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Abb. 1: In Unterhaching ging die erste Kalina-Anlage zur Stromerzeugung in der EU in Betrieb. Im Gebäude des geothermischen Kraftwerks befindet sich auch die Förderpumpe für das Thermalwasser sowie die oberirdische Anlage mit den Plattenwärmetauschern für das Wärmenetz.
© Geothermie Unterhaching
Erstes europäisches Kraftwerk mit Kalina-Verfahren
Projektinfo 10/2009
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Geothermische Stromerzeugung im Verbund mit Wärmenetz

Die Region zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb und dem Nordrand der Alpen, bekannt auch als süddeutsches Molassebecken, verfügt über große Erdwärmeressourcen (Geothermie). Dank der in einer Tiefe von 1.500 bis 5.000 m zu findenden Warmwasservorkommen gibt es hier seit  Jahrzehnten viele Kurorte mit Thermalbädern. In den letzten Jahren haben bereits einige Gemeinden begonnen, die Geothermie in ihre örtliche Wärmeversorgung zu integrieren.

Die Gemeinde Unterhaching, südlich von München gelegen, nutzt bereits seit 2007 diese Geothermievorkommen in einem kommunalen Wärmenetz. Im Frühjahr 2009 ging hier das erste geothermische Kraftwerk in Süddeutschland in Betrieb. Zehn Jahre zuvor hatte die Gemeinde mit einem Energiekonzept begonnen und als ersten Schritt einen Wärmeatlas erstellen lassen. Hieraus entwickelte sich der Plan, bis 2015 mindestens 50% des örtlichen Energiebedarfs durch effizientere Systeme zu decken. 2001 entschied sich der Gemeinderat für den Bau einer Geothermieanlage. Zwei Bohrungen fanden in Unterhaching ergiebige Warmwasservorkommen mit mehr als 120 °C. Das ursprüngliche Nutzungskonzept hatte eine stromgeführte Betriebsweise vorgesehen, d. h., die Erdwärme sollte in erster Linie zur Stromerzeugung und anschließend zur Wärmeversorgung kommunaler Gebäude eingesetzt werden.

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Motiviert durch die zwischenzeitlich stark gestiegenen Preise für fossile Energieträger und die unerwartet hohen Temperaturen und Förderraten des Thermalwassers, wurde im Projektverlauf die Priorität auf eine flächendeckende Wärmeversorgung der Kommune verlagert. So entstand ein neues Fernwärmenetz, das derzeit bereits 25% des örtlichen Bedarfs abdeckt und weiter ausgebaut wird. Nur die nicht benötigte Wärme wird in einem Kraftwerk verstromt, das speziell für Niedertemperaturwärme ausgelegt ist. Erstmals in der EU wurde dabei im Kraftwerksprozess ein Stoffgemisch aus Wasser und Ammoniak als Arbeitsmedium eingesetzt (Kalina-Verfahren). Auch im Projektmanagement, z. B. bei den Themen Fündigkeitsversicherung, Bohrverträgen und Tarifgestaltung für die Fernwärmekunden, wurden Musterlösungen gefunden, die ähnliche Vorhaben andernorts erleichtern können. Die geologische Erkundung und die Erprobung einer Kalina-Anlage wurden durch das Bundesumweltministerium (BMU) gefördert.

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Adressen

Geotechnologische Beratung
Geothermie Neubrandenburg GmbH

Kalina-Anlage
Siemens AG

Geophysikalische Grundlagen
LIAG

Downloads

Bericht der Bundesregierung
(PDF, 31 Seiten, 285 kB)

Flyer Geothermie Unterhaching
(PDF, 2 Seiten, 372 kB)

Präsentation Unterhaching
(PDF, 23 Seiten, 1,4 MB)

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