechselstrom bereitzustellen.

Steiniger Weg bis zum Erfolg

Gemeinsam gingen die beiden Forscher Bett und Lerchenmüller erfolgreich den weiten Weg von der Vision zum industriellen Produkt. Mit ihrer Konzentratortechnologie, die Sonnenlicht mit hocheffizienten Mehrfach-Solarzellen und speziellen Sammellinsen weitaus wirkungsvoller nutzen kann als herkömmliche Silizium-Module, setzten sie neue Maßstäbe in der Photovoltaik. Im Ergebnis erreiche man mit dieser Technik Modulwirkungsgrade von derzeit etwa 30 Prozent, womit die Energieausbeute rund doppelt so groß ist wie bei der gängigen Technologie. Die beiden Forscher erinnerten in einem Filmbeitrag an die Skepsis, die ihrer technischen Entwicklung zunächst entgegengeschlagen ist: Auf Dächern montierbare Flachmodule hätte es schon gegeben. Erst als sie ihre Technik in die Praxis umsetzen konnten, haben sie demonstrieren können, dass sie die Funktionsfähigkeit „komplett im Griff haben“. Danach habe sich diese Skepsis gelegt. Ausgezahlt hat sich schließlich, dass sie an ihrer Vision festhielten, auch über Sonnenkraftwerke zu einer umweltverträglichen Energieversorgung beizutragen. Zudem erzeugten sie mit ihrer Technologie kostengünstige Energie, als es die bisher vorhandene Photovoltaik-Technologie leisten konnte. Lerchenmüller: „Wir brauchen eine Energiewende global. Und wir tragen direkt zur Energiewende bei, indem wir Kraftwerke in Nordafrika mit unserer Technik installieren und dieser Strom dann nach Europa transformiert wird. In 20 Jahren werden wir Strom mit Modulwirkungsgraden über 40 Prozent definitiv günstiger produzieren als mit allen konventionellen Stromerzeugern.“

Risikofreie Energieversorgung und energetische Insellösungen

Auch Cramer ging in seinem Film auf seine Pionierarbeit ein, die „das Schönste ist, was man überhaupt machen kann“. Geprägt von der Auseinandersetzung um die Kernenergie habe er die klare Position entwickelt, dass eine risikofreie Energieversorgung für Mensch und Umwelt notwendig sei. Getrieben von dem Motto „Seien wir Realisten und versuchen das Unmögliche“ habe er sich als begeisterter Ingenieur der Entwicklung neuer Energieversorgungssysteme gewidmet. „Von konventionell auf erneuerbar umzustellen, das hat man sich damals noch nicht wirklich zugetraut. Wir wollten demonstrieren, dass es geht und wollten, dass es nachgeahmt wird von unseren Kollegen in der Industrie.“ Trotz aller Rückschläge ist es ihm gelungen, den Wirkungsgrad von Wechselrichtern entscheidend zu erhöhen.
Für die Zukunft sei nun wichtig, so Cramer, energetische Insellösungen zu schaffen, über die 1,3 Milliarden Menschen mit elektrischer Energie versorgt werden könnten, die heute keinen Zugang zu Strom und Wasser hätten. Die Technik, die er in den eigenen SMA-Gebäuden anwendet, funktioniere dafür als Modell. Sie könne auch in abgelegenen Gebieten zum Einsatz kommen. Cramer ergänzt: „In Zukunft möchte ich mich gerne darauf konzentrieren, diese Systeme in diesen armen Regionen in Einsatz zu bringen. Das ist deutlich komplizierter als all das, was wir mit der Technik bisher gemacht haben. Aber ich bin mir sicher, dass wir das schaffen werden. Denn es ist die Voraussetzung, dass diese Menschen überhaupt aus ihrer Armutsspirale herauskommen.“

Über den deutschen Umweltpreis

Der Deutsche Umweltpreis der DBU ist mit 500.000 Euro der höchstdotierte Umweltpreis Europas. Mit der Vergabe an die drei Photovoltaik-Pioniere will die DBU angesichts der Krise, in der die Branche derzeit steckt und von der inzwischen auch SMA betroffen ist, ein Zeichen setzen.

(ad)

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Adressen

Die Preisträger des Umweltpreises 2012
Fraunhofer ISE