Tiefer Erdwärme auf der Spur
An vielen Orten in Deutschland stellt die tiefe Erdwärme für die Strom- und Wärmeversorgung eine klima- und umweltfreundliche Alternative zu fossilen Energieträgern dar. Bei der Nutzung dieser geothermischen Ressourcen ist die Bohrung der teuerste Teil. Nur wenn man genügend hohe Wassertemperaturen und -fließraten antrifft, kann eine Wärme- und Stromgewinnung auch wirtschaftlich betrieben werden. Über das Informationssystem GeotIS im Internet erhalten Planer nun einen schnellen Zugang zu geologischen und geophysikalischen Daten aus Deutschland.
In Deutschland werden geowissenschaftliche Daten von den geologischen Diensten der Bundesländer verwaltet. Die Daten von Tausenden von Bohrungen der Erdöl- und Erdgasindustrie in Deutschland liegen bei den Unternehmen und sind aus kommerziellen Gründen kaum veröffentlicht worden. Die Nutzung dieser wertvollen Datenbestände kann dazu beitragen, das Fündigkeitsrisiko von Tiefbohrungen genauer einschätzen zu können und die Erfolgswahrscheinlichkeit von Geothermieprojekten zu erhöhen.
Daher ist das Ziel des Geothermischen Informationssystems (GeotIS), diese Datenbestände zu erfassen, auszuwerten und in eine für Geothermieprojekte nutzbare Form aufzubereiten. GeotIS stellt Interessierten, wie Planern, Investoren, Verwaltungen und Versicherungen, im Internet diese Daten als digitalen Geothermie-Atlas zur Verfügung, um die grundsätzliche Beurteilung eines Standortes zu erleichtern.
Der Datenbestand umfasst derzeit überwiegend Regionen, die schon geothermisch genutzt werden, wie das süddeutsche Molassebecken (geographisch das Gebiet zwischen Donau und Alpen), der berrheingraben und das Norddeutsche Becken. Regionale Erweiterungen sind geplant. GeotIS liefert umfangreiche Daten über den Untergrund, wie Tiefenlage von Gesteinsschichten, Art und Durchlässigkeit von Gesteinen, Temperatur und Strukturen. Weiterhin werden die Betriebsdaten von geothermischen Anlagen aufgezeigt, wie die Wärme- und Stromerzeugung, Temperaturen, Fließmengen und Fördertiefe.
Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover koordiniert und leitet GeotIS. Daten für den Aufbau von GeotIS liefern die staatlichen geologischen Dienste, die Freie Universität Berlin und die Geothermie Neubrandenburg GmbH. Die Mitgliedsfirmen des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (W.E.G.) stellen erstmalig in großem Umfang Daten aus früheren Erdöl- oder Erdgasbohrungen zur Verfügung und begleiten den inhaltlichen Aufbau des Informationssystems. Auch Daten von geologischen Diensten benachbarter Länder fließen in GeotIS ein. Das Bureau de Recherches Géologiques de Minières hat die Ergebnisse von 104 Bohrungen aus dem französischen Teil des Oberrheingrabens zur Verfügung gestellt. Ein ähnlicher Datenaustausch findet für den Südwesten auch mit der Schweiz statt.
Adressen
Projektkoordination und Portal GeotIS
LIAG
Projektpartner Teilgebiet Bayern
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Projektpartner Teilgebiet Baden-Württemberg
Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung Umwelt
Projektpartner Teilgebiet Nordostdeutschland
Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG)
Projektpartner Teilgebiet Nordwestdeutschland
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
Wissenschaftliche Begleitung
GTN
Wissenschaftliche Begleitung
Freie Universität Berlin, Arbeitsgruppe Hydrogeologie

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