Grundlaststrom von der Nordsee
In der deutschen Nordsee sind Gasvorkommen bekannt, deren Verwertung wegen hoher Stickstoffanteile nicht mehr wirtschaftlich war. Der Wirtschaftsverband für Erdöl und Erdgasgewinnung schätzt das Explorationspotenzial auf bis 230 Milliarden m³. In dem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt „Netzintegration von Offshore Großwindanlagen – Grundlast von der Nordsee” untersuchen Forscher der TU Clausthal, ob die Infrastruktur, die für künftige Offshore-Windparks in der Nordsee notwendig ist, auch für diese Ressource genutzt werden kann. Mit einem integrierten Einsatz von Windkraft, Druckluftspeichern, Gaslagerstätten, Schwachgasverstromung und Gaskraftwerk wäre ein beträchtlicher Synergiegewinn verbunden. Bei geringer Last speichert ein Druckluftspeicher überschüssige Energie, die bei Bedarf zusammen mit dem Schwachgas in einer speziellen Gasturbine verstromt wird. Die Offshore-Stromlieferung würde planbar bis hin zur Grundlastversorgung von der Nordsee. Gleichzeitig werden die elektrischen Übertragungsleitungen zu den Offshore-Windparks optimal genutzt. Die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur senkt die anteiligen Kosten.
Die Nordsee und die norddeutsche Küstenregion bieten ideale geologische Voraussetzungen für den Bau von Druckluftspeicher- Gasturbinen-Kraftwerken. Inwieweit das vorgestellte Konzept tatsächlich umsetzbar ist, prüft eine Arbeitsgruppe der TU Clausthal. Die Forscher untersuchen dabei auch, ob und in welchem Umfang bei einem solchen Konzept die zusätzlichen Kraftwerke mit Gasturbinen an der Küste notwendig und wirtschaftlich sind. Voruntersuchungen zum „Clausthaler Konzept” kommen zu folgenden Ergebnissen:
- Gasturbinen zur Verstromung von Erdgas mit einem Stickstoffgehalt bis etwa 70% sind verfügbar
- Die Nutzung von Erdgasvorkommen gemeinsam mit Windparks ist (bis zu 3500 h/a Windvolllaststunden) wirtschaftlich vergleichbar mit einer Entwicklung der Erdgasvorkommen allein
- Der Aufbau von Windparks ist mit Erdgasnutzung wirtschaftlicher als ohne
- Ein gemeinsamer Betrieb ist nur für größere Leistungen wirtschaftlich sinnvoll (200 MW und mehr).



