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Klimaneutrale Konzepte auf der BAU 2011
25.01.2011
 

Jochen Homann, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, besucht ein »Gebäude der Zukunft«. Die Hochschule Rosenheim belegte mit diesem experimentellen Plusenergiegebäude den zweiten Platz im internationalen Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe 2010.
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Die Forschungsinitiative EnOB präsentierte die deutschen Beiträge im Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe auf der BAU 2011
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Beim EnOB-Forschungssymposium zeigten mehr als 300 Teilnehmer Interesse an neuen Konzepten, Entwicklungen und Planungsmethoden für »Gebäude der Zukunft«
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Prof. Manfred Hegger (HHS, TU Darmstadt), Prof. Dirk Müller (E.ON Energy Research Center), Prof. Jürgen Schmid (Fraunhofer IWES), Klaus Preiser (Badenova) und Dr. Knut Kübler (BMWi) diskutierten die Frage, ob das „Nur-Strom-Gebäude“ ein Zukunftsmodell ist. Moderation: Johannes Lang, BINE Informationsdienst.
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Gebäude der Zukunft in München

Letzten Samstag endete in München die BAU 2011. Klarer Schwerpunkt waren in diesem Jahr Konzepte und Lösungen für nachhaltige und klimaneutrale Gebäude. Dies gilt sowohl für die eigentliche Messe als auch für das umfangreiche Rahmenprogramm. So stellte die Forschungsinitiative EnOB am 18. und 19. Januar 2011 in einem Forschungssymposium neue Konzepte, Methoden und Modellprojekte aus der Forschung vor. Ein Highlight war hierbei sicherlich die Präsentation von richtungsweisenden Gebäudeprototypen aus dem europäischen Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe. Das bestplatzierte deutsche Gebäude aus Rosenheim war auch in natura zu besichtigen – und für viele Messebesucher ein Ort zum Staunen und Nachdenken zugleich.

Immer frischer, ja frostiger wurde das Wetter in München im Verlauf der BAU 2011. Trotzdem fanden viele Besucher den Weg nach draußen. Denn auf der Freifläche war ein kleines, hochinteressantes Haus aufgebaut. Es konnte beim Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe einen beachtlichen zweiten Platz erringen (wir berichteten) und demonstriert, welche neuen Möglichkeiten Forschung und Innovation für die Gebäude der Zukunft eröffnen. Von der beweglichen und versenkbaren Zackenfassade bis zu den flexibel in einem Deckenraster steckbaren LED-Leuchten („Plugit“) steckt das anmutige Haus voller Innovationen.

»Gebäude der Zukunft«

Am ersten Veranstaltungstag des Forschungssymposiums (18. 1.) wurden den mehr als 300 Teilnehmern Einblicke geboten in neue Konzepte, Entwicklungen und Planungsmethoden für »Gebäude der Zukunft«. So wurden Strategien für mehr Nutzerkomfort und optimierte Betriebsführung, eine neue Methodik zur ganzheitlichen Wirtschaftlichkeitsanalyse, aktuelle Trends in der Gebäude- und Anlagensimulation sowie neue Bauteile und Systeme für Gebäude vorgestellt.

Keynote aus Brüssel

In einer Abendveranstaltung referierte Dr. Stefan Tostmann von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission über „Forschungstrends für energieeffiziente Gebäude und Städte im europäischen Kontext“. Herr Tostmann skizzierte im wohltuend folienfreien Vortrag die gewaltigen energiepolitischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte und machte dabei vor allem eines klar: Ohne die engagierte Mitarbeit von Architekten und Planern sowie der Bauherren und Investoren sind alle politisch gesetzten Effizienzziele zum Scheitern verurteilt.

Architektonischer Zehnkampf

Am zweiten Tag (19. 1.) präsentierten Hochschulteams aus Berlin, Rosenheim, Stuttgart und Wuppertal ihre Wohnhausprojekte, mit denen sie sehr erfolgreich am diesjährigen Solar Decathlon Europe in Madrid teilgenommen hatten. Dieser europaweite Wettbewerb ist als architektonischer Zehnkampf konzipiert und zielt auf die Errichtung von Nullenergie- und Plusenergiegebäuden ab. In seiner Laudatio würdigte Prof. Manfred Hegger (TU Darmstadt) die hervorragenden Leistungen der Teams und im Einzelnen die Ergebnisse in den Teildisziplinen Architektur, Gebäudetechnik, Komfort und Nachhaltigkeit. 2012 wird der Wettbewerb in seine zweite Runde gehen. Seit kurzem steht fest, dass sich zwanzig Hochschulen aus fünfzehn Ländern qualifizieren konnten. Darunter sind zwei deutsche Hochschulen: Studierende der Hochschule Konstanz und der RWTH Aachen werden sich 2012 in Madrid im architektonischer Zehnkampf messen. Die Kurzpräsentation der beiden Projekte im Rahmen dieser Veranstaltung konnte bereits verdeutlichen, dass im kommenden Jahr neue Schwerpunkte und spannende Gebäudekonzepte zu erwarten sind.

All-Electrical-World?

Die experimentellen Wohngebäude im Wettbewerb Solar Decathlon Europe brauchen extrem wenig Energie. So können sie allein über die Sonne mit Strom und Wärme versorgt werden. Für den gebäudeübergreifenden Energieaustausch setzt man hier allein auf den Energieträger Strom – fossile Energieträger und Wärmenetze werden nicht mehr gebraucht. Doch sind solche „Nur-Strom-Gebäude“ auch ein Modell für unsere Städte? Das sollte mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion geklärt werden: Unter der Moderation von Johannes Lang (BINE Informationsdienst) diskutierten Prof. Manfred Hegger (HHS, TU Darmstadt), Prof. Dirk Müller (E.ON Energy Research Center), Prof. Jürgen Schmid (Fraunhofer IWES), Klaus Preiser (Badenova) und Dr. Knut Kübler (BMWi):

Prof. Hegger wünscht sich langlebige, einfache und robuste technischen Lösungen für die Gebäudetechnik. Im Idealfall wären sie so langlebig wie die Gebäude und ebenso einfach bedienbar. Für ihn sind hierbei rein elektrisch betriebene Gebäude eine von mehreren Optionen.

Prof. Müller sieht letztlich zwei Arten von Energiekonzepten für Gebäude: Zum einen seien das „Strom-Gebäude“, die insbesondere über Wärmepumpen mit Wärme oder Kälte versorgt werden. Zum anderen wird es Gebäude mit Kraft-Wärme-Kopplung geben, mit unterschiedlichen Varianten der Kraft-Wärme-Kopplung – allesamt stromgeführt und mit elektrischen Wirkungsgraden von mehr als 40 Prozent.

Klaus Preiser sieht die Wärmepumpen als Schlüsselkomponente von Nur-Strom-Gebäuden. Er stuft diese Technologie als ökologisch bedenklich ein, weil sie – bei den verbreiteten Vorzugskonditionen der Stromversorger – letztlich die aktuelle Kraftwerksstruktur mit zentralen Kohle- und Kernkraftwerken zementiere. Wärmepumpen seien zudem in den überwiegenden Fällen weder betriebswirtschaftlich noch volkswirtschaftlich sinnvoll.

Nach Prof. Schmid sollten elektrisch angetriebene Heizungssysteme nur bei sehr energieeffizienten Gebäuden wie beispielsweise Passivhäusern eingesetzt werden. Auch für Wärmepumpen sieht er hier das bevorzugte Einsatzfeld. Für den Gebäudebestand existiere ein großes Potenzial für die Kraft-Wärme-Kopplung, wobei die Brennstoffe aus regenerativen Quellen kommen sollten, insbesondere aus Biomasse.

Für Dr. Knut Kübler spricht vieles für eine Energiezukunft in einer "All-Electrical-World". Gerade im Gebäudebereich sei dieser Trend sichtbar. Allerdings rät er davon ab, alles auf eine Karte zu setzen. Mit einer "Vorsorgeforschung" müssen auch andere mögliche Energiewelten sondiert werden.

Nach einem gemeinsamen Imbiss endete die Veranstaltung und viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, um die Messe zu besuchen.

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