.

News  – Nachrichten aus der Energieforschung

Kurzcharakteristik lesen

Die Außenfassade des Hallenbads Bambados
© Stadtwerke Bamberg
BINE-Interview über ein Hallenbad im Passivhausstandard
28.03.2012

Die Überlaufrinne des Hallenbads wird auch Bamberger Rinne genannt.
© Stadtwerke Bamberg

Ein Spaßbad schlägt hohe Wellen

Im oberfränkischen Bamberg hat im November 2011 das Schwimmbad „Bambados“ – ein Spaßbad im Passivhausstandard – eröffnet. Anfang April 2012 startet das Monitoring. Ob sich das Konzept bewährt und ob die geplanten Energieeinsparungen auch in der Realität erreichbar sind, werden  die Messungen zeigen. Im BINE-Interview geht Esther Gollwitzer vom Passivhaus Institut (PHI) auf das Konzept des neuen Spaßbades ein und zieht ein erstes Resümee.

BINE Informationsdienst: Das Bambados ist eines von zwei Passivhausbädern in Deutschland. Was unterscheidet das Bambados von anderen Hallenbädern?

Gollwitzer: Der ganzheitliche Ansatz! Das Passivhauskonzept zeichnet sich dadurch aus, dass alle Energieverbräuche des Gebäudes betrachtet werden. Dadurch wird es möglich, Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Energiebedarf an einer Stelle und Energiegewinnen an anderer Stelle zu erkennen, um die Energieströme zu optimieren. Unter Umständen kann eine Maßnahme zwar den unmittelbaren Energiebedarf eines Teilbereichs erhöhen, führt aber insgesamt zu einer Reduzierung.

Hallenbäder sind bekanntlich Energiefresser. Große Badelandschaften wollen Karibik-Atmosphäre bieten und müssen ganzjährig beheizt werden. Dabei könnten Passivhaushallenbäder sehr viel Energie einsparen. Welche baulichen Maßnahmen zeichnet solch ein Passivhaushallenbad aus?

Gollwitzer: Wichtig sind folgende Maßnahmen: eine thermisch hochwertige Gebäudehülle mit Passivhauskomponenten, Kompaktheit des Gebäudes mit Orientierung nach Süden und Integration der Rutschenanlage ins Gebäude, Lüftungsgeräte mit hohem Wärmebereitstellungsgrad und Fortluftwärmepumpe sowie effektive Pumpen, die optimal an die unterschiedlichen Betriebspunkte für die Badewasseraufbereitung angepasst sind. Gut gedämmte Leitungen minimieren die Verteilverluste. Allerdings endet das Passivhauskonzept nicht mit dem Bau, sondern beinhaltet ebenso die Betriebsweise und die Steuerung – gerade bei einem komplexen Gebäudetyp, wie dem eines Hallenbads.

Um Heizenergie zu sparen, ist für das Schwimmbad geplant, die Luftfeuchtigkeit auf bis zu 64 Prozent zu erhöhen. Hierdurch kann der Luftwechsel reduziert und die Energieverluste vermindert werden. Welche Voraussetzungen sind hierfür notwendig?

Gollwitzer: Grundvoraussetzung sind hohe Oberflächentemperaturen der Außenbauteile. Erreicht wird das durch eine thermisch hochwertige Gebäudehülle und konsequente Vermeidung von Wärmebrücken. Die Passivhaushülle spart dann gleich vierfach Energie: erstens werden die Transmissionsverluste gesenkt, zweitens wird durch die hohen Oberflächentemperaturen kein Umluftanteil mehr benötigt. Dies senkt den Strombedarf. Drittens kann eine höhere Luftfeuchtigkeit in der Halle gefahren werden, ohne dass es zur Kondensation an den Außenoberflächen kommt, heißt also die Entfeuchtungsleistung wird reduziert und damit wiederum der Strombedarf und die Lüftungsverluste. Viertens wird durch die geringere Verdunstung dem Beckenwasser weniger Energie entzogen.

Ist eine höhere Luftfeuchtigkeit unbehaglicher für Besucher?

Gollwitzer: Das Passivhaus zeichnet sich durch eine besonders hohe Behaglichkeit aus. Hohe Oberflächentemperaturen, geringe Temperaturasymmetrien und geringe Luftströmungen sind gerade für leicht bekleidete Badegäste angenehm. Genauso soll im Betrieb die Feuchtigkeit im Hinblick auf Energieeinsparung und Behaglichkeit optimiert werden. Dabei ist zu beachten, dass trockenes, leicht bekleidetes Personal sich bei kühlerem, trocknerem Klima wohler fühlt, nasse Badegäste hingegen bei wärmerem, feuchterem Klima.

Neben der Heizenergie für behagliche Raumtemperaturen ist ein weiterer großer Energieverbraucher, das Bade- und Duschwasser. Wie wird der Verbrauch des Warmwassers reduziert?

Gollwitzer: Durch eine erhöhte Hallenfeuchte reduziert sich die Beckenwasserverdunstung, das spart eine ganze Menge Heizenergie. Nachts wird durch das Absenken des Wasserspiegels (die Überlaufrinnen sind dann ausgeschaltet) die Verdunstung zusätzlich reduziert. Die speziell entwickelte Überlaufrinne, die Bamberger Rinne, wurde in diesem Schwimmbad eingesetzt. Ob diese zu einer signifikanten Einsparung – auf den Energieverbrauch des gesamten Gebäudes gesehen – führt, muss sich noch zeigen. Weitere Maßnahmen: Durch die Spülwasseraufbereitung wird 70 Prozent des Schlammwassers wieder verwendbar. Für die Duschen wurden Armaturen mit geringen Durchflussmengen montiert.

Seit November 2011 ist das Bambados für Besucher geöffnet und in Kürze startet das Monitoring, welches über zwei Jahre läuft. Welche Aufgaben wird es erfüllen?

Gollwitzer: Das Bambados ist ein Pilotprojekt, in dem eine Reihe von Energiesparmaßnahmen erstmals umgesetzt wurden; diese müssen sich jetzt in der Praxis bewähren. Die messtechnische Erfassung aller relevanten Energieströme, die Auswertung der Messungen und die Ableitung von Empfehlungen ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Forschungsprojektes und soll eine wertvolle Hilfestellung für zukünftige Projekte geben. Es werden Tests zur Behaglichkeit und Luftqualität durchgeführt und die statischen sowie dynamischen Rechenverfahren validiert. Weiterhin ist das Monitoring ganz entscheidend für die Betriebsoptimierung und wäre demnach eigentlich in jedem Hallenbad hilfreich. Es wird also eine spannende Sache.

In Lünen wurde 2011 ebenfalls ein Passivhaus-Bad eröffnet. Welche Strategien wurden dort angewandt, um die gesetzten Ziele zu erreichen?

Gollwitzer: Das Lippebad wurde mit dem gleichen Konzept wie das Bambados geplant. Erwähnenswert ist hier noch die Optimierung des Blockheizkraftwerkes, bei dem durch eine Brennwertnutzung des BHKW-Abgases Wärme für das Bad nutzbar wird. Beim Monitoring werden sogar Besucherströme bzw. der Aufenthalt im Becken erfasst.

Was ist für die Zukunft geplant?

Gollwitzer: Wir wollen Richtwerte für Hallenbäder ermitteln, mit Hilfe derer man die Energieverbräuche eines Bades messen kann. Ganz wichtig dabei sind geeignete Bezugsgrößen. Als Beispiel: der Gesamtstromverbrauch eines Bades lässt sich schwer mit dem eines anderen Bades vergleichen, da die Angebote sehr unterschiedlich sein können. Besser wäre dafür eine Angabe, wie viel Strom die Badewasseraufbereitung benötigt, angegeben in kWh/m3 Nennvolumen. Leider sind das Werte, an die wir bei bestehenden Bädern schwer herankommen.

Was ist relevant für die Umsetzung des Passivhauskonzeptes?

Gollwitzer: Die Investitions- und Betriebskosten müssen gemeinsam betrachtet werden. Es ist sehr hilfreich, wenn Bauherren ebenfalls diese Betrachtungsweise haben können.
Grundlegend, sehr wichtig und immer wieder unterschätzt ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Planer und Gewerke. Ich bin der Meinung, dass es sich lohnt hierfür im Vorfeld Gedanken, Zeit und Geld einzuplanen, um nicht nur von einer integralen Planung zu reden, sondern mit innovativen Arbeitsmethoden in die Tat umzusetzen und Anreize für alle Beteiligten zu schaffen.

Zum Forschungsprojekt

Das Passivhaus-Schwimmbad „Bambados” kostete rund 32 Millionen Euro und wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), der Regierung von Oberfranken sowie dem Bayrischen Umweltministerium gefördert.

Das neue Sport- und Freizeitbad in Bamberg ist ein EnOB-Modellprojekt. Die Forscher werden im laufenden Badebetrieb genau untersuchen, ob das Gebäude tatsächlich so gut funktioniert wie geplant. Weitere Informationen zum Gebäudekonzept und in Kürze auch erste Betriebsergebnisse finden sich unter www.enob.info.

(mm)

Merkzettel