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Ismaning erschließt seine geothermischen Bodenschätze. Zwei Bohrungen trafen in 2.000 m Tiefe auf Thermalwasser.
© WVI Ismaning
Pumpversuch läuft bis Frühjahr
21.11.2012

Ismaning setzt auf Geothermie

Die bayerische Gemeinde Ismaning gewinnt immer mehr Strom und Wärme aus heimischen Energiequellen. In diesen Tagen beginnt an der neuen Geothermieanlage der mehrmonatige Pump- und Injektionsversuch. Die beiden Bohrungen fördern aus einer Tiefe von rund 2.000 Metern mehr heißes Wasser als ursprünglich vermutet. Der Testbetrieb der geothermischen Wärmeversorgung beginnt.

Die Wärmeversorgung Ismaning (WVI) kann mit dem Jahr 2012 sehr zufrieden sein. WVI-Geschäftsführer Andreas Hobmeier erläutert: „Wir liegen mit den Arbeiten voll im Zeitplan und im Budget. Vor allem bin ich froh, dass die Arbeiten unfallfrei verlaufen sind.“ Bereits im September standen die Ergebnisse der beiden Bohrungen fest und sie können sich sehen lassen: Die Temperatur des geförderten Warmwassers liegt aktuell bei 75 °C und die Förderrate bei mindestens 85 l/s. Wenn sich die Werte auf Dauer bestätigen, wäre eine thermische Leistung von 7 bis 8 MW in Ismaning möglich.

Nur eineinhalb Jahre nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates für die Tiefengeothermie und nach nur 100 Bohrtagen läuft nun bis zum Frühjahr 2013 der Langzeitpump- und Injektionsversuch. „Wir wollen mit diesen Untersuchungen die endgültigen Leistungsdaten der Bohrungen bestimmen. Auf dieser Basis können wir dann eine fundierte Entscheidung treffen, wie die Förderpumpe zu dimensionieren ist,“ betont Hobmeier. Pumpen sind eine Schlüsselkomponente für die Langzeitstabilität von Geothermieanlagen und deren wirtschaftlichen Erfolg. Der Test bildet die Grundlage für die Genehmigung der zukünftigen Wärmenutzung.

Derzeit hält die WVI einen Gaskessel mit einer Leistung von 5 MW als Back-up-System einsatzbereit. Im kommenden Frühjahr wird dann neben den Bohrstellen die reguläre Wärmezentrale mit dem Wärmetauscher für das geförderte Thermalwasser gebaut. In diesem Gebäude werden dann bei Bedarf modular weitere Gaskessel für den Spitzenbedarf an Wärme und die Versorgungssicherheit in Ismaning untergebracht.

Die Wärmenetze in Ismaning wachsen zusammen

Im kommenden Jahr folgen weitere 6 km Fernwärmetrasse. Bis zum Jahr 2020 ist geplant, das Wärmenetz in Ismaning auf 50 km auszubauen. Die bis dato existierenden drei Fernwärme-Inseln in einzelnen Wohngebieten wachsen dann zu einem gesamtstädtischen Netz zusammen. Zukünftig kann die Fernwärmeversorgung bis zu 80 Prozent der Haushalte versorgen. Dabei stammen voraussichtlich etwa 25 bis 30 Prozent des Wärmebedarfs aus der Tiefengeothermie.

Der Ausbau der geothermischen Wärme in Ismaning findet im Rahmen eines lokalen Energiekonzepts statt. Es ist geplant, bis zum Jahr 2030 den Beitrag auch der verschiedenen Formen der Bio- und Solarenergie, der Kraft-Wärme-Kopplung sowie der Windenergie zu erhöhen. Energiepolitisch verfolgt die Gemeinde dabei folgende Ziele:

  • Wirtschaftlichkeit
  • Versorgung aus kommunaler Hand
  • Möglichst hoher Anteil eigener Energieerzeugung und Wertschöpfung vor Ort
  • Stabile Preise für Kunden

Das Projekt Ismaning wird wissenschaftlich durch die Förderinitiativen EnEff:Wärme und EnEff:Stadt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie begleitet und auf dem gleichnamigen Forschungsportal detailliert dokumentiert.

Mehr vom BINE Informationsdienst

Informationen zur geothermischen Energieerzeugung im bayerischen Voralpenland und der Anlage in Unterhaching bietet das BINE-Projektinfo „Geothermische Stromerzeugung im Verbund mit Wärmenetz“ (10/2009).
Einen umfassenden Einblick in die Tiefengeothermie in Deutschland gibt das neue BINE-Fachbuch „Geothermie – Energie aus dem Innern der Erde“. Das Fachbuch erschien im Sommer 2012 und ist über den Buchhandel erhältlich.

(mi)

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Standortpotenziale tiefer und oberflächennaher Geothermie