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Geothermisches Heizwerk in Neustadt-Glewe. Im November 2003 beginnt hier die geothermische Stromerzeugung in Deutschland.
Projekt in Neustadt-Glewe
Projektinfo 09/2003
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Geothermische Stromerzeugung in Neustadt-Glewe

In 1.000 - ca. 5.000 m Tiefe finden sich in geologisch ganz unterschiedlichen Regionen Deutschlands Warmwasservorkommen (Thermalwässer). Ihre Temperaturen liegen regional verschieden und tiefenabhängig zwischen 40 und 190 °C. In Norddeutschland und im Rheingraben weisen diese Thermalwässer einen hohen Salzgehalt auf, während sie im Süden meist über beste Trinkwasserqualität verfügen.

In Deutschland existieren derzeit 24 größere hydrothermale Heizwerke im Leistungsbereich zwischen 100 kW und 20 MW. Häufig wird in diesen Anlagen die geothermische Wärme kaskadenartig genutzt, z. B. durch eine gekoppelte Verwendung des Thermalwassers für eine Fernwärmeversorgung und anschließend für die Trinkwasserversorgung. Die reine Wärmeauskopplung kann die ganzjährig zur Verfügung stehenden geothermischen Energieressourcen nicht vollständig nutzen, da im Sommerhalbjahr der Heizwärmebedarf absinkt und die Nachfrage nach Prozesswärme vielerorts dies nicht ausgleichen kann. Eine geothermische Stromproduktion in dieser Zeit des Jahres bietet sich als Erweiterung des Anlagenkonzepts an.

In Deutschland blickt die tiefe hydrothermale Geothermie auf eine 20-jährige Geschichte zurück. Zwischen 1980 und 1990 wurden in der ehemaligen DDR in Waren, Neubrandenburg und Prenzlau jeweils ein hydrothermales Heizwerk in Betrieb genommen und weitere Standorte vorbereitend untersucht. Nach der deutschen Einheit wurden die Anlagen in Neubrandenburg und Waren modernisiert und in Neustadt-Glewe (in der Nähe von Schwerin) eine überarbeitete Anlagenkonzeption verwirklicht, die 1995 in Betrieb ging. Neustadt- Glewe liefert seither ca. 11 MW therm an ein Fernwärmenetz, davon sind 4,5 MW geothermisch. Die Anlage wurde für die Stromerzeugung erweitert, und hier startete im November 2003 die geothermische Stromproduktion in Deutschland.

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Im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms der Bundesregierung wurden im Zuständigkeitsbereich des Bundesumweltministeriums Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur geothermischen Energieerzeugung, zum Bau von Forschungsplattformen und zur ökologischen Begleitforschung von Offshore Windenergieanlagen, zu Solarthermischen Kraftwerken sowie zur Herstellung von Kraftstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen und zur ökologischen Begleitforschung der Biomassenutzung und Brennstoffzellen mit insgesamt 67 Mio. Euro gefördert. Auf die Geothermie entfielen 21 Mio. Euro.

Aus dem Bereich des Hot-Dry-Rock Verfahrens sind dies, neben dem europäischen Gemeinschaftsprojekt in Soultz-sous-Forêts (Elsass), noch Projekte in Bad Urach (Schwäbische Alb) und Groß Schönebeck (Brandenburg). Die geförderten hydrothermalen Anlagen repräsentieren die verschiedenen geologischen Eignungsgebiete: Neustadt-Glewe (Nordostdeutschland), Unterhaching (Süddeutschland) und Offenbach (Pfalz).

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Projektnehmer
Erdwärme-Kraft GbR