
Gebäude sanieren - Gründerzeithäuser
In vielen Städten prägen noch heute Wohngebäude aus der Gründerzeit ganze Straßenzüge oder gar Stadtviertel. Diese Gründerzeithäuser, die um die Jahrhundertwende bis 1918 entstanden, sind die charakteristischste Gruppe der innerstädtischen Altbauten. Mittlerweile zählen diese Stadtquartiere oftmals zu den bevorzugten Wohnlagen. Großzügige Raumzuschnitte, hohe Geschossdecken und die reichhaltige Ausstattung der Häuser mit Stuck machen sie besonders begehrt. Das war nicht immer so. Zunächst war es üblich, die Gründerzeitarchitektur abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Erst in den 1970er Jahren konnte der Abriss gestoppt werden und eine behutsame Sanierung der noch verbliebenen Bausubstanz begann. Viele der Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.
Typisch für die Gründerzeitarchitektur ist eine etwa vier- bis sechsgeschossige Blockrandbebauung mit reich dekorierten Fassaden. Auf der Hofseite ist die Fassade meist schmucklos. Charakteristisch sind Außenwände aus Mauerwerk, die sich vom Erdgeschoss zu den darüber liegenden Geschossen verjüngen. In den Obergeschossen befinden sich Holzbalkendecken und über dem Kellergeschoss meist Stahlträgerdecken. Teilweise sind Bäder in den Wohnungen vorhanden. Ursprünglich versorgten Einzelofenheizungen die Gebäude mit Wärme. Der Heizwärmebedarf liegt nicht selten bei ca. 300 kWh/m²a. Die energetische Sanierung dieses Gebäudestandards wird in Hamburg an einem aus zwei baugleichen Gebäudeteilen bestehenden Gründerzeithaus exemplarisch durchgeführt. Ziel ist es, unterschiedliche Sanierungskonzepte zu realisieren, um diese hinsichtlich Effizienz und Kosten miteinander vergleichen zu können.
Die Sanierung erfolgt nach zwei Standards, eine Haushälfte nach dem Hamburger Klimaschutzprogramm und die andere nach den Vorgaben des Forschungsbereichs „Energetische Verbesserung der Bausubstanz“ (EnSan), der Bestandteil des Förderkonzeptes Energieoptimiertes Bauen (EnOB) ist. Der berechnete Primärenergieverbrauch von ca. 315 kWh/m²a soll nach der Sanierung um mehr als 50% gesenkt werden. Besonderes Augenmerk des Forschungsvorhabens, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird, gilt der Entwicklung übertragbarer Lösungen zur Sanierung von Gründerzeithäusern. Gefragt sind beispielsweise die Innendämmung der Straßenfassade und neue Sanierungslösungen für Balkone und Balkenköpfe, um die Wärmeverluste zu reduzieren und Feuchteschäden zu vermeiden. Die Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. Das Gebäude ist wieder bewohnt und war Gegenstand einer intensiven messtechnischen Untersuchung.
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Adressen
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