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Nordseitenansicht der Gartenhofsiedlung Lummerlund.
© Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt

Bauliches Konzept.
© Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt

Durchschnittliche gemessene Energieverbräuche im Jahr 2000/2001 (Bezug: Wohnfläche).
© Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt

Endenergieverbrauch der Passivhäuser für Heizung, Warmwasser und Lüftung (Bezug: Wohnfläche).
© Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt
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Siedlung Wiesbaden-Dotzheim

Im Jahr 1997 wurde in Wiesbaden die erste Reihenhaussiedlung mit insgesamt 22 Passivhäusern errichtet. Die weitestgehende Vorfertigung ermöglichte eine Bauzeit von nur 10 Wochen.

Seit Oktober 1998 werden Verbrauchsdaten (Heizwärme, Warmwasser, Strom) sowie Raumtemperaturen in den Gebäuden erfasst, seit dem Sommer 2000 zusätzlich die Öffnungszeiten der Fenster. Die Beheizung der Räume erfolgt nicht über die Zuluft, sondern über regelbare Heizkörper.

Messergebnisse

Der Heizwärmeverbrauch der Passivhäuser liegt deutlich unter 15 kWh/m²a. Die Einsparung gegenüber einem vergleichbaren Gebäude, das entsprechend der 1997 gültigen Wärmeschutzverordnung erbaut worden wäre, beträgt 87%. Dabei sind große Unterschiede zwischen den einzelnen Gebäuden zu verzeichnen (Heizperiode 99/00: nutzerbedingte Streuung von 5 bis 21 kWh/m²a). Die Heizperiode reicht wegen des sehr guten Wärmedämm- Standards nur von November bis März. Erst bei Außentemperaturen unter 10°C ist Heizen überhaupt erforderlich. Die mittlere Raumlufttemperatur sank im Winterhalbjahr nie unter 20°C, im Sommer liegt sie unter 24,5°C.

In den Passivhäusern wird zusätzlich zur Lüftungsanlage auch über die Fenster gelüftet. Das Lüftungsverhalten der Bewohner passt sich jedoch der Witterung an. Die Fensteröffnungsdauer erreicht im Verlauf des Winters ein Minimum von weniger als einer Stunde pro Tag und liegt im Mittel niedriger als in konventionellen Gebäuden, auch in solchen mit Lüftungsanlage. Am Ende der Kernheizperiode werden die Fenster wieder länger geöffnet. In den Sommermonaten sind die Fenster bis zu durchschnittlich elf Stunden pro Tag offen, die Innenraumtemperaturen übersteigen aber nie 27°C.

Der gemessene Heizenergieverbrauch 2000/ 2001 und 2001/2002 lag mit 10,4 kWh/m² weniger als 0,5 kWh/m² über dem für das jeweilige Klima errechneten Bedarfswert. Den größten Einfluss auf den individuellen Heizwärmeverbrauch hat – wenn man auch die Niedrigenergiehäuser der Siedlung einbezieht – der bauliche Standard (NEH oder Passivhaus). Danach spielen die Raumlufttemperatur gefolgt von spezifischem Strom- und Warmwasserverbrauch eine wesentliche Rolle. Desweiteren wirken sich Fensteröffnungszeiten, Haushaltsgröße und Anwesenheitsquote aus. 

Bewohnerbefragung

In vier ausführlichen mündlichen Befragungen der Bewohner wurden die Akzeptanz, der Wohnkomfort sowie die Frage, ob in den Passivhäusern besondere Energiesparer wohnen, überprüft. Mit dem Wohnklima im Winter sind fast alle Bewohner zufrieden. Die Nutzer der Passivhäuser beurteilten die Luftqualität im Sommer weniger gut als imWinter, jedoch nicht anders als Bewohner konventioneller Häuser. Das Nichtöffnen der Fenster empfand die Mehrheit der Befragten als eine Erweiterung des Komforts: sie hätten ein angenehmes Raumklima, ohne an Fensterlüftung denken zu müssen. Ein Fünftel fühlte sich eingeschränkt (Wunsch nach Frischluft und Kontakt zur Natur).

Insgesamt sind die Bewohner mit ihrem Haus zufrieden, negative Bewertungen betreffen nicht das Konzept, sondern bauliche Details. Durch das Wohnen in einem Passivhaus wurden die Bewohner zum Energiesparen motiviert. In den NEH-Haushalten war diese Veränderung nicht zu beobachten. Die Bewohner der Passivhäuser unterscheiden sich nicht von denen der übrigen untersuchten Gebäude.

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Adressen

Projektleitung, Begleitforschung Wiebaden-Dotzheim
IWU GmbH

Begleitforschung Stuttgart-Feuerbach
Fraunhofer IBP

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(1 Seite, 103 kB)

Abschlussbericht
(20 Seiten, 455 kB)

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