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News  – Nachrichten aus der Energieforschung

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Ein Luftbild der Baustelle des Energiebunkers im Herbst 2012 vor Beginn der Montage der Solarhülle.
© Aufwind-Luftbilder
IBA Hamburg 2013
18.03.2013

Im Februar 2013 begann die Montage der PV-Module auf der Südseite des Energiebunkers.
© Martin Kunze, IBA Hamburg

Das Kernstück der Energiezentrale ist der Wärmespeicher – ein Stahlbehälter mit alukaschierter Wärmedämmung.
© Martin Kunze, IBA Hamburg

Die Solarthermieanlage besteht aus Röhrenkollektoren des Herstellers Ritter Solar.
© Martin Kunze, IBA Hamburg

In 47 Meter Höhe ist die Solarthermieanlage angebracht. Der Blick reicht über die Hamburger City und den Hamburger Hafen, rechts ragt der Schornstein der Energiezentrale empor.
© Martin Kunze, IBA Hamburg

Die Energiezentrale liegt im Kellergeschoss des Energiebunkers.
© Martin Kunze, IBA Hamburg

Flakbunker wird Energiespeicher

Der ehemalige Flakbunker in Hamburg-Wilhelmsburg wird ein Symbol des Klimaschutzes. Das seit Kriegsende kaum genutzte Monument wird zu einem regenerativen Kraftwerk mit Großwärmespeicher. Es versorgt das Reiherstiegviertel mit Wärme und speist erneuerbaren Strom in das Hamburger Verteilnetz ein.

Der Flakbunker an der Neuhöfer Straße in Hamburg-Wilhelmsburg wurde 1943 errichtet. Viele Tausende Menschen suchten in den zwei Flakbunkerpaaren in Wilhelmsburg und auf St. Pauli Schutz vor den alliierten Luftangriffen. Gleichzeitig war der Bunker mit seinen Flaktürmen Teil der deutschen Kriegsmaschinerie. Im Jahr 1947 wurde das Gebäude von der britischen Armee durch eine gezielte Sprengung im Inneren völlig zerstört.

Nun ist das einsturzgefährdete Gebäude im Rahmen der IBA Hamburg saniert und als Mahnmal gesichert worden. Die Geschichte des Bunkers und der damaligen Bewohner des Reiherstiegviertels wird in einer Ausstellung im und am Gebäude dokumentiert. Ein Besuch ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich.

Mit dem Café Vju und der Terrasse in 30 Meter Höhe bietet das Gebäude einen einzigartigen Blick über Hamburg und den Hamburger Hafen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 27 Millionen Euro, wovon 11,7 Millionen Euro auf die Technik und das Wärmenetz entfallen.

Energiebunker vernetzt intelligent Wärmeerzeuger

Den Energiebunker charakterisiert vor allem die Solarhülle auf dem Dach und an der Südseite des Bauwerks. Mit einer intelligenten Verknüpfung der Energieerzeugung aus Solarenergie, Biogas, Holzhackschnitzeln und industrieller Abwärme soll er zukünftig einen Großteil des nahen Reiherstiegviertels mit Wärme versorgen und gleichzeitig erneuerbaren Strom in das öffentliche Netz einspeisen. Im Endausbau wird der Energiebunker circa 22.500 Megawattstunden Wärme und fast 3.000 Megawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem Wärmebedarf von circa 3.000 Haushalten und dem Strombedarf von etwa 1.000 Haushalten. Damit wird eine CO2-Einsparung von 95 Prozent erreicht, das sind circa 6.600 Tonnen CO2 im Jahr.

IBA-Projektleiter Karsten Wessel sagt: „Der Energiebunker ist ein Schlüsselprojekt der IBA Hamburg für das Klimaschutzkonzept Erneuerbares Wilhelmsburg. Erneuerbarer Strom und erneuerbare Wärme wird im Stadtquartier erzeugt. Das Herz der Energiezentrale ist der große Wärmespeicher mit 2.000 m³, der die Tagesspitzen im Wärmenetz abpuffert.“ Er wird durch die Wärme eines biomethanbefeuerten Blockheizkraftwerks, einer Holzfeuerungsanlage und einer solarthermischen Anlage sowie aus der Abwärme eines Industriebetriebes gespeist. Aufgrund der Pufferwirkung des Speichers wird eine starke Reduktion der zu installierenden thermischen Erzeugerleistung von 11 auf 6,5 Megawatt erzielt und der wirtschaftliche Einsatz erneuerbarer Energien innerhalb des Wärmeversorgungskonzeptes ermöglicht.

„Das Konzept ist weltweit einmalig – an ihm können Erkenntnisse über die Praxistauglichkeit der eingesetzten Regel- und Hydrauliktechnologien gesammelt werden“, meint Wessels. Dazu wird dieses Konzept durch die Forschungsprojekte EnEff:Stadt, IBA Hamburg und Smart Power Hamburg wissenschaftlich begleitet. Im Speicher könnte zukünftig überschüssiger Windstrom aus Norddeutschland in Wärme umgewandelt werden. In windschwachen und sonnenarmen Zeiten stellt ein zusätzliches Blockheizkraftwerk die Stromversorgung sicher. Dessen Abwärme wird vom Speicher aufgenommen.

Energiezukunft erblicken

In einem der Flaktürme ist das Café Vju mit einer besonderen Aussichtsterrasse eingerichtet worden: Die um das gesamte Gebäude herumlaufende Kragplatte in 30 Meter Höhe erlaubt einen 360-Grad-Blick über Hamburg. Das Café und eine Ausstellung zur Geschichte des Bunkers werden am 23. März 2013 offiziell eröffnet.

Im Rahmen der Forschungsinitiative EnEff:Stadt des Bundeswirtschaftsministeriums werden ausgewählte Gebäudekonzepte und Energieversorgungssysteme der IBA Hamburg umfassend evaluiert. Bestandteil dieses Monitorings sind auch der „Energiebunker“, der „Energieberg Georgswerder“, der „Energieverbund Wilhelmsburg Mitte“ und das Nahwärmenetz „Neue Hamburger Terrassen“. Nähere Informationen dazu finden sich auf der Website von EnEff:Stadt.

(fr)

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