.
 

Abb.7: Energiekennwerte bezogen auf NGF beheizt (NGF inklusive Sozialräume).
© BINE Informatiosndienst

Abb.8: Thermischer Komfort im Komfortdiagramm nach EN 15251
© Fraunhofer ISE

Planung und Umsetzung

Das Gebäude- und Energiekonzept wurde im Fraunhofer ISE in enger Abstimmung mit dem Bauherrn entwickelt. Auch die Firmen für die Erdsonden und die Kühldecken waren schon in einer frühen Phase eingebunden. Für die Baumaßnahme wurde ein Generalunternehmer beauftragt. Aufgrund dieser Schnittstelle wurde viel der geplanten energetischen Qualität eingebüßt – die Umsetzung entspricht in etlichen Teilbereichen nicht mehr den Eckdaten, von denen man in der Planungsphase ausgegangen war. Deshalb sind die tatsächlich erreichten Energiekennwerte zwar für einen sanierten Altbau sehr gut, erfüllen aber die ursprünglichen Ziele nicht. Da das Gebäude fast ausschließlich über Abwärme der Druckerei beheizt und über Umweltenergie (Erdkälte und freie Nachtlüftung) gekühlt werden sollte, würde Energie allein für die Energieverteilung benötigt. Beide Niedrigexergie-Systeme funktionieren allerdings nicht wie geplant. Das intensive Monitoring half entscheidend dabei, Fehler aufzudecken und Verbesserungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Heizung

Der Wärmerückgewinnungsgrad der Lüftungsanlage ist mit 60% deutlich kleiner als in der Planung angenommen (85%). Um im Winter eine ausreichend hohe Zulufttemperatur zu gewährleisten, war es notwendig, ein Nachheizregister nachzurüsten. Durch eine Unterdimensionierung der Fußbodenheizung kann die Abwärme aus der Produktion nicht in dem Maße genutzt werden wie geplant: sie erreicht nur 7 statt 18 kWh/m²a. In der nächsten Ausbaustufe sollen die Erdsonden im Winter als Wärmequelle für eine Wärmepumpe genutzt werden und so den vorhandenen Heizkessel ersetzen. Das verbessert auch die Voraussetzungen für die Nutzung des Erdreichs zur Kühlung im Sommer, weil die Erdtemperaturen sinken.

Kühlung

Hohe Druckverluste in der Hauptverteilung – und damit verbunden eine teilweise unzureichende Durchströmung der Kühlsegel – vermindern die Effektivität der regenerativen Kühlung. Ursache hierfür ist eine falsche Ausführung der Hydraulik in der Kälteverteilung. Dazu kommt, dass die Temperatur im Erdreich höher liegt als in der Planung angenommen. Weil die Kühlleistung hinter den Planungszielen zurückfällt und zudem eine zu große Umwälzpumpe im Einsatz ist, erreichte die Jahresarbeitszahl der Anlage statt geplanter 8 kWhth/kWhel in 2007 nur 2,7 kWhth/kWhel. Die Kühlleistung fließt primär in die Deckenkühlpaneele, die Kapillarrohrmatten im EG kommen kaum zum Einsatz. Für die Sommerperiode 2008 wurde die Hydraulik der Kälteanlage umgebaut, was die Jahresarbeitszahl auf 3,3 kWhth/kWhel verbessert hat. Mit dem halb-automatischen Sonnenschutzbetrieb sind die Nutzer zufrieden. Die solaren  Wärmelasten entsprechen den Planungswerten. 2006 gab es keine freie Nachtlüftung, da die geöffneten Glaslamellenfenster mit dem Sonnenschutz kollidierten. Dieses Problem wurde inzwischen durch einen zusätzlichen Positionssensor für den Sonnenschutz gelöst.

Lüftung

Die energetischen Zielwerte für die Lüftung werden verfehlt, weil diese für einen Mindestluftwechsel ausgelegt war und nun nicht entsprechend betrieben wird. Außerdem haben die eingebauten Ventilatoren eine schlechtere Effizienzklasse als geplant.

Komfort

Das zentrale Anliegen, nämlich Arbeitsplätze mit zeitgemäßem Komfort zu schaffen, wurde erreicht: die gemessenen Innenraumtemperaturen entsprechen den Anforderungen an neue Gebäude und Sanierungsprojekte. Komfortklasse B wird eingehalten und an weniger als 5% der Anwesenheitszeit  überschritten. Auch die Tageslichtsituation hat sich entscheidend verbessert.

 

Adressen

Bauherr/Projektadresse
E & B Engelhardt & Bauer

Energiekonzept
Fraunhofer ISE

Links

Projektpräsentation der
Forschungsinitiative EnOB

Unsere Buchempfehlung

Altbau sanieren - Energie sparen

24.80 €